Die Schönheiten des Blackwater-Valleys

Bereits bei der Abfertigung am Flughafen nach Cork in der Republik Irland erklingen zarte Saitentöne der irischen Harfe. Eine junge Frau sitzt an dem voluminösen Instrument und trägt mit ihrem Spiel entscheidend dazu bei, dass diese oftmals hektische Prozedur am Schalter heute sehr entspannt abläuft.

Peter aus Berlin müht sich, eine überdimensionale Pappbox zur Sondergepäckabfertigung zu bugsieren. Er hat sein Trecking-Rad für einen Fahrradurlaub darin verpackt. „Dafür habe ich den Lenker umgelegt, den Sattel ganz ab- und die Pedalen nach innen geschraubt“, erklärt der Reiseradler. „Ich bin am liebsten auf den eigenen zwei Rädern unterwegs“, erzählt der Irland- und Fahrradliebhaber, der in den kommen drei Wochen auf eigene Faust entlang der Küste radeln will.

Unser Reiseziel ist ebenfalls der Südwesten Irlands. Auf Leihrädern werden wir in mehreren Tagesetappen den neu eingerichteten „Blackwater-Valley-Radweg“ erkunden, der nordwestlich von Cork City in Rathmore (Grafschaft Kerry) beginnt und sich auf wenig vom Autoverkehr belasteten Landstraßen 193 Kilometer quer durch die Grafschaft Cork über die Orte Mallow, Fermoy und die Hafenstadt Youghal bis nach Midleton, dem Herz der irischen Whiskeyproduktion, erstreckt. Neben dem Radfahren haben wir ausreichend Zeit für die Schönheiten der Landschaft und die Sehenswürdigkeiten an der Strecke eingeplant.

Am ‚Cork Airport‘ erwartet uns bereits Noel, der sich in den nächsten Tagen um unsere zusammengewürfelte sechsköpfige Fahrradgruppe aus ganz Deutschland kümmern wird. Es geht direkt zum Fahrradverleih. In einem kleinen, bunt angemalten Häuschen suchen wir für die jeweilige Körpergröße passende Räder aus, stellen die Sattelhöhe korrekt ein, überprüfen die Bremsen und den Reifendruck usw. Erst danach wird die Unterkunft bezogen. In Cork City, der mit ca. 200.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt der Republik Irland, beeindrucken u.a. die St. Patrick Street mit ihren an übergroße Segel erinnernden Lampen, der Englische Markt und der „Red Abbey“-Turm, der Rest eines Augustinerklosters und das ältestes noch erhaltene Gebäude der Stadt am Fluss Lee.

Gutes Kartenmaterial und jede Menge Tipps
Unsere individuell etwas abgeänderte Tour beginnt am nächsten Morgen in Fermoy nördlich von Cork City, direkt am Blackwater-Fluss, dem Namensgeber unser Fahrradstrecke. Ausgestattet mit gutem Kartenmaterial und jeder Menge Tipps macht sich die Gruppe auf den Weg in Richtung unseres ersten Etappenziels, des Städtchens Mallow.

Noel fährt einen roten Kleinbus, der unser Gepäck transportiert. Während des Tages können wir im Notfall über Handy jederzeit Kontakt mit unserem „Guide“ aufnehmen. Darüber hinaus haben wir feste Treffpunkte auf der Strecke vereinbart.

Die alles beherrschende Farbe in Irland ist grün. Nicht zu Unrecht preisen Protagonisten der traditionellen irischen Musik wie Christy Moore oder Mary Black in ihren Liedern die 40 verschiedenen Schattierungen der Farbe Grün auf der Insel. Die Gruppe radelt überwiegend durch Hügellandschaften. Auf durchaus kräftige Anstiege folgt regelmäßig der Lohn schöner Abfahrten. Schon bald erreichen wir einen ersten Blickfangpunkt an der Strecke: Ein frühzeitliches Steingrab. „Dieses Monument bezeugt eine 4000 Jahre zurückliegende keltische Besiedlung Irlands“, erklärt uns Noel.

Die Mittagspause kann preiswert in den irischen Pubs eingenommen werden. Oftmals besorgen wir uns auch nur ein paar Sandwiches. „Mit zu vollem Magen komme ich nach dem Lunch keinen dieser Hügel mehr hinauf“, macht nicht nur Mitradlerin Anna ihre spezifischen Irland-Erfahrungen. Es geht weiter vorbei an Farmhäusern, Rundtürmen, in den sich einst die Mönche vor den Wikingerüberfällen in Sicherheit gebracht haben, alten Kirchen und vielen Burgruinen. Der eine oder andere Wegweiser hätte an der Strecke mehr aufgestellt sein können, finden wir.

Am Ende eines wunderschönen, nicht zu heißen Radlertags erreichen wir unser Etappenziel im Norden der Grafschaft Cork. Wir treffen Noel direkt am Mallow Castle, auf dessen Grundfläche seit dem 12. Jahrhundert vier verschiedene Festen errichtet wurden. Heute sind noch die Ruine des Old Mallow Castle und die jüngste, im Landhaus-Stil errichtete Version zu besichtigen.

Nach einem prächtigen Dinner gehen wir anschließend noch der Frage nach, welches der berühmten irischen Dunkelbiere (Irish Stout) Guiness, Murphies oder das in Cork gebraute Beamish wohl das Beste ist. Manche aus der Gruppe bevorzugen allerdings das eher rötliche und leichtere Smithwicks (Ale). Da wir aber primär zum Fahrradfahren gekommen sind und morgen früh wieder Fitness gefragt ist, wird überwiegend in kleinen „Halfpint“-Gläsern getestet.

Dauerregen und Sonnenbrand

Am Morgen erwartet uns eine unschöne Überraschung: Das Wetter hat sich eingetrübt, tief hängende dunkle Wolken wirken bedrohlich. Die alle gleichermaßen beschäftigende Frage lautet: Werden wir trocken durch den Tag kommen?

Trotz der feuchten Bedrohung radeln wir weiter auf den alten Landstraßen des Blackwater-Tal-Fahrradweges, den wir nur selten mit Pkw oder Lastkraftwagen teilen müssen. Der Hauptverkehr fließt heute auf neuen, in den vergangenen Jahren mit EU-Geldern geförderten Verkehrsadern. Manchmal radeln wir entlang einer Allee mit altem Baumbestand. Meistens jedoch geht es durch Farmland mit grünen Wiesen, Weizen- und Zuckerrübenfeldern.

Etwa auf halbem Wege in Richtung unseres Etappenziels Youghal erwischt es uns doch noch: Erst beginnt es zu tröpfeln, dann wird der Regen immer stärker und hält für den Rest des Tages an. „Eben typisches irisches Wetter“, witzelt jemand. Am Etappenziel in dem Hafenstädtchen Yougahl, das auch als Filmkulisse für die Romanverfilmung von „Moby Dick“ berühmt wurde, sind wir völlig durchnässt und geschafft. Alle freuen sich auf die heiße Dusche im Hotel.

Tags darauf lacht wieder die Sonne. Wieder hat sich das Wetter über Nacht vollkommen gewandelt. Es verspricht ein sehr heißer Sommertag zu werden. Leider ist es bereits unsere Schlussetappe.

Obwohl Noel eine Flachetappe verspricht, müssen auch heute wieder einige der innig geliebten Hügel bewältigt werden. Nicht ganz freiwillig nehmen wir auch eine kleine Streckenzugabe in Kauf: An einer unübersichtlichen Kreuzung sind wir einem windschiefen Wegweiser in die falsche Richtung gefolgt. Im nächsten Ort bemerken wir unseren Irrtum. Kein ernsthaftes Problem: Ein freundlicher Bauer weist uns den richtigen Weg.

In der lebhaften Kleinstadt Midleton angekommen, dem Ziel unserer Fahrradtour entlang des Blackwater-Valley-Radweges, haben wir uns alle ein leckeres Eis verdient. Etwas rot an Armen und Gesicht, aber glücklich, ruhen wir uns aus. Bevor es im roten Kleinbus zurück nach Cork City geht, werfen einige noch einen Blick in die altehrwürdige Midleton Whiskey-Brennerei. Wer hätte daheim in Deutschland gedacht, dass man sich im „regnerischen Irland“ auch einen richtigen Sonnenbrand zuziehen kann? 

1) Typischer Irischpub, 2) Landschaft im County Cork.
3) Ein windschiefer Wegweiser ohne Richtungsgarantie, 4) Die Ruine des Old Mallow Castle.

Text und Fotos: Harald Lutz

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Fahrradmitnahme im Flugzeug oder Leihfahrrad vor Ort?

Für den Fahrradurlaub in Irland kann sowohl der eigene Drahtesel im Flugzeug mitgenommen als auch auf gute Leihfahrräder vor Ort zurückgegriffen werden. Die Konditionen sind bei den einzelnen Fluglinien und Fahrradverleihern jeweils unterschiedlich.

Die irische Gesellschaft Air Lingus beispielsweise berechnet für die Fahrradmitnahme von Deutschland nach Irland 30 Euro. Für Hin- und Rückflug macht das einen Aufpreis von 60 Euro zum regulären Flugticket. Versicherungsschutz gegen mögliche Beschädigungen während des Transports ist darin nicht enthalten. Wer mit 20 Kilogramm aufzugebenden Gepäck (Fahrrad und Radtaschen) sowie acht Kilo Handgepäck auskommt, zahlt bei der deutschen Lufthansa in der ‚Economy Class‘ für sein Zweirad-Sondergepäck nichts extra. Darüber hinaus greift ebenfalls ein Festpreis von 30 Euro pro Rad für die einfache Strecke. Bei den, gegenüber anderen Gesellschaften, etwas teueren Tickets ist eine Gepäckversicherung bis zu einem Wert von 1.200 Euro bereits eingeschlossen.

Wer sehr wertvolle Räder mit dem Flugzeug transportieren will, sollte auf die richtige Verpackung wie Fahrradsack, Kartonage oder Hartschalenkoffer achten und ggf. auch eine Zusatzversicherung abschließen, empfehlen die befragten Fluggesellschaften. Zweiräder ohne Sonderverpackung und vorherige Teilmontage und werden aber nicht einfach am Flughafen stehen gelassen. Es empfiehlt sich aber in jedem Fall für die geliebten Vehikel eine rechtzeitige Anmeldung und Reservierung vorzunehmen. Für das Ausleihen eines guten Treckingrades oder Mountainbikes wiederum darf man in Cork City bis zu 20 Euro pro Tag berappen. Die ganze Woche kostet trotz Rabatt immer noch 80 Euro. Dafür fügt man seinem eigenen geliebten Gefährt, das sicher zu Hause im Flur steht, keine neuen Rahmenkratzer oder womöglich Schlimmeres zu. H.L.

Weitere Informationen über Anreise und Unterkunft sowie Radwanderkarten und Kontakt:

Irland Information
Gutleutstraße 32
60329 Frankfurt/Main
Tel: 069-6680 0950
Fax: 069-9231 8588
info@entdeckeirland.de

Reiseinfos im Web:
www.irishadventures.net

www.entdeckeirland.de

www.corkkerry.ie

www.eastcorktourism.com

www.blackwater-resources.com

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