ADFC – die treibende Kraft im deutschen Radtourismus

Der ADFC ist seit vielen Jahren im ­Radtourismus engagiert. Wir stellen vor: Wer macht was im ADFC-Radtourismus? Ein „Who is Who“ und „What is What“.

Raimund Jennert, Potsdam, hier auf der ITB 2014 in Berlin bei der Vorstellung der Radreiseanalyse: der gestandene Profi-Touristiker und Mitentwickler der Radwege-Zertifizierung ist im ADFC-Bundes­vorstand zuständig für Tourismus
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Natürlich kann jeder, der eine Radreise plant, gezielt einen Bogen um all das machen, was der ADFC an Service- und Informationsleistungen bietet. Das ist aber mittlerweile gar nicht mehr so einfach, und es wäre auch nicht sehr klug. Man ist vielmehr gut beraten, sich Service und Expertise des ADFC zunutze zu machen. Und zwar auf allen Stufen der Reiseplanung und dann auch auf der Radtour.

Fangen wir mit der Überlegung an, wo denn die Radreise überhaupt hingehen soll. Ins Ausland? Da ist der ADFC zwar eigentlich gar nicht zuständig, hat aber eine hervorragend gepflegte Informationsdatei auf seiner Website www.adfc.de: Auf ADFC / ADFC-ReisenPlus / Ausland / Europa-Infos bekommt man praktische Infos zur radtouristischen Situation in allen europäischen Ländern.

Doch lieber in Deutschland, aber noch nicht klar wohin? Da greift man doch erst mal zum Prospekt „Deutschland per Rad entdecken“, den der ADFC gemeinsam mit der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) alle zwei Jahre neu herausbringt. Radreiseregionen und Radfernwege stellen sich vor, mit den wichtigsten touristischen Features und allen Adressen, Literaturhinweisen und Internetseiten, die für eine genauere Reiseplanung notwendig sind.

links: Karin Pröll, Hannover. Sie hat schon in mehreren Landes-Touristik­agenturen verantwortliche ­Positionen bekleidet und ist Leiterin des „Fachausschuss Tourismus“ im ADFC, einem Team von ca. 30 engagierten ­Radtouristikern aus dem gesamten Bundesgebiet.
rechts: Thomas Froitzheim, Erftstadt: der ­Experte schlechthin für Geodaten, GPS, Kartografie und allem was damit zusammenhängt. Der frühere Leiter der Radkartografie bei unserem Partnerverlag BVA ist in der Branche überall bekannt und arbeitet jetzt selbständig als Geoinfo-Trainer, national und international. Er gehört seit vielen Jahren zum Leitungsteam des Fachausschusses Tourismus.
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Immer noch unentschlossen? Wie wäre es mit dem Besuch des nächstgelegenen ADFC-Radreisemarkts? Nicht nur in Frankfurt gibt es so etwas, sondern in rund einem Dutzend deutscher Städte – die größten ADFC-Radreisemessen finden jedes Jahr in Hamburg und Bonn statt.

links: Wolfgang Reiche, ­Bremen: der „Urvater des ADFC-Radtourismus“. Seit Jahrzehnten weltweit auf dem Reiserad unterwegs. Wolfgang organisierte in Bremen den ersten ADFC-Radreisemarkt überhaupt. Er erfand und gründete „Bett+Bike“, dem heute 5.500 Gastbetriebe angeschlossen sind. Der frühere langjährige Fachausschussleiter ist heute in Rente, aber topfit und in zahlreichen ADFC-Touristikaktivitäten nach wie vor mit Rat und Tat dabei.
rechts: Gabi Bangel, Berlin, langjährig erfahren in der Radtouristik und Projektleiterin „Deutschland per Rad entdecken“. Sie ist in der ADFC-Bundesgeschäftstelle Referentin für Tourismus
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Vielleicht doch lieber eine geführte Pauschal-Radreise buchen? Kein Problem, der ADFC bringt jährlich den Katalog „Radurlaub“ heraus, mit Angeboten von Radreiseunternehmen und Reisemöglichkeiten von Memmingen bis Myanmar, von Tauberbischofsheim bis Tamil Nadu. Und dann gibt es ja noch den jeweiligen lokalen ADFC selbst mit seinem Angebot geführter Mehrtagestouren. Hier in Frankfurt sind dies 2015 allein 17!

Eine von neun: Nicole Gilla, Frankfurt, hier rechts bei der Urkundenübergabe an einen saarländischen Gastbetrieb, gehört zum Team von neun Regionalmanager/-innen des Projekts „Bett+Bike“. Die Regional­manager/-innen betreuen das Projekt von verschiedenen Landes­geschäftsstellen aus.
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Doch lieber individuell, aber die Qualität des Radwegs muss stimmen? Dafür hat der ADFC mittlerweile 50 Radfernwege und 4 Radreiseregionen in Deutschland und in einigen angrenzenden Ländern nach zahlreichen Kriterien überprüft und als ADFC-Qualitätsradroute bzw. ADFC-RadReiseRegion mit Sternen von 1 bis 5 qualifiziert.

Überhaupt Radfernwege – welches die beliebtesten und meistbefahrenen Radfernwege und die beliebtesten und meistbesuchten Radreiseregionen sind, ermittelt der ADFC jedes Jahr vor der ITB (Internationale Tourismusbörse, Berlin, die Welt-Leitmesse für Touristik) und präsentiert dies dort im Rahmen der ADFC-Radreiseanalyse der Fachpresse.

Soll es alleine aufs Rad gehen, oder wäre nicht ein/e Partner/-in für die Radtour auch mal eine Alternative? Dafür gibt es die ADFC-Mitradelzentrale. Diese bringt Urlaubs- und Freizeitradler zusammen, die nicht allein unterwegs sein wollen.

Wenn jetzt klar ist, wohin einen die Radreise führen soll, kann es ins Detail gehen. Karten und Reiseführer müssen studiert werden, auf Papier und/oder digital. Für die „Analogen“ geht es in den nächsten ADFC-Infoladen oder in einen gut sortierten Buchladen, für eine ADFC-Radtourenkarte oder ADFC-Regionalkarte des ausgewählten Urlaubsziels. Diese zwei Karten­serien bringt der ADFC gemeinsam mit der BVA (Bielefelder Verlagsanstalt) schon seit vielen Jahren heraus. Vor kurzem ist noch eine neue Serie von ADFC-Radreiseführern hinzu gekommen.

Wer die Tour digital planen und gleich in sein Navi hochladen will, klickt sich ins ADFC-Tourenportal mit seinen über 400.000 Kilometern Fahrradstrecken und zahlreichen Zusatzinformationen. Überhaupt, wer ein Fahrrad- und Outdoornavi von Herstellern wie Falk und Garmin kauft, hat gleich schon die Grund-Streckeninformationen des ADFC-Tourenportals geladen.

Wer auch die Unterkunftsfrage schon bei der Planung angehen will, greift zum Bett+Bike-Verzeichnis oder klickt sich auf www.bettundbike.de durch die Angebote von 5.500 fahrradfreundlichen Gastbetrieben in Deutschland. Der ADFC betreibt dieses Projekt seit 15 Jahren, es ist das zahlenmäßig größte Zielgruppen-Qualitätslabel des deutschen Beherbergungs­gewerbes.

So, lange genug vorbereitet. Es geht los. Gern in Deutschland, dem Radtourismusland Nr. 1 weltweit. Wie geht’s nun zum Ausgangspunkt der Reise? Vielleicht mit dem Fernbus? Der ADFC hat kürzlich mit dem Marktführer Meinfernbus.de eine Kooperation geschlossen. Mitglieder können ihr Fahrrad im Sommer kostenlos mittransportieren lassen.

Auf der ADFC-Qualitätsradroute fällt die Orientierung leicht, die Ausschilderung ist korrekt und der Weg gut befahrbar – so sollte es jedenfalls sein. Smartphone-Nutzer haben sich die ADFC-Sternerouten-App geladen, mit wichtigen Infos rund um die Sternerouten, auch Reparaturwerkstätten und Bett+Bike-Betriebe. Nach einem schönen Radeltag lässt es sich dort gut schlafen und zumeist auch gut essen und trinken.

Soweit ein Überblick über die radtouristischen Aktivitäten des ADFC und die wichtigsten Akteure, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Rechtzeitig zum Frankfurter RadReiseMarkt und zum Beginn der Radtourensaison möchten wir da­mit für ein wenig Hintergrundwissen sorgen.

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2015

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