Frankfurt stagniert auf respektablem Niveau

Fahrradklima-Test 2014

Das war der Startschuss: Katherina Reiche, Bundesverkehrsministerium und Burkhard Stork, ADFC-Bundesgeschäfts-führer zum Auftakt des ADFC-Fahrradklima-Test 2014

Hessische ADFC-Pressekonferenz am 19. Februar 2015 zum ­Fahrradklima-Test 2014: Norbert Sanden, Landesgeschäfts-führer ADFC Hessen, im Pressegespräch
Fotos: ADFC

Über 100.000 antworteten, davon über 1.000 in Frankfurt: wie beurteilen die Radfahrer die Fahrradfreundlichkeit ihrer jeweiligen Heimatstadt. Es wurden Bewertungen nach dem Schulnotensystem vergeben. Am besten schnitt unter den großen Städten mal wieder der notorische Spitzenreiter Münster ab, mit einer Schulnote von 2,5. Wegen seines sehr schwachen ÖPNV-Anteils ist Münster aber insgesamt für Frankfurt kein Vorbild. Den zweiten Platz belegt Karlsruhe – eine Stadt, deren erfolgreiche (Rad)verkehrspolitik in vielerlei Hinsicht für Frankfurt vorbildlich sein könnte. Frankfurt belegt mit einer gerade mal befriedigenden Bewertung seiner Radler von 3,61 (2012: 3,65) immerhin den achten Rang von 35 Großstädten (2012: Rangplatz 9). Man könnte sich zurücklehnen und sagen: alles in bestem Kettenfett! Wir vom ADFC sehen das aber etwas anders. Daher hier unsere Presseerklärung zum Fahrradklima-Test 2014:

Fahrradklima-Test 2014:
Frankfurts Aufschwung ist ­leider vorbei!

Frankfurts Bewertungen im Fahrradklima-Test 2014 bleiben im Wesentlichen konstant gegenüber 2012. Dies gilt sowohl in der allgemeinen Bewertung (Platz acht unter den Städten über 200.000 Einwohner) als auch bei den besonderen Stärken (Einbahnstraßen-Freigabe, Mitnahme im ÖPNV) und Schwächen (Baustellen und Hindernisse, Falschparker).

Man kann ein halbvolles oder halbleeres Glas so oder so interpretieren. Eine Variante wäre: Frankfurts Bewertungen im Fahrradklima-Test bleiben wie schon 2012 auf überdurchschnittlich hohem Niveau. So sieht es wahrscheinlich das Verkehrsdezernat.

Wir als ADFC Frankfurt meinen: da wäre mehr drin gewesen! Mit auch nur etwas mehr Power und etwas mehr erkennbarem Willen zur Umsetzung eigentlich schon beschlossener Projekte hätte Frankfurt weiter in der Tabelle hoch­klet­tern können.

Wir erinnern uns: 2013 wurden Verkehrsdezernent Stefan Majer und Verkehrsausschussvorsitzender Helmut Heuser nach Berlin eingeladen, um eine Auszeichnung entgegen zu nehmen dafür, dass Frankfurt einen großen Sprung nach vorn gemacht hatte gegenüber dem vorhergehenden Fahrradklima-Test.

Seitdem herrscht Stagnation, wohin man schaut:

  • Von der angekündigten Einführung eines ausgeschilderten Radverkehrsnetzes ist noch nicht einmal im Vorfeld der Verwaltung eine Aktivität zu erkennen.

  • Die Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht, 2013 noch mit einer pressewirksamen Kick-Off-Aktion in Bockenheim gestartet, kommt nicht voran.

  • Die Schließung der über 100 Lücken im Radverkehrsnetz würde beim derzeitigen Umsetzungs­tempo Jahrzehnte dauern.

  • Das was derzeit überhaupt neu gebaut wird an Radverkehrsführungen, ist häufig unbefriedigend und entspricht nicht neueren Standards.

Der Abstand von zwei Jahren zwischen zwei solchen Erhebungen ist relativ kurz, es ändert sich in zwei Jahren nicht viel, auch nicht in der subjektiven Wahrnehmung der Radfahrer. Glück gehabt, Frankfurt! Würde die Stadt nicht noch von den Fortschritten vergangener Jahre zehren, hätte die Bewertung sogar schlechter sein können, denn: Stagnation ist Rückschritt!

Bertram Giebeler


Inhalt Ausgabe 2 (Mär/Apr) / 2015

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