Ausgabe 4/2001   Juli/August

MOA = Mobil-Ohne-Auto

Das Motto dürfte die meisten ADFC-Mitglieder einen, ist doch das Fahrrad eines der probatesten Mittel zum Erreichen dieses hohen Zieles. Unter der schlichten Devise MOA findet jedes Jahr im Juni ein dezentral organisierter Aktionstag statt. Mobilität: JA BITTE. Nachteile der verbrennungsmotorgetriebenen Vehikel: NEIN DANKE. Eben MOA.
Als man/frau die eigenen verkehrspolitischen Ambitionen noch nicht an eine Partei- oder Vereinsmitgliedschaft delegiert hatte, kamen am MOA-Tag Hunderte zusammen und feierten ihre Ideen, die uns alle ein Stück weit zum Ziel bringen könnten. Vor wenigen Jahren noch feierte auch der ADFC Frankfurt ein MOA-Fest im Ostpark. Aber es wurde stiller um MOA; wer im Verein sollte auch diese Organisation noch in die Hand nehmen? Und anderen verkehrspolitischen Vereinen mag’s genauso gehen.
Eine Woche vor dem Aktionstag 2001 erreichte uns ein Aufruf von MOA & Bündnis 90/Die Grünen, Stadtteilgruppe Dornbusch-Eschersheim-Ginnheim, die eine kleine Tour auf der Eschersheimer Landstraße angemeldet hatten. Den mailten wir rasch an alle ADFClerInnen in unserem Adressverzeichnis. Unser verkehrspolitischer Sprecher reagierte am schnellsten: Am 17. Juni 2001 hatte der Vorstand des ADFC Frankfurt seine Kräfte schon 4 Tage lang beim evangelischen Kirchentag gebunden. Angesichts der Vielzahl von Aktivitäten sah man keine Chance einer offizielle Beteiligung an MOA und legt den Schwerpunkt auf den Aktionstag im September.
Na, wenigstens wetterfeste Leute, die nicht beim Kirchentag und nicht im Urlaub weilten, könnten doch mal eine Stunde lang bei einer MOA-Veranstaltung den ADFC mit aufs Bild bringen. Die blauäugigen Nordwestler hatten aber nicht an die Sorgen unseres verkehrspolitischen Sprechers gedacht. Denn in der Kürze der Zeit konnte die Gruppe sich nicht mehr abstimmen, ob man mitmachen will, kann oder soll. Wir hatten auch nicht bedacht, dass bei so einer Aktion vielleicht irgendwelche Chaoten mitmischen könnten, die dem guten Namen ADFC schaden würden. Und natürlich sollte der ADFC gegenüber Parteiaktivitäten eine gewisse Zurückhaltung pflegen.
Trotzdem fand noch eine Handvoll ADFClerInnen zum Weißen Stein, natürlich korrekt ohne Transparent oder auffällige Vereinswerbung. Auch Die Grünen hielten sich zurück mit ihrer Parteiwerbung. Und von "MOA" war außer den Plakaten am Straßenrand nichts zu sehen. Die Presse fotografierte ein paar interessante motorfreie Fortbewegungsmittel. Die muntere Truppe in Größe einer gut besuchten Feierabendtour rollte dann unter dem Schutz von 2 Motorrädern + 1 Streifenwagen der Polizei per Einrad, Babytransport, Skates oder Fahrrad genüsslich die halbe Eschersheimer runter und wieder rauf und hatte Mühe, alle Fahrspuren zu benutzen.
Divide et impera – "Teile und herrsche" war das Erfolgsrezept des Franzosenkönigs Ludwig XI im 15. Jahrhundert: die Gegner hübsch gegeneinander aufgewiegelt, bringt Freiraum für den Machthaber. Im ADFC ist das gar nicht mehr nötig. Leute, die für Alternativen zum Leben in der (mobilen) Sackgasse arbeiten, sollten sich doch lieber an J. W. von Goethes Weisheit halten:
Entzwei‘ und gebiete! – Tüchtig Wort! / Verein‘ und leite! – Bess‘rer Hort!
Nur zusammen können wir etwas erreichen. Im Juni 2002 ist wieder MOA-Tag. Unter www.mobilohneauto.de/links.html steht an erster Stelle: Allgemeiner Deutscher Fahrradclub. Wenn der Bundesweite Dachverband der Verkehrsbürgerinitiativen schon mehr von uns gehört hätte, wäre unser Verein sicher richtig geschrieben.

Sven Hechler

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