Ausgabe 6/2001   November/Dezember

Autos zu Kuchenblechen
Tour de Natur – den Nationalpark Hainich besichtigen – kleine Etappen, Vollversorgung und -verpflegung – mit Kultur, Tanz und Geselligkeit. Weiter wusste ich nicht, was mich auf der "Tour de Natur 2001" erwarten würde...

Das klang gut, und da kann man ja mal mitfahren. Mit eher touristischen Motiven fuhren wir also nach Niederkaufungen bei Kassel; meine Freundin nahm etwas wiederwillig die Ärgernisse der DB in Kauf – lieber wäre sie mit dem eigenen Gebrauchtwagen gefahren. Der Anblick von 60 Fahrrädern nebst überzeugten BenutzerInnen ließ sie solchen Ärger schnell vergessen. Alter Freiheitsdrang kam wieder, und schließlich würden auf der Tour ein Arzt, ein Mechaniker und viel Hilfsbereitschaft mitfahren. Das beruhigte uns rasch.
In Kassel bei der Auftaktveranstaltung gab sich die Tour als Demonstration. Die Anwesenheit von Presse und der BUND-Bundesvorsitzenden Angelika Zahrnt beeindruckten mich ebenso wie der ausdrückliche Schutz durch die Polizei. Durch die Streckenführung war die erste Etappe nach Witzenhausen über Hannoversch Münden dann auch politisch recht aufgeladen. Danach, und auf vielen Teilstrecken im Weiteren, waren dies jedoch nicht die Hauptsachen für viele Tourteilnehmer. Ich würde diese Tour eher als "Tour de Lebensfreude alternativer Art" bezeichnen, irgendwann bekam sie auch den Namen "Tour de l'amour", kein Wunder. Liegt es doch nahe, sich aus so vielen netten Leuten eine oder einen anzulachen.
Sehr beeindruckt hat mich – ich komme als "Stadt-Radler" ja sonst nicht so viel herum in Deutschland wie Andere – der Nationalpark Hainich. Durch die ehemalige militärische Nutzung hat sich hier ein richtiger Ur-Wald erhalten. Die Natur geht ungestört ihre weisen Bahnen, zu Fuß hätten wir allerdings noch wesentlich mehr gesehen. Zum Glück findet man jetzt leichter die Zufahrt vom Werra-Radweg aus, da wir der Parkverwaltung ein diesbezügliches Holzschild schenkten.
Wer zählt die Projekte, nennt die Namen – vielleicht der ausführlichere Bericht eines Kollegen im Winter einmal. Ich will mich – erholt, besser im Tritt und mit gestilltem Sonnenhunger – aufs Grundsätzliche beschränken. Wir waren vielleicht die unpolitischste Tour seit langem, das sagten mir andere und manche störten sich daran. Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei klappte diesmal ziemlich reibungslos; nur einmal ging ein Polizeiauto kaputt: Ein überkochender Kühler auf einer besonders heißen Etappe war die Ursache. Tags darauf – Zufall oder nicht – begleitete uns ein Fahrrad-Polizist. Volkmar Gerstein, Landesvorsitzender des ADFC Hessen, fand es gut, ein bisschen seriöser und kooperativer an die örtlichen Politiker heranzutreten. Wolf von Bültzingslöwen, eine der "Seelen der Tour de Natur" brachte es auf diesen Punkt: "Vielleicht sind wir dieses Jahr erstmals wieder viel mehr Leute, weil wir auch die ansprechen, die nicht nur gegen Etwas demonstrieren wollen, sondern für Etwas!" Und tatsächlich: In der Spitze 170 – TeilnehmerInnen, nicht km/h. Sollte es nächstes Jahr nach Berlin gehen, werden es eventuell noch mehr werden. Bei der Planung und Vorbereitung in Erfurt ist jeder willkommen.
Der Spruch mit den Kuchenblechen, den Thüringern sehr eingängig, kam übrigens von einem Teilnehmer mit Humor: als uns jemand im Gegenverkehr mit besonders dicken Breitreifen, Spoilern und extralauten Bässen beeindrucken wollte... Ob er ihn gehört hat? (ak)

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