Ausgabe 6/2001   November/Dezember

Bahnerlebnis der außergewöhnlichen Art

Es gibt fast unendlich viele Geschichten um Bahn und Fahrrad. Fast jeder kann eine erzählen, der sein Rad ab und zu mit der Bahn mitnimmt. Oft dreht es sich dabei um Probleme für Rad und Radler.

Auf meiner diesjährigen Lahntour im September 2001 hatte der Pannenteufel zugeschlagen. Das Opfer war Kamilla Nuyken mit ihrem "Moulton"-Rad, das mit den kleinen Rädern. Das erste Mal haben wir es noch gelassen genommen und vorn den passenden Ersatzschlauch eingebaut. Dann war Volker Radeck mit seinem Liegerad dran, auch sein Rad war platt und musste repariert werden. Und eine weitere halbe Stunde später saß Kamilla wieder auf der Felge – diesmal hinten.
Wir hatten schon einige Zeit verloren und inzwischen auch keinen passenden Schlauch mehr für das "Moulton". Und Marburg, unser Tagesziel, war noch 25 Km entfernt. Es war bereits 18:00 Uhr und das Ziel sollte längst erreicht sein.

Da kam uns der nächste Bahnhof in Friedensdorf gerade recht. Wir pumpten nochmal tüchtig auf, fuhren mit der letzten Luft dorthin und sahen uns nach dem Fahrplan um. Inzwischen war es kurz nach 18 Uhr. Erfreut sahen wir, dass der letzte Zug nach Marburg um 18:59 Uhr fahren sollte.

Die Weiterradler wollten sich schon auf den Weg machen, als ein Bahnbediensteter vom nahen Stellwerk zu uns kam. "Wollen Sie nach Marburg? Da fährt heut‘ nichts mehr" erklärte er uns. Wir hatten das "Kleingedruckte" übersehen, dass der 18.59 nur sonntags fährt (und wir waren freitags dort). Da hätten wir beinahe Kamilla stehen lassen, und es wäre gar kein Zug mehr gegangen!

Der Bahner hatte aber noch eine Idee. "Da fährt noch ein Leerzug nach Marburg, vielleicht kann der Sie mitnehmen". Es war ein Zug der von Marburg kam, in Friedensdorf endete und dann leer nach Marburg zurückfahren sollte.

Als dieser ankam, hat unser Helfer erstmal mit dem Lokführer verhandelt. Der war einverstanden, Kamilla und ihr Fahrrad mitzunehmen. Jetzt wurde noch der Fahrdienstleiter angerufen, dass der Zug in Marburg auch im Bahnhof hält und nicht irgendwo auf einem Abstellgleis. Auch dieser war einverstanden und spielte mit!

So konnten Kamilla und Rüdiger Paetow, der ihr beiseite stand, den Leerzug besteigen zur Sonderfahrt nach Marburg. Als sich die Türen schlossen und der Zug losfuhr gab es Applaus von allen Radlern für die hilfreichen Bahner ob dieser gelungenen Aktion.

Michael Bunkenburg

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