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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Wandel rund um den Hauptbahnhof

Vielfältige Projekte sollen in den nächsten Jahren dafür sorgen, den Bahnhof zukunftsfähig zu machen.
Das betrifft auch den Rad- und Fußverkehr in den angrenzenden Stadtteilen.

Der große Kopfbahnhof mitten in Deutschland ist bekannt, ein wenig berüchtigt – und eine Dauerbaustelle. In den nächsten Jahren stehen gleich mehrere Großprojekte im Umfeld des Bahnhofs an, die oft auch den Radverkehr, mindestens aber die vielen Pendlerinnen und Pendler betreffen. Die Nachfrage nach Bus und Bahn ist groß und dementsprechend läuft der aktuelle Bahnhof am Kapazitätslimit.

Die große Herausforderung ist dabei der verfügbare Platz: Für die großen Bauprojekte werden Flächen für Baumaschinen, Material usw. benötigt. Da es kaum freie Flächen gibt, müssen die Projekte nacheinander und eng getaktet durchgeführt werden. Wir schauen uns die verschiedenen Projekte an.

1 Sanierung B-Ebene

Die Sanierung der B-Ebene läuft bereits seit einiger Zeit und soll bis 2027 weitestgehend abgeschlossen sein. Die alten Läden und Gänge im 1. Untergeschoss werden komplett entkernt, Asbest und die bisher vorhandenen schlecht einsehbaren Gänge sollen entfernt werden. Auf dem Bahnhofsvorplatz ist für die Bauarbeiten der frühere Busbahnhof an der Nordostseite gesperrt, dort wird Material gelagert und die Logistik abgewickelt. Direkte Auswirkungen für den Radverkehr gibt es zwar nicht, die anderen Folgeprojekte müssen aber auf die Fertigstellung warten.

2 Gleis 25 / Poststraße

Parallel laufen bereits die ersten Arbeiten eine Ebene darüber, wo ein weiteres ebenerdiges Gleis entstehen soll. An der Nordseite (Poststraße) gibt es bereits den kurzen Bahnsteig 24, der für einige Regionalbahnen ausreicht. Zwischen Gleis 24 und der Poststraße gibt es bisher einen kleinen Autoparkplatz, der zukünftig ersatzlos entfallen wird. Diese Fläche soll dem fließenden Verkehr zugänglich gemacht werden, indem Gleise verlegt werden. Die Vorarbeiten laufen bereits, richtig los gehen soll es noch im Jahr 2026. Das zusätzliche Gleis ist Teil des Projektes „Fernbahntunnel“, zu dem abseits des eigentlichen Tunnels noch weitere Maßnahmen gehören. Die Poststraße wird während der Bauarbeiten zur Einbahnstraße. Das Projekt soll im Juli 2027 abgeschlossen sein.

3 4-gleisiger Ausbau Straßenbahnhaltestelle „Hauptbahnhof“ / Bahnhofsvorplatz

Direkt vor dem Bahnhofsgebäude laufen bisher die beiden Gleise für die Straßenbahn am Kapazitätslimit – und weitere Bahnverbindungen sind bereits in Planung! Daher sollen zwei zusätzliche Gleise inkl. Bahnsteigen gebaut werden, um die Situation zu entschärfen. Auch der Linienbusverkehr kann dann über die neuen Haltestellen gebündelt abgewickelt werden.

Im Zuge dieser Bauarbeiten sind auch mehrere große Verbesserungen für den Radverkehr geplant: In Richtung Süden soll endlich ein baulich getrennter Radweg auf der Straße „Am Hauptbahnhof“ eingerichtet werden. Zusätzlich wird die Taunusstraße zur Sackgasse für den Kraftverkehr zurückgebaut, weil sonst die neue und größere Haltestelle keinen Platz im Kreuzungsbereich finden würde. Die Taunusstraße soll, wie die Moselstraße, zur „Rad-Achse“ werden. Per Fahrrad geht es zukünftig über eine neue Zweirichtungs-Querungsmöglichkeit von der Taunusstraße über „Am Hauptbahnhof“ und sogar weiter in die Poststraße, die dadurch deutlich attraktiver für den Radverkehr werden wird. In der Karlstraße wird in den veröffentlichten Plänen bereits ein baulich getrennter Radweg angedeutet. Dafür soll in der Münchener Straße der Fokus auf dem ÖPNV liegen und in der Kaiserstraße besonders der Fußverkehr gefördert werden.

Die Arbeiten sollen vor 2029 abgeschlossen sein. Wenn das nicht klappen würde, müsste bis zur Fertigstellung des Fernbahntunnels gewartet werden – und das kann dauern.

4 Düsseldorfer Straße /
Ausbau Straßenbahnhaltestelle „Platz der Republik“

Nur wenige Meter weiter Richtung Norden gibt es ein weiteres Projekt: Bereits in Frankfurt aktuell 4/2025 berichteten wir über die Pläne zur Sperrung der Düsseldorfer Straße in Richtung Messe für den Kraftverkehr. Mit dieser Sperrung wird Platz geschaffen für den Ausbau der Straßenbahnhaltestelle. Außerdem kann so der Radverkehr hier einen etwa 3,50 m breiten Radweg erhalten, den ausdrücklich auch Rettungskräfte zur schnellen Anfahrt nutzen sollen. Auch diese Maßnahme soll und muss noch bis 2029 abgeschlossen sein, weil ab dann Flächen bereits für den Fernbahntunnel reserviert sind.

5 Mannheimer Straße und Gutleutstraße

Der Fernbahntunnel an sich hat auch vor Baubeginn schon große Auswirkungen auf die Verkehrsplanung in Frankfurt: Für den Bau der Tunnel muss die Mannheimer Straße gesperrt werden, obwohl dort die wichtigen Straßenbahngleise für den Betriebshof Gutleut liegen. Da sich diese Sperrung nicht vermeiden lassen wird, wird nun also die Straßenbahn von der Mannheimer Straße auf die Gutleutstraße verlegt – dort gibt es aber noch gar keine Gleise. In dem Zuge muss folglich auch der Baseler Platz komplett umgebaut werden und soll sowohl bessere Rad- und Fußwege, deutlich mehr Begrünung und auch eine Wendeschleife für die Straßenbahn erhalten. Die Stadt Frankfurt nutzt die Gelegenheit und möchte nicht nur die Gleise bis zum Betriebshof Gutleut verlegen, sondern gleich bis zum Briefzentrum kurz vor der A5 und damit eine ganz neue Straßenbahnstrecke errichten. Die Gutleutstraße wird dabei komplett neu geplant, von Hauswand zu Hauswand. So können dort auch ordentliche Rad- und Fußwege entstehen, die lange überfällig sind. Die Vorplanung und weitere Planungsmittel wurden Ende 2025 von der Stadtverordnetenversammlung mit Stimmen von Grünen, CDU, SPD, Linke, Volt und FRAKTION beschlossen. Die FDP stimmte auch zu, wollte aber noch den Autoverkehr während der Bauphase ausdrücklich berücksichtigt haben. Der Baubeginn ist für 2029/2030 geplant, wobei die Bauarbeiten etwa drei Jahre dauern sollen.

6 Fernbahntunnel und Fahrradparkhaus

Nachdem die Arbeiten an der B-Ebene und der Düsseldorfer Straße abgeschlossen sind, wird die Fläche auf dem Bahnhofsvorplatz für den Frankfurter Fernbahntunnel benötigt, für den die Bauarbeiten in den 2030er Jahren starten sollen. Die Details des Tunnels alleine würden dieses Heft bereits füllen, wir konzentrieren uns daher auf die für den Radverkehr wichtigen Eckpunkte. So ist ein neuer zusätzlicher Tunnel als Querverbindung (wie der aktuelle Posttunnel) unter den oberirdischen Gleisen geplant. Dieser Tunnel soll den überlasteten Bereich am Kopf des Bahnhofs entlasten und teilweise kürzere Wege beim Umsteigen ermöglichen. Gerade mit dem Fahrrad oder Gepäck wäre das eine Erleichterung! Außerdem könnte die Querpassage, je nach Ausgestaltung, auch zur Verbindung von Mannheimer Straße und Poststraße dienen.

Der ADFC Frankfurt begleitet schon länger die Planungen der Deutschen Bahn. Im Rahmen des Fernbahntunnels prüft die Bahn daher aktuell auch, ob und wie endlich ein dem größten deutschen Bahnhof angemessenes Fahrradparkhaus realisiert werden kann. Verschiedene Möglichkeiten werden dabei untersucht: Entweder direkt integriert in die neue Querpassage, in den alten und bisher gar nicht zugänglichen Bunkern im Südosten des Bahnhofs und/oder im ehemaligen Postzentrum im Norden. Die Notwendigkeit eines oder mehrerer Fahrradparkhäuser ist den Verantwortlichen der Bahn dabei sehr bewusst, schließlich lassen sich Bahn und Fahrrad wunderbar kombinieren. Auch bei der Stadt Frankfurt ist hierbei der Leidensdruck groß, sodass diese die Lösungssuche unterstützt.

Ansgar Hegerfeld