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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main   

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

Artikel dieser Ausgabe
links: dass es hier zu einem Hangrutsch gekommen ist, kann der Verwaltung nicht zur Last gelegt werden – die monatelange Untätigkeit, für Abhilfe zu sorgen, allerdings schon
privat
rechts: Ein Warnschild ist kein Ersatz für eine rutschfeste Brückenoberfläche
Holger Küst

Main-Taunus

Stockende Radverkehrsförderung 

In jüngster Zeit machen verschiedene Themen den niedrigen Stellenwert des Radverkehrs deutlich, den ihm Verwaltung und Politik beimessen. Wir beleuchten dazu einige Beispiele.

Radschnellweg FRM3 Frankfurt-Wiesbaden

Hier sehen sich die Kommunen Hofheim und Kriftel mit hohen Investitionssummen für Brücken konfrontiert, die sie aus dem eigenen Haushalt finanzieren müssten, weil das Land diese Finanzierung für Radschnellwege vorsieht. Wegen der hohen Summen lehnen die Kommunalparlamente die sinnvolle Verbindung ab.

Verbesserung der Verbindung von Eppstein nach Lorsbach und weiter bis Hofheim

Diese Maßnahme war Teil der Sanierungsoffensive 2016 bis 2022 und soll jetzt womöglich 2027 realisiert werden – eine gleichzeitige Realisierung mit den Maßnahmen im Bereich des Kreisverkehrs in Hofheim und der Sanierung der B 455 in Eppstein wird nicht gesehen.

Brücke für den Rad- und Fußverkehr

Die Hofheimer Stadtverordnetenversammlung hat jüngst beschlossen, dass die Finanzierung der Brücke über L 3011 und die Bahnlinie erst einmal auf 2027 verschoben wird, manche Parteien lehnen die Brücke komplett ab, obwohl es keine adäquate Querung gibt, die auch von Kindern mit dem Rad gefahrlos auf dem Weg zur Schule genutzt werden kann.

Verbesserung für Radfahrende auf der B 455 in der Ortsdurchfahrt Eppstein

Hier soll die Asphaltoberfläche 2026 saniert werden, die Frage ist, was nachfolgend mit dem Radverkehr geschieht. Die aktuelle Lösung mit dem Schutzstreifen auf der einen Fahrbahnseite und einer Mittellinie zwischen den Kfz-Fahrbahnen verursacht nachweislich viel zu geringe, gefährliche Überholabstände. Vielfach wurde die Situation dadurch entschärft, dass keine Mittellinie aufgebracht wurde. Eine Verbreiterung des Gehwegs und das Zulassen von Radverkehr in Fahrtrichtung Bahnhof scheidet für die Stadt Eppstein – die den Ausbau finanzieren müsste – aus. Deshalb bleibt die Asphaltdecke in der bisherigen Breite, die deutlich über den Ausbaubreiten für Bundesstraßen innerorts liegt. Die Folge sind – wenn man keinen Schutzstreifen hätte – überbreite Fahrspuren in beiden Richtungen, die noch geringere Überholabstände bewirken würden. Wir hoffen, dass die zuständige Straßenverkehrsbehörde und Hessen Mobil die Mittellinie entfallen lassen, eine Bestätigung haben wir hier jedoch leider nicht.

Sperrung Querung A3/ ICE-Trasse

Hier sind aufgrund von Hangrutschungen Risse im Fuß- und Radweg aufgetreten, die jetzt die Stadtverwaltung veranlasst haben, den Weg für alle Verkehrsteilnehmer zu sperren (siehe Foto). Ein Zeithorizont für die Instandsetzung wird nicht genannt. Wer mit dem Rad oder zu Fuß mit Kinderwagen oder Einkaufstrolley von Wallau zum Supermarkt Aldi im Gewerbegebiet möchte, hat nun sehr weite Umwege auf stark befahrenen Straßen in Kauf zu nehmen.

Radfernweg R8 in Eppstein

Die in Frankfurt aktuell 3/2025 genannte Problemstelle wurde jetzt durch die Eppsteiner Stadtverwaltung „entschärft“. Nachdem unmittelbar vor dem Jahresgespräch mit der Stadtverwaltung eine Gummimischung aufgesprüht worden war (die zumindest bei Nässe Griffigkeit realisierte) bewirkt die ebene Oberfläche auch bei einem leichten Raureif- oder Schneefilm weiterhin, dass keine Griffigkeit gegeben ist. Deshalb sollen Radfahrende hier jetzt absteigen. Aus unserer Sicht ist dies eine völlig unangemessene Maßnahme auf einem stark frequentierten Weg, der auch Teil des hessischen Radfernwegs R8 ist. Auf einer Landesstraße würde niemand auf die Idee kommen, in engen Kurven eine rutschige Oberfläche zu realisieren – auch nicht temporär als Provisorium – und Kfz-Lenkern ein „Autofahrer aussteigen“ anzuordnen.

Natürlich kennt auch der ADFC die angespannte Haushaltslage der Kommunen und weiß, dass zu viele Aufgaben von zu wenig Mitarbeitern irgendwie bewältigt werden müssen. Aber bekennen sich nicht Land, Kreis und Kommunen lautstark zu Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Verkehrswende, Förderung von umweltfreundlichem Verhalten ihrer Bürger? Wenn es wirklich gewünscht ist, das Fahrrad als Verkehrsmittel allgemein zu etablieren, dann muss eine Infrastruktur geschaffen und erhalten werden, die es komfortabel macht, Alltagswege per Fahrrad zurückzulegen. Zumeist sind diese Maßnahmen für die Kommunen einfach und relativ kostengünstig umzusetzen und sie entlasten Städte und Gemeinden von den negativen Auswirkungen eines überbordenden Autoverkehrs. Woran liegt die allzu zögerliche Umsetzung von Maßnahmen, die Fahrradverkehr fördern? Desinteresse, mangelnde Ideen, mangelndes Vorstellungsvermögen, nicht vorhandener politischer Wille oder einfach Geld- und Personalnot? Ein Schild „Radfahrer absteigen und schieben“ ist jedenfalls eine Bankrotterklärung.

Holger Küst