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Von: Eckehard Wolf am 10. August 2026
Klaus Oesterling anlässlich der Einweihung einer seiner vielen roten Radstreifen
Foto: Peter Sauer | ADFC Frankfurt

Er war Ehrenmitglied des ADFC Frankfurt!

Ex-Verkehrsdezernent Klaus Oesterling ist am letzten Freitag verstorben – Ein Nachruf

Frankfurt, 09.08.2026. Als Klaus Oesterling (SPD) 2016 zum Verkehrsdezernenten gewählt wurde, ahnten wir beim ADFC Frankfurt noch nicht, wie viel wir als „Radler*innen-Lobby“ ihm noch verdanken würden. Er war natürlich bestens bekannt, ein absolutes Polit-Urgestein, jahrelang Fraktionsvorsitzender der SPD im Römer und verkehrspolitischer Sprecher der SPD in der Zeit von Schwarz-Grün, mit allen Wassern gewaschen, kenntnisreich gerade in Verkehrsfragen, scharfzüngig in den Gremiensitzungen. Man wusste, dass er keinen Führerschein hatte, was für einen Verkehrsdezernenten bundesweit wohl einmalig war, und dass er leidenschaftlicher Nutzer und Verfechter des Öffentlichen Nahverkehrs war – schon sein Vater war Straßenbahner. Als persönlich besonders fahrradaffin, wie zum Beispiel sein grüner Amtsvorgänger Stefan Majer, war er aber bis dato nicht aufgefallen.

Dann geschah 2018 am Börneplatz, direkt vor der AOK-Hauptverwaltung, ein schrecklicher Unfall mit einem getöteten Radfahrer. Die Unfallkommission insistierte, dass an dieser Stelle etwas zum Schutz der Radfahrer*innen geschehen musste. Und Klaus Oesterling handelte. Er kassierte, ohne seine damaligen Koalitionspartner und die Amtsleitungen für Bau und Straßenverkehr lange zu fragen, eine Autofahrspur zugunsten eines Radstreifens ein und ließ diesen auch noch rot markieren und mit Protektoren absichern. Ein Tabu war gebrochen, der Aufschrei war groß, aber Klaus Oesterling hielt Kurs. Der prognostizierte Autoverkehrs-Kollaps blieb aus. Das war der Startschuss für vieles, was noch kommen sollte.

Zur gleichen Zeit startete der Radentscheid seine Kampagne für eine sichere Radverkehrs-Infrastruktur und sammelte am Ende über 45.000 Unterschriften dafür. Klaus Oesterling, anfangs eher ablehnend gegenüber dem Radentscheid, entschied sich dafür, diese 45.000 als Wähler gewinnen zu wollen. Es kam zur fraktionsübergreifenden Einigung mit dem Radentscheid auf den Magistratsbeschluss „Fahrradstadt Frankfurt“, in dem viele Forderungen des Radentscheids aufgenommen wurden. Parallel wurden an vielen Hauptstraßen Radstreifen rot markiert und teilweise separiert, wenn nötig auch unter „Opferung“ von KFZ-Fahrstreifen und/oder Parkplätzen. Es wurden an vielen Orten große auffällige Fahrradparker installiert, die wegweisende Beschilderung wurde in einem Kraftakt komplettiert. Klare Ansagen an die Amtsleitungen und eine kluge Personalpolitik stärkten die Fahrrad-Agenda in der Verwaltung.

Es geschahen also in den Jahren bis 2021 unter Klaus Oesterlings Regie Dinge, die vorher niemand ausgerechnet in der Autopendler-Metropole Frankfurt für möglich gehalten hätte – natürlich mit Unterstützung von ADFC und Radentscheid. Seine grünen Nachfolger ab 2021 konnten daran anknüpfen und taten dies auch. Frankfurt gewann 2024 den Fahrrad-Klimatest des ADFC als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands unter den Metropolen über 500.000 Einwohner – eine Sensation. Der Autor dieses Artikels kommt öfters in Fachkreisen herum und ist ständig mit ungläubigem Erstaunen konfrontiert, was in Frankfurt in wenigen Jahren für den Radverkehr erreicht werden konnte.

Klaus Oesterling hat für diese Stadt viel Gutes bewirkt. Wir trauern um einen Freund!

Bertram Giebeler, ADFC Frankfurt, verkehrspolitischer Sprecher 2012 – 2023