Drängeleien

Erlenbruch, der Weg jenseits der U-Bahngleise. Seit Inbetriebnahme des neuen Straßenbahn-Betriebshofs versperren Drängelgitter am Abzweig zum Bahngelände den Weg. Nicht ein Mal, nicht zwei Mal, nein vier Mal muss sich der Velofahrer um die Gitter schlängeln, um die selten befahrenen Gleise zu kreuzen. Ärgerlich.

Eines Morgens stehen drei Arbeiter mit schwerem Gerät um die Gitter. Nein, leider bauen sie diese nicht ab. Sondern vergrößern nur den Durchlass, um Radfahrern, Kinderwagenbesitzern und Fußgängern den Durchgang zu erleichtern. Immerhin.

An dieser Stelle muss erläutert werden, dass der beschriebene Weg jenseits der Bahngleise ein Gehweg ohne Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ ist. Wer allerdings die Radverkehrsituation im Bereich Erlenbruch kennt (Passanten gefährdender Geh-/Radweg zwischen parkenden Autos und den Hauseingängen der Anwohner auf der einen Seite, löchrige Zumutung auf der anderen), wird verstehen, dass Radfahrer diesen Weg jenseits der genannten Zumutungen nutzen.

Eine Anfrage (per E-Mail) beim Grünflächenamt, warum an dieser Stelle des Weges überhaupt Sperrwerke in solch großer Zahl stehen müssen, während wenige Meter weiter an der Zufahrt zum FSV-Sportplatz nichts dergleichen zu sehen ist (dort wird die stark befahrene Bahnlinie der U6 gekreuzt), wird umgehend mit einer Weiterleitung an die VGF beantwortet, versehen mit dem Namen des dortigen Ansprechpartners. Kurz darauf nimmt der heimische Anrufbeantworter die Stimme eines Mitarbeiters dieser Gesellschaft auf, die um Rückruf zwecks Klärung der Anfrage bittet. Am folgenden Tag entnehme ich dem Briefkasten ein Schreiben der Verkehrsgesellschaft, in dem der Eingang meiner Nachricht bestätigt wird und man eine Antwort ankündigt.

Nicht schlecht, für den Anfang. Man kümmert sich. Leider gelingt es in den nächsten Tagen nicht, die Person hinter der Stimme auf dem Anrufbeantworter ausfindig zu machen. Alle Recherchen mit Hilfe der Telefonzentrale der Gesellschaft führen ins Nichts. Doch wenig später findet sich ein Mitarbeiter, der sich der Sache annimmt. In einem längeren Telefongespräch fallen Worte wie „Schildbürgerstreich“, Sätze wie „Entscheidung für die Errichtung der Drängelgitter kommt vom Betriebsleiter“, „mehrere Unfälle mit Personenschäden kurz vor Eröffnung des Betriebshofes führten zu übervorsichtigen Maßnahmen“, „das Ganze ist sicherlich etwas zu hoch aufgehängt“ – der Mann schien wenig begeistert über diese Art der Wegesperre, versuchte aber, die offizielle Sprachregelung beizubehalten und mir keine Hoffnung zu machen, dass diese Gitter in nächster Zeit verschwinden könnten. Nachdem auch sein Hinweis, dass Drängelgitter den Blick des Passierenden in Richtung der vermeintlichen Gefahr lenken sollen, von mir zwiespältig aufgenommen wurde, beendeten wir das Gespräch freundlich, aber ergebnislos.

Der Selbstversuch am nächsten Tag, beim Passieren der Drängelgitter den Blick in Richtung der vermeintlich drohenden Gefahr zu wenden, hätte fast zu meinem ersten Drängelgitterunfall geführt. Doch Jahrzehnte der Erfahrung auf dem Velosattel und halbwegs gesunder Menschenverstand ließen mich den Blick rechtzeitig nach unten, vor das Vorderrad, senken. Da lauerte die wirkliche Gefahr in Form rot-weißen Metalls.

Text und Foto: (ps)

 

PS: Inzwischen wird auch am Bahnübergang vor dem FSV-Stadion durch große Schilder vor den kreuzenden, vorfahrtberechtigten Schienenfahrzeugen gewarnt.

PPS: Seit Bestehen des neuen Betriebshofes bin ich an besagter Stelle noch nie einer Bahn begegnet. Bin ich morgens zu spät oder abends zu früh dran?

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