Wieder einige schwere Radunfälle
Bericht aus der AG Unfall

Aus aktuellem Anlass ist über Unfälle mit schwerverletzten Radfahrern zu berichten. Zwei Unfälle ereigneten sich in der Schweizer Straße, die bereits vor über einem Jahr Gegenstand eines Berichtes in frankfurt aktuell war. Ein Unfall mit Todesfolge ereignete sich am Schaumainkai im Kreuzungsbereich mit der Schweizer Straße, zwei weitere ebenfalls in Frankfurts Süden.

In Heft 2, 2005 hatten wir über die Unfallsituation in der Schweizer Straße berichtet. Der Abschnitt zwischen Schweizer Platz und Gartenstraße war wegen 10 Unfällen von Radfahrern durch Kollision mit sich öffnenden Autotüren zum Unfallschwerpunkt geworden. Der Bericht führte zu einer Reihe von Reaktionen unter den Lesern, unter anderem auch zu einem Artikel über diese Problematik in der Frankfurter Rundschau. Sinnvolle und realisierbare Maßnahmen zur Entschärfung der Situation ergaben sich leider keine. Seit dem letzten gemeldeten Unfall mit Radfahrbeteiligung im Mai 2004 wurde kein Radunfall bekannt.

Am 4. Mai diesen Jahres ereigneten sich fast zeitgleich zwei Unfälle mit schwerverletzten Radfahrern im Bereich der Schweizer Straße, allerdings in einem anderen Abschnitt. Ursache bei dem ersten Unfall war wieder eine ohne Rücksicht auf den fließenden Verkehr geöffnete Fahrertür. Der Radfahrer konnte zwar der Tür noch ausweichen, kam aber durch das Ausweichmanöver zu Fall und wurde laut Bericht der Frankfurter Rundschau mit schwerer Kopfverletzung in die Klinik eingeliefert. Der Radfahrer trug gemäß des polizeilichen Unfallberichtes keinen Fahrradhelm. Dieser Unfall ereignete sich vor der Kreuzung Schweizer/Schwanthaler Straße Richtung Innenstadt.

Der zweite Unfall, wenige Minuten später, ereignete sich am Schaumainkai in Höhe des Filmmuseums. Ein LKW mit Anhänger überquerte die Kreuzung Schaumainkai/Schweizer Straße in westlicher Richtung. Laut Bericht der FR vom 6.05.2006 „wurde ein 53-jähriger Frankfurter von einem anfahrenden Lastwagen überrollt und erlitt dabei lebensgefährliche innere Verletzungen. Der 55-jährige Lastwagenfahrer hatte lediglich eine ‚Bewegung des Anhängers‘ wahrgenommen und angehalten. Dabei entdeckte er den schwer verletzten Radfahrer auf der Straße.“  Der LKW-Fahrer hatte gedacht, er sei mit dem Anhänger über einen Stein gefahren, weshalb er in den rechten Außenspiegel schaute und dann das Fahrrad entdeckte. Über den Hergang des Unfalls konnte keine Aussage gemacht werden. Laut Polizeibericht war der Radfahrer zwar bei Bewusstsein, konnte jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht befragt werden. Am 27. Mai ist der Radfahrer seinen schweren Verletzungen erlegen.

Am 9. Mai ereigneten sich wiederum zwei Radfahrunfälle. Der erste geschah in der Schweizer Straße, bei dem ein Radfahrer leicht verletzt wurde. Dieses Mal berührte ein PKW beim Überholen den Radfahrer im Abschnitt vor der Gartenstraße Richtung Süden. Der Radfahrer fuhr dadurch gegen einen parkenden PKW und wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Der Verursacher des Unfalls fuhr davon, allerdings konnte das Kennzeichen notiert werden.

Wenig später stürzte am Schwanheimer Ufer in der Nähe der Geisenheimer Straße ein Radfahrer auf dem Radweg und verletzte sich schwer an Kopf und Brust. Andere Verkehrsteilnehmer waren nicht zugegen. Schuld war offenbar die rutschige regennasse Fahrbahn. Möglicherweise war auch nasses Laub mit Schuld an dem Unfall. Einzelheiten dazu konnten nicht geklärt werden.

Am 7. Juni berichtete die FR erneut über einen Unfall in Sachsenhausen, bei dem ein Radler aus Neu-Isenburg beteiligt war. Dieser fuhr auf dem Radstreifen in der Darmstädter Landstraße stadteinwärts. Entsprechend dem Bericht in der FR soll er nach Zeugenaussagen in Höhe der Geleitstraße eine Rotlicht zeigende Ampel überfahren haben und wurde dabei von einem Auto angefahren und auf die Motorhaube geschleudert. Er erlitt schwere Verletzungen und musste zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden.

In allen fünf Fällen wäre es interessant, die näheren Umstände des Geschehens zu kennen. Man müsste die Betroffenen oder Zeugen befragen, doch dagegen stehen die Persönlichkeitsschutzrechte. Hier könnten allenfalls zufällige persönliche Bekanntschaften aus dem Kreis der Mitglieder des ADFC weiter helfen. Deshalb sind wir an Berichten über erlittene Unfälle im Bereich der Stadt Frankfurt durchaus interessiert. Zwar erhalten wir von der Direktion Verkehrssicherheit des Polizeipräsidiums Berichte über Unfallschwerpunkte und immer wieder auch über Unfälle mit Todesfolge oder Schwerverletzten. Aber auch Radfahrunfälle mit Leichtverletzten oder ohne Verletzte können Hinweise geben für notwendige Veränderungen an bestimmten Örtlichkeiten. Und keineswegs alle Unfälle werden der Polizei gemeldet oder gar der AG Unfall oder der AG Verkehr bekannt gemacht.

Nachtrag:

Nach Redaktionsschluss aber vor Drucklegung erfuhren die Leserinnen und Leser der Frankfurter Zeitungen von einem weiteren Verkehrsunfall, bei dem eine junge Radlerin tödlich verletzt wurde. Schwere Kopfverletzungen erlitt das 16-jährige Mädchen bei dem Zusammenstoß mit einer Straßenbahn der Linie 11 in Fechenheim, denen sie noch am Unfallort erlag. Der Unfall geschah an einer Örtlichkeit, die bisher noch nicht auffällig war. Was ist geschehen? - Auf Initiative der Stadtverordneten Gisela Becker fand ein Treffen mit der Polizei in Fechenheim statt, bei dem der zuständige Polizeibeamte über den Unfall berichtete und der Unfallort besichtigt wurde.

Wie ist die Situation am Ort? Die Straßenbahn fährt in der Straße Alt-Fechenheim zwischen Hanauer Landstraße und Alt-Fechenheim  bis zur Werkseinfahrt Cassella in der Mitte der Straße. In Höhe der Werkseinfahrt schwenken die Gleise Richtung Süden nach links (siehe Bild 1, das allerdings den Blick nach Norden zeigt) und verlaufen dann entlang dem Fechenheimer Leinpfad außerhalb des Straßenbereichs bis zur Endstation. Entlang der Straße Alt-Fechenheim verläuft westlich ein getrennter Geh- und Radweg und auf der Ostseite ein Gehweg, von der Straße getrennt durch eine Hecke und eine Pappelreihe. Dieser Gehweg wird von Radfahrern verbotswidrig aber trotzdem regelmäßig befahren, und zwar in beiden Richtungen. Viele der Radfahrer und

-fahrerinnen verlassen diesen Gehweg an der Stelle, wo die Straßenbahn auf ihren Gleisen aus der Straßenmitte nach links zum Fechenheimer Leinpfad fährt und queren dabei die Gleise, um in der Straße Alt-Fechenheim weiter zu fahren. (Die Situation an dieser Stelle zeigt Bild 2. Die Radfahrer queren die Gleise schräg und fahren neben dem Schildermast hinter den Gleisen links auf dem Gehweg und später Radweg weiter Richtung Alt-Fechenheim.) Dieses wollte offenbar auch das verunglückte Mädchen, das mit seiner Freundin auf dem Gehweg fuhr. Nach Aussagen des ermittelnden Polizeibeamten trennten sich die beiden Mädchen an dieser Stelle. Während die Freundin auf dem Gehweg geradeaus weiterfuhr verlies Christina, so der Name der Verunglückten, den Gehweg und querte die Gleise. Dabei muss sie die von rechts hinten kommende Bahn übersehen haben und wurde wahrscheinlich von der Straßenbahnfront erfasst. Trotz Vollbremsung fuhr die Bahn noch eine ganze Strecke weiter. Während das Fahrrad unter die Front geriet fiel das Mädchen anscheinend nach einigen Metern neben die trotz Bremsung noch weiterrollende Straßenbahn und wurde möglicherweise dabei am Kopf tödlich verletzt.

Wie betroffen die Fechenheimer Bevölkerung ist konnte man in dem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 28. Juni nachlesen. Auch die Mitschülerinnen und Mitschüler haben ihre Erschütterung und Trauer öffentlich gemacht, wie man an einer Litfaßsäule neben der Haltestelle Alt-Fechenheim sehen und nachlesen kann.

Bei der Ortsbesichtigung haben sich die drei Beteiligten über Maßnahmen unterhalten, wie man derlei Unfälle an diesem Ort zukünftig verhindern könnte. Unrealistisch ist es verhindern zu wollen, dass Radfahrer überhaupt den Gehweg benutzen. Selbstverständlich sollte es sein, dass sowohl Radfahrer als auch die Straßenbahnfahrer an dieser Stelle Vorsicht walten lassen. Allerdings ist eine auch mit „nur“ 40 km/h fahrende Bahn nicht auf wenige Meter zum Stehen zu bringen. So bleiben nur Maßnahmen, welche die Sichtbeziehungen verbessern und die Aufmerksamkeit erhöhen. Für den hier behandelten Ort sollen vorgeschlagen werden:

Beseitigung der Hecken entlang der Schienen in der Kurve, zwischen Werkseinfahrt und Leitungsmast (siehe Bild 1 rechts hinten) und Ersatz durch Blumenbeet oder Rasenanlage.

Beseitigung der Hecke am Signalkasten rechts der Einfahrt und Schaffung einer Querungsmöglichkeit senkrecht zu den Gleisen, um den Querungsweg zu verkürzen und mit besserem Blick auf die Gleise nach rechts zur Straße Alt-Fechenheim. Aufbringung einer (Asphalt)Schwelle parallel zu und entlang der Schienen an der Haltelinie aber über die ganze Werkseinfahrt (siehe die beiden Bilder). Die Schwelle soll querende Radfahrer zum Langsamfahren bewegen und die Aufmerksamkeit erhöhen. Demselben Ziel sollen dienen eine auf dem Gehweg aufgebrachte Markierung mit einem Achtungsschild wegen rechts querender Straßenbahn und ein Mast mit entsprechendem Hinweisschild.

Inwieweit den Vorschlägen von den zuständigen Stellen gefolgt wird oder werden kann wird sich zeigen. Jedenfalls bedankt sich die AG Unfall des ADFC bei Frau Becker für die Initiative und bei dem zuständigen Polizeibeamten vom 7. Revier für die bereitwillige Kooperation.

Text und Fotos: Fitz Bergerhoff

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