Fahrraddesign aus drei Jahrhunderten
Die Ausstellung „Der eigene Antrieb – Feine Fahrräder“ im Museum Angewandte Kunst zeigt Modelle von Karl Drais’ Laufmaschine über Hoch-, Nieder- und Falträder bis zum Alltagsrad oder Sportgerät von heute.
Nein, Besuchende, die sich in erster Linie für die Entwicklungsgeschichte des Fahrrads interessieren oder für die Technik, werden in dieser Ausstellung kaum auf ihre Kosten kommen, auch wenn der Eingangsbereich anderes vermuten lässt. Begrüßt wird man nämlich von einem Nachbau von Karl Drais’ Laufmaschine, woran sich Exponate anschließen, die die Entwicklung vom Hoch- zum Niederfahrrad aufzeigen.
Hier geraten dann auch lokale Unternehmen und Institutionen in den Fokus. Gezeigt werden ein paar Fahrräder der einst in Frankfurt ansässigen Adlerwerke (ehemals Heinrich Kleyer AG). In einer Vitrine sind Devotionalien des in Offenbach gegründeten Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität, wie Trinkgläser, Geschirr und Bekleidungsteile, zu sehen. Die Solidarität gründete übrigens zahlreiche genossenschaftlich organisierte Fahrradhäuser mit dem Ziel, seinen Mitgliedern günstige, oftmals gebrauchte Fahrräder anbieten zu können. Ein Beispiel dafür ist das damals in Offenbach ansässige Fahrradhaus Frischauf, welches später auch eigene Fahrräder herstellte.
Damit endet auch schon der geschichtliche Abriss des Fahrrads, und es öffnet sich ein Bereich, der die Fahrräder auf sogenannten Themeninseln präsentiert. Hier gibt es beispielsweise die Urahnen der heutigen Falträder zu sehen, Rennräder für den Normal-Radfahrenden stehen neben Zeitfahrmaschinen der Profisportler. City-Bikes erscheinen in einem derart futuristischen Design, dass sie zur Ausstattung eines Science Fiction-Films dienen könnten. Für Bastelfreudige gibt es ein Rad, welches aus Holzteilen selbst zusammengebaut werden kann, ähnlich wie die Möbel eines bekannten schwedischen Möbelhauses. Den Schlusspunkt der Ausstellung setzt ein Fahrrad, dessen Rahmen aus dem 3D-Drucker kommt.
Präsentiert werden die rund 70 Fahrräder der Ausstellung in schlichten Räumen mit weißen Wänden. Hier soll nichts vom Design der Fahrräder und ihren Details ablenken – und von ihrer Schönheit. Denn nach längerem Betrachten erschließt sich dem Besuchenden die Motivation hinter dem Fahrraddesign: Es ist die Faszination des eigenen Antriebs, die Lust und der Spaß daran, durch eigene Muskelkraft mobil sein zu können. Somit trägt die Ausstellung im Museum Angewandte Kunst ihren Titel zu Recht.
Susanne Neumann
Der eigene Antrieb – Feine Fahrräder
Noch bis zum 14. September 2025 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt
Die Ausstellung ist eine Kooperation des Museum Angewandte Kunst mit dem Deutschen Fahrradmuseum, Bad Brückenau, und der Neuen Sammlung, München.