GPS – Wunsch und Wirklichkeit

GPS, das Global Positioning System, ist eine Wunderwaffe für all die Wanderer und RadfahrerInnen, die mit Karten und Kompass nicht umzugehen wissen. Einfach kaufen, Software beschaffen bzw. aus dem Internet herunter laden, und schon wird die Tour ein Erfolg. Fast metergenau kann jeder Punkt der Erde angesteuert oder der während der Tour abgespeicherte Wegpunkt im elektronischen Kartenwerk lokalisiert werden. 24 die Erde umkreisende Satelliten berechnen zu jeder Sekunde den jeweiligen Aufenthaltsort. Auch RadlerInnen können sich fast blind an ihr Ziel leiten lassen.

So könnte man glauben, wenn wir die Werbung für bare Münze nehmen. Die Realität sieht etwas anders aus. Die Wunderwaffe hat ihren Preis und ihre Tücken, verschlingt eine Menge an Einarbeitungszeit, wobei der englische Wortschatz während letzterer erheblich zunimmt, vom typischen und notwendigen Aküfi (Abkürzungsfimmel) mal ganz zu schweigen.

Das Elend beginnt damit, dass wir alle keine Zeit haben, eine Gebrauchsanleitung von 70 DIN A6-Seiten zu studieren, die man erst versteht, wenn man über das System schon gut Bescheid weiß. Also spielen wir erwartungsfreudig an den vielen Knöpfen und der Wipptaste und sind ratlos, weil die angesteuerte Funktion unauffindbar bleibt. Sicherlich wurde das Gerät kaputt geliefert oder mit falschen Einstellungen programmiert. Wir beschränken uns fürs Erste auf das Sammeln von Wegpunkten, die wir während unserer Fahrt alle paar hundert Meter oder an kritischen Stellen aufnehmen, in der Gewissheit, dass wir diese später zu einer elektronischen Route zusammen führen und unseren unbedarften Freunden zu einer sorgenlosen Fahrt zur Verfügung stellen können.

Interessehalber nehmen wir die 50-tausender Karte des Landesvermessungsamtes zur Hand und versuchen, anhand der abgespeicherten Koordinaten unseren aktuellen Standort ausfindig zu machen. Die Karte muss falsch sein, denn weit und breit ist nichts zu finden, was zu den am Display angezeigten Koordinaten passen könnte. Dazu kommt, dass wir sogar 10 Meter entfernt von der Stelle stehen, an der wir die Daten gerade gespeichert hatten. Alles erinnert mich an die Geschichte von dem Kapitän, der seine Kadetten die Position ihres Schiffes im Ärmelkanal bestimmen lässt und bei einer der Antworten stutzt. Nachdem er die Karten studiert hat, verkündet er, dass man, wenn die errechnete Position stimme, in 10 Minuten am Kölner Dom vorbei komme.

Erst mit Verzögerung und nach vielen Verwünschungen, warum wir uns das angetan und Hunderte von Euros zum Fenster hinaus geschmissen haben, ringen wir uns dazu durch, die Anleitung (siehe oben) doch noch akribisch zu studieren. Weil das Ganze aber gleich am Gerät ausprobiert werden muss, verlagern wir unseren Aufenthalt in Gottes freie Natur oder in den Garten, damit uns die notwendigen drei bis vier der 24 Satelliten unbehindert durch Gebäude und Bäume Dienst tun.

Nach und nach dämmert uns, was wir bis dato falsch gemacht haben und warum die angezeigten Werte und Wegpunkte unbrauchbar sind. Dutzende von ihnen können wir löschen, den ganzen Aufwand unter „Erfahrung“ abbuchen. Hätten wir von Anfang an diese und jene Einstellung vorgegeben, wäre uns das alles nicht passiert.

Gemach! Wir werden sicher noch viele weitere Anfängerfehler produzieren, aber zumindest nachvollziehen können, woran es lag. Fast blind können wir inzwischen die vielen Knöpfchen drücken und die Wegepunkte beschriften. Doch dann kommt der Winter: für viele von uns die Zeit, wo das Fahrrad ausschließlich in den Keller gehört. Tja, und im Frühjahr werden wir die Arbeitsanleitung erneut studieren.

Im Ernst: GPS hat in der Tat eine große Zukunft. Es kann für RadlerInnen durchaus reizvoll sein, ein GPS-Gerät anzuschaffen. Auch die Kartographie-Gruppe des ADFC Frankfurt hat sich inzwischen ein GPS-Gerät zur Unterstützung ihrer Arbeit zugelegt. Der ADFC Kreis Offenbach hat sogar drei Geräte und erste sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Bei gesammelter Anstrengung wird es uns gelingen, interessante Routen in unserem Umkreis zu dokumentieren und im Internet zum individuellen Herunterladen bereit zu stellen.

Es ist sinnvoll, GPS-Interessierte in einer lockeren Studiengruppe zu vereinen, um Erfahrungen auszutauschen und die Möglichkeiten einer optimalen Nutzung in Theorie und Praxis zu erarbeiten.

Kontakt: Alfred Linder, Telefon 069/95 15 84 24 (abends) oder Wolfgang Preising, Telefon 069/75 84 96 80. Alfred Linder

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12. November 2003 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt