Leserbriefe

Fahrrad-Strecke zwischen Bornheim und Frankfurter Berg „bike & business“

An den/die Stadtverordnetenvorsteher, Fahrradbeauftragten, Ortsvorsteher etc. pp.

Sehr geehrte Damen und Herren,
seit einigen Monaten fahre ich nun wieder von meiner Wohnung in Bornheim mit dem Fahrrad zur Arbeit an den Frankfurter Berg.

Als gebürtige Frankfurterin bin ich diese Strecke schon vor vielen Jahren gefahren. Leider ist bis heute nichts geschehen, was das Rad fahren dort angenehmer und weniger gefährlich macht. Diese 6–7 km Wegstrecke, möchte ich Ihnen deshalb gerne einmal schildern:

Beginnen möchte ich am oberen Ausgang des Günthersburgparks, durch die Gärten bis zur Rendeler Str. am Bornheimer Friedhof. Die Bügel, die den Fußgänger-Überweg der Straße zur Einfahrt des Städtischen Gartenamtes o. s., „behindern“, stehen viel zu eng beieinander. Der Untergrund ist aufgeweicht und hat schwere Kuhlen. Einen Kinderwagen kann man da nicht wirklich durchschieben. Der „geteerte“ Weg im weiteren Verlauf ist weitgehend löchrig! Dieser Weg, der ein Hauptdurchgang für unzählige SpaziergängerInnen und Pendler bedeutet, also entsprechend viel begangen und befahren wird, ist in diesem Zustand, m. E. eine sträflich vernachlässigte Zumutung.

Ich verstehe überhaupt nicht, warum diese relative Kleinigkeit nicht schon längst erneuert wurde. Sicherlich würde die Gärtnerei, die den Weg ja auch mit ihren kleinen Traktoren nutzt und der Verein der Kleingärtner da finanziell mithelfen, falls der Betragsaufwand die Kassen der Stadt zu sprengen droht…

Ob ich nun die Rendeler Str. weiter über die Friedberger Warte – Homburger Ldstr. zum Frankfurter Berg fahre, oder durch den Wasserpark schiebe (Radfahren verboten), um die Gießener Str. weiter zur Endhaltestelle der U5, Preungesheim zu nehmen, macht keinen nennenswerten Unterschied.

Nirgendwo gibt es einen durchgehenden Radweg, bzw. Markierungen für RadfahrerInnen. Die „Gießener“ ist zwar glatt und insofern schön zu fahren, gleicht aber eher einer Autobahn, ohne Fahrbahnmarkierungen. Da wurde es schon manchmal gefährlich, vor allem an der schmalen Stelle hinter der Kreuzung Marbachweg – Gießener Str.

Weiter dann auf der Homburger, vorbei am Glasbau Keil und der Autobahnauffahrt zur A66, wird’s dann ganz abenteuerlich.

Der Fußgängerweg entlang der hohen Mauer ist eine potentiell lebensgefährliche Falle für alle unmotorisierten VerkehrsteilnehmerInnen, weil es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Da kann es schon mal eng werden.

Vielleicht kennen einige von Ihnen diese Strecke mit dem Rad ja noch nicht und haben Lust sie mal auszuprobieren. Gute Fahrt!

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass sich an der Stelle Frankfurts für RadfahrerInnen auch noch mal was tut und verbleibe,

mit freundlichen Grüßen,

Veronika Platz

Antwort von Fritz Biel, Verkehrspolitischer Sprecher ADFC Frankfurt

Liebe Veronika Platz,
Ihre Mail wurde vom ADFC Landesverband Hessen an mich weitergeleitet. Entgegen Ihrer Annahme sind auch für den Radverkehr zwischen Bornheim und dem Frankfurter Berg bereits eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Ohne der Antwort des von Ihnen ebenfalls angeschriebenen Verkehrsdezernenten der Stadt Frankfurt vorgreifen zu wollen, möchte ich Ihnen ein paar Informationen geben, die auch für die von Ihnen völlig zu Recht kritisierten Missstände auf Ihrer Alltagsstrecke in nicht allzu ferner Zeit „bessere Zeiten“ bringen sollten.

Wie in dem FR-Artikel erwähnt, gibt es für die Gießener Straße eine durchaus vorbildliche Planung. Diese sieht für die gesamte Strecke zwischen Friedberger Landstraße und der Einmündung in die Homburger Landstraße die Schaffung durchgehender Radstreifen vor und wurde am 13.10.2005 vom Stadtparlament beschlossen (Mehr dazu unter http://www.stvv.frankfurt.de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME=%27M_76_2005%27).

Bislang vergingen zwischen Beschluss und Umsetzung häufig mehr als fünf Jahre. Stadtrat Lutz Sikorski hat mehrfach erklärt, die Umsetzung beschlossener Planungen erheblich beschleunigen zu wollen. Sein Büro wird Ihnen sicher genauer sagen können, wann die Umsetzung der vor eineinhalb Jahren beschlossenen Pläne vorgesehen ist.

Die Modernisierung der Altanlagen in der Homburger Landstraße ist ebenfalls absehbar. Sie soll im Rahmen der Verlängerung der U5 bis zur S-Bahn-Station Frankfurter Berg erfolgen. Der Beschluss wurde im Rahmen des Gesamtverkehrsplans am 15.12.2005 gefasst (http://www.stvv.frankfurt. de/PARLISLINK/DDW?W=DOK_NAME=%27M_34_2005%27). Die Umsetzung dieser Planung wird aber wegen der Verknüpfung mit dem Ausbau der S-Bahn-Strecke nach Bad Vilbel und der andauernden Auseinandersetzung um die Ausgestaltung der bestehenden Strecke der U 5 sicher etwas länger dauern.

Weitere Verbesserungen für den Radverkehr soll es, wenn es nach dem Willen der Stadtverordneten geht, durch den anstehenden Umbau der Friedberger Landstraße im Gefolge der Straßenbahnlinie zum Neubaugebiet in Preungesheim-Ost geben.

Unabhängig von den vorgenannten Plänen sind weite Teile der von Ihnen beschriebenen Strecke Bestandteil einer Fahrradroute in der „Radverkehrskonzeption Frankfurt am Main“, der seit 1992 geltenden Leitplanung für den Radverkehr. Die Vorplanung für diese Route wird derzeit im Planungsdezernat erarbeitet.

Die Anordnung unsinnig aufgestellter oder völlig überflüssiger Umlaufsperren (so heißen die von Ihnen kritisierten Bügel im Fachjargon) wird vom ADFC seit langem kritisiert, ist aber leider in Frankfurt noch immer Alltag, insbesondere im Grünbereich. In letzter Zeit hat hier aber ein Umdenken eingesetzt. Da die Bügel an der von Ihnen benannten Stelle nach unserer Einschätzung eher zur Kategorie der überflüssigen gehören, sollte es mit ein bisschen gutem Willen möglich sein, kurzfristig Abhilfe zu schaffen.

Die von Ihnen angesprochenen Schäden an den Wegeoberflächen sind ebenfalls ein Dauerthema für den ADFC. Seit Jahren ist es schlechte Praxis in Frankfurt, selbst wichtige Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer in Grünbereichen mit sogenannten wassergebunden Decken („Kieswege“) auszustatten, statt mit einer Asphaltdecke oder gepflasterten Oberfläche. Vorhandene Asphaltwege im Grünbereich werden nicht gepflegt und damit für den Austausch „vorbereitet“. Die für den Unterhalt der pflegeaufwändigen „naturnahen“ Wege zur Verfügung stehenden Mittel reichen bei weitem nicht aus, um auch nur einen kleinen Bruchteil der notwendigen Unterhaltsarbeiten durchzuführen. Dieses Thema fällt aber eher in die Zuständigkeit der Umweltdezernentin Manuela Rottmann. Es gibt Anzeichen, dass auch an diesem Punkt neu nachgedacht wird.

Es wird zweifellos noch ein bisschen dauern, bis auch auf Ihrer „Hausstrecke“ bessere Zeiten anbrechen, aber die Projekte sind auf einem guten Weg. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß beim Radfahren und vor allem immer genug Luft unter der Felge.

Mit freundlichen Grüßen

Fritz Biel,
ADFC Radverkehrsberater, Verkehrspolitischer Sprecher ADFC Frankfurt


Zu: ffa 01/2007 „Was war, was wird“ und FR vom 27.2.2007

Bessere Zeiten für Radfahrer

Sehr geehrte Damen und Herren,
Fritz Biels Zufriedenheit in allen Ehren, aber die bisherige Frankfurter Radverkehrspolitik war eine Katastrophe und ich sehe bisher auch keine Besserung. Nach wie vor wird, wenn überhaupt etwas getan wird, der Radverkehr von der Fahrbahn weg auf untaugliche Bordsteinradwege oder gar Gehwege verbannt.

Gerade der Radweg am Sachsenhäuser Museumsufer ist ein schlagendes Beispiel für eine solche Fehlplanung, die auch noch von Herrn Biel als große Errungenschaft bejubelt wird. Rechtswidrig als Zweirichtungsradweg ausgeschildert und mit gerade mal zwei Metern viel zu schmal für Begegnungsverkehr ist dieser Bordsteinradweg völlig ungeeignet für eine durchgängige Radroute. Zügiges Fahren ist dort unmöglich, das ist maximal ein Spazierfahrweg. Wie sollen solche Wege den gewünschten wachsenden Radverkehr aufnehmen?

Oder das Beispiel Stroofstraße zwischen Nied und Griesheim. Der Straßenquerschnitt wurde beim Neubau fast unverändert übernommen, viel Verkehrsraum für ungenutzte Seitenstreifen verschenkt und ein überbreiter Gehweg eingerichtet. Dieser wurde in beide Richtungen für Radfahrer freigegeben, Schritttempo ist vorgeschrieben –aber wer fährt das schon? Genutzt wird der Weg kaum. Diese unerträgliche Planung lässt sich nur mit „Katastroofstraße“ bezeichnen.

Es wäre besser und vor allem wesentlich kostengünstiger gewesen, beim Straßenneubau die Flächen des Radweges der Fahrbahn zuzuschlagen, sodass diese breit genug gewesen wäre für Rad- und Kraftverkehr.

Aber vielleicht lernen es die Verantwortlichen für die Verkehrsplanung in Frankfurt irgendwann einmal, daß Förderung des Radverkehrs nicht bedeutet, Radfahrer durch Radwege zu behindern.

Immerhin: Die geplante Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr in Tempo-30-Zonen ist ein Schritt, mit dem Frankfurt vielen anderen Städten voraus ist. Ein Lichtblick!

Mit freundlichen Grüßen

Eva Kröcher (ADFC-Stadtteilgruppe Frankfurt-West)

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