Die Unfälle in Frankfurt – im Vergleich

Unter diesem Titel berichteten wir über Verkehrsunfälle von Radfahrern und Fußgängern in fünf deutschen Großstädten (frankfurt aktuell 2/2007). Hier nun folgt die Erweiterung um das Jahr 2006.

Der Vergleich und die Diskussion der Unfallzahlen erfolgte bisher anhand der absoluten Zahlen. Dabei lassen sich nur sehr grob Folgerungen ziehen über die Situation in den verschiedenen Städten und vergleichbare Tendenzen ablesen. Nach Versenden der Tabelle an die beteiligten Städte Anfang des letzten Jahres erhielten wir aus Dortmund bzw. von einer an Statistiken interessierten Kollegin aus Schwerte eine Reaktion. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen hat sie vorgeschlagen, die Quoten für die entsprechenden Zahlen zu berechnen und diese dann auch grafisch darzustellen. Die Ergebnisse wurden uns zugesandt. Auf der Basis dieser Informationen soll nun die weitere Betrachtung erfolgen.

Unter der Quote versteht man in unserem Zusammenhang die Zahl der Unfälle auf je 100.000 Einwohner. Damit hat man eine einheitliche Bezugsgröße und eine bessere Basis für Vergleiche. In der Tabelle sind die Zahlen und die Unfallquoten wiedergegeben. Dabei sind die Quoten nur für die jeweiligen Gesamtzahlen berechnet, also z.B. die Summen der verletzten und getöteten Verkehrsteilnehmer insgesamt sowie Radfahrer und Fußgänger gesondert. Sodann sind die Quoten in Form von Diagrammen wiedergegeben. Sie sind für diesen Zweck nicht als Säulen- sondern als Liniendiagramme dargestellt. Damit wird der optische Vergleich sowohl im Verlaufe der Jahre als auch zwischen den Städten erleichtert.

Wir wollen uns hier auf die Entwicklung bei den einzelnen Städten und einen Vergleich der Städte beschränken.

Die Quoten für Verletzte und Getötete insgesamt:
Über die fünf Jahre ist die Veränderung der Quoten und damit der Unfallzahlen in Frankfurt am geringsten. Sie schwankt um 36. Nur wenig größer ist sie in Düsseldorf, nämlich 40. Dabei liegt Düsseldorf mit seiner Quote immer höher als Frankfurt. Von 2002 bis 2005 fällt in Frankfurt die Quote leicht, steigt dann aber in 2006 deutlich an. In Düsseldorf schwanken die Zahlen von 2002 bis 2005 nur wenig und zeigen in 2006 eine größere Abnahme, im Gegensatz zu Frankfurt.

Stärker schwanken die Zahlen bei den drei anderen Städten. Von den fünf Städten hat Nürnberg die höchsten Unfallzahlen und zeigt mit 107 die größte Schwankungsbreite. Während die Nürnberger Zahlen von 2002 bis 2004 stark abnahmen haben sie bis 2006 wieder zugenommen, bleiben aber noch deutlich unter denen der Jahre zuvor. Duisburg liegt mit seinen Unfallzahlen am niedrigsten. Mit Ausnahme von 2003 hat die Zahl der Unfallopfer jedes Jahr abgenommen. Dortmund hat die zweitniedrigsten Zahlen, zeigt aber im Jahre 2004 einen starken Ausschlag nach oben. Die Quote liegt um ca. 80 über dem Durchschnitt der vier anderen Jahre.

Frankfurt liegt also mit seinen Unfallzahlen den Quoten nach im Mittelfeld der fünf Städte. Allerdings ist der hohe Anstieg der Unfallopfer von über 9 % in 2006 nur in Frankfurt zu konstatieren. In Nürnberg ist er geringer und in den drei anderen Städten nehmen die Zahlen weiter ab. Nürnberg hat die meisten und Duisburg die wenigsten Unfallopfer zu beklagen.

Die Quoten für Radfahrerunfälle:
Bei den Radfahrerunfällen zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Während es in den Jahren 2002 und 2003 zwei nahe beieinander liegende Gruppen von Städten gibt, fächert sich die Entwicklung in den folgenden Jahren auf. Auch bei den Radfahrerunfällen weist Nürnberg die höchsten Quoten auf. Die Zahlen steigen von 2002 bis 2006 regelmäßig und stark an. Die Quote steigt von 103 auf 131, also um fast 30 %! Damit steht Nürnberg der Quote nach einsam an der Spitze mit den verunglückten Radfahrern. Düsseldorf lag 2002 und 2003 mit Nürnberg gleichauf, hat sich von 2003 bis 2006 praktisch nicht verändert und liegt dann mit einer Quote von 112 knapp vor Frankfurt (108) an zweiter Stelle.

Frankfurt, Dortmund und Duisburg haben in 2002 und 2003 fast gleiche Quoten. Ab 2004 geht die Entwicklung aber auseinander. In allen drei Städten nimmt die Quote ab, in Duisburg fällt sie am stärksten, In Frankfurt und Dortmund nur leicht auf fast den gleichen Wert. 2005 findet wiederum ein Wechsel statt. In Frankfurt und Duisburg steigt die Zahl der Unfälle wieder an, während Dortmund dem Trend nicht folgt und die Quote weiter abnimmt. 2006 erlebt Frankfurt eine weitere Zunahme, Dortmund dagegen eine weitere Abnahme, der sich Duisburg anschließt.

Für die Radfahrerunfälle findet also in den fünf Jahren eine breite Auffächerung der fünf Städte statt. Der Unterschied zwischen den Städten Nürnberg und Dortmund beträgt im Jahre 2006 bei der Quote 65, was etwa 50 % des Spitzenwertes entspricht. Bei den Unfallopfern insgesamt beträgt der Unterschied, zwischen Nürnberg und Duisburg, etwa 42 %.

Die Quoten der Fußgängerunfälle:
Bei den Fußgängerunfällen sind die Veränderungen über die Jahre geringer als bei den Radfahrern. Frankfurt, Nürnberg und Duisburg liegen mit ihren Quoten nah beieinander um die 60 und haben von 2002 bis 2005 wenig Änderungen. Nürnberg und Duisburg zeigen eine leicht abnehmende Tendenz, der bei Duisburg bis 2006 weiter geht. In Nürnberg und Frankfurt steigt die Zahl der Unfallopfer unter den Fußgängern im Jahre 2006 allerdings stark an. Bei Dortmund und Düsseldorf liegt die Quote über 80. In Dortmund verbleibt sie bis 2004 in diesem Bereich und fällt dann bis 2006 auf unter 60, die zweitniedrigste Quote nach Duisburg. In Düsseldorf hat die Quote der Fußgängerunfälle im Jahre 2004 mit knapp 100 ein Maximum und fällt dann wieder auf die Werte der Jahre zuvor.

Bei den Fußgängerunfällen liegt Nürnberg wesentlich günstiger als bei den beiden anderen Gruppen. Die Zahlen, bezogen auf 100.000 Einwohner liegen im gleichen Bereich wie in Frankfurt. Bei den Unfallopfern insgesamt und bei den Radfahrern liegen die Nürnberger Quoten fast immer am höchsten.

Düsseldorf hat ebenfalls in allen drei Gruppen hohe Quoten. Vor allem bei den Fußgängerunfällen liegen sie seit 2004 deutlich über denen der vier anderen Städte.

Frankfurt liegt mit den Quoten im mittleren Bereich der fünf Städte, zeigt aber eine Steigerung für alle drei Gruppen in 2006.

Die günstigste Entwicklung in den fünf Jahren hat offenbar Dortmund. Seit 2004, bei den Radfahrern schon seit 2003, fallen die Quoten und damit die Zahl der Unfallopfer bis 2006 ab. Außer bei den Fußgängerunfällen in den ersten drei Jahren des Vergleichs und dem Jahr 2004 bei den Unfallopfern insgesamt liegt Dortmund im unteren Bereich.

Bei Duisburg lassen sich keine Tendenzen ausmachen. Die Stadt hat aber die niedrigsten Quotenzahlen, mit einigen Ausnahmen bei den Radfahrern.

Bei den Radfahrerunfälle sollte nach den Ursachen für die relativ starken Veränderungen geforscht werden. Was sind die Ursachen für den regelmäßigen Anstieg der Unfälle in Nürnberg und seit 2004 auch in Frankfurt? In Frankfurt dürfte die Ursache vor allem im zunehmenden Radverkehr zu suchen sein. Wie erklären sich die deutliche Abnahme in Dortmund seit 2003 und die regelmäßigen Schwankungen in Duisburg? Vielleicht lassen sich noch Antworten auf diese Fragen finden.

Fitz Bergerhoff (ADFC Frankfurt, AG Unfall)

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