Editorial

Es ist sommerlich heiß in Frankfurt. Die Liebste stöhnt. Unglaublich, wie die fahren. Alles Anfänger, wettert sie. Jetzt, bei dem Wetter, kommen sie aus allen Ecken, gucken nicht rechts, gucken nicht links. Haben keine Ahnung von Verkehr. Genau, stimme ich ein, immer mitten durch. Sie kennen keine Rücksicht, weder gegenüber Gleichen noch gegenüber Schwächeren. Ich fahre bald wieder auf der Straße. Da ist der Verkehr wenigstens kalkulierbar.

Werden wir alt? Seit Jahrzehnten auf dem Velo in der Stadt unterwegs, sollte uns die Verkehrsentwicklung eigentlich erfreuen. Mehr und mehr Menschen tun es uns gleich, gerade jetzt in der warmen Jahreszeit. Ob als Folge von Aktionen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“, ob wegen der hohen Spritpreise, ob aus sportlichen Gründen oder einfach aus modischen – voneinander unabhängige Quellen sehen eine enore Zunahme des morgendlichen Radverkehrs im Anlagenring. Die gute Nachricht dabei: Rowdytum, so oft in der Presse beschrieben, ist unter den Fahrrad-Pendlern kaum verbreitet. Die schlechte Nachricht: Verkehrskenntnisse, Wissen über gängige Regeln, Rücksichtnahme auf Fußgänger oder andere Radfahrer ist es ebenfalls kaum.

Da wird geschnitten, gedrängelt, falsch gefahren, dass, hätte ich noch einige Haare, mir diese zu Berge stehen würden. Dabei ist diese Fahrerei von vorsätzlichem „Rowdytum“ weit entfernt. Sie ist einfach nur gedankenlos, ichbezogen oder, oft zu beobachten, hilflos. Das ist anstrengend und nervend für andere Verkehrsteilnehmer, jedoch nicht unbedingt gefährlich für Leib und Leben. Bis auf einige Ausnahmen, wie auch in dieses Ausgabe zu lesen ist. Meine Befürchtung: Diese Ausnahmen werden zunehmen, wenn wir weiterhin gedankenlos durch die Stadt rollen, statt uns als gleichberechtigter Teil in diesem hochkomplexen System Verkehr zu verstehen und uns dementsprechend zu verhalten. Als Verkehrs-Teilnehmer.

Kritik an der eigenen Klientel? Auch das muss an dieser Stelle mal erlaubt sein.
Selbstbewusste, rücksichtsvolle  und unfallfreie Fahrt durch den sommerlichen Verkehr wünscht

Peter (für das Redaktionsteam)

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