Leserbriefe

Freie Fahrt für freie Radler (FFA 4/2008)
Nach kurzen neun Tagen in Berlin wieder in Frankfurt, resumiere ich meine Beobachtungen. Ich hatte mein Brompton mit und bin damit ganz schön unterwegs gewesen. Also: Es gibt reichlich Radwege, Bordsteinradwege mit Breiten zwischen 1,50 und 2,00 Metern, fein asphaltiert, perfekt abgesenkt. Oder Radstreifen in gleichen Breiten. Es wird viel, sehr viel Rad gefahren, ganze Schwärme von Radlern sind unterwegs. Leider aber hakt es mit der Disziplin. Dort gibt es, wie hier, reichlich Geisterfahrer und ein ziemliche Menge von Radfahrern, die die Gehwege unsicher machen. Angesichts des üppigen Angebots an guten eigenen Verkehrsflächen ist das für mich völlig unverständlich und erinnert an die Leute, die hier noch immer auf dem Gehweg der Goethestraße unterwegs sind und dort auch noch mit der Klingel randalieren.
Ich denke an Fritz Biels engagierten, ausführlichen Artikel zum Thema Falschfahrer in der letzten „Frankfurt aktuell“ und sehe eine gewisse Aussichtslosigkeit, das dort beschriebene Verhalten ändern zu können. Für einen Berliner Preußen, als den ich mich gerne sehe, waren die Beobachtungen in Berlin niederschmetternd.
Zwei Verhaltensformen allerdings stimmten mich dann doch wieder froh: Nahezu alle Autofahrer praktizieren den Schulterblick beim Einbiegen nach rechts, bleiben stehen, gucken und fahren erst dann weiter, wenn auch der letzte Radler durch ist. Das kenne ich hier anders. Und: An Kreuzungen bleiben Radfahrer und Fußgänger stehen, wenn die Ampel rot zeigt, eisern, und setzen sich erst dann in Bewegung, wenn die Ampel grün zeigt. Das ist doch was, oder? Schon, ab und zu rennt ein Depp auch bei rot los, aber das ist dann vielleicht ein Tourist aus Frankfurt?
Tom Orlowski


Regelwidriges Verhalten von Radfahrern in Frankfurt
Ich kann das ewige Lamentieren über die angebliche Abkassiererei und Schikanierung der armen Radfahrer, die auf der linken Seite fahren, durch die Polizei nicht mehr hören bzw. lesen.
Anstatt sich zu beschweren, sollten die Damen und Herren Linksfahrer sich mal überlegen, was Sie mit Ihrem Verhalten so anstellen. Auch wenn es unpopulär ist: Auch Radfahrer haben Pflichten! Und das sage ich als jemand, der Alltagsradfahrer ist und kein Auto hat. Zudem war ich 10,5 Jahr Vorsitzender des ADFC Kreisverbandes in Oldenburg – u.a. für die Bereiche Verkehrsplanung und Verkehrssicherheit zuständig. Fahrradfahren auf der falschen Seite ist seit Jahren Unfallursache Nr. 1. Wenn also die Polizei Linksfahrer kontrolliert, ist dies keine Schikanierung, sondern eine Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Was anderes ist es, wenn Fahren gegen die Einbahnstraße geahndet wird, denn diese Regelwidrigkeit erhöht sogar die Verkehrssicherheit – genauso, wie das Nichtbenutzen von – auch benutzungspflichtigen – Radwegen. Als Radfahrer ärgere ich mich sehr, wenn ich statt der Fahrbahn mal einen Radweg benutze und mir Radfahrer auf der falschen Seite entgegen kommen. Da nutzt auch ein vorsichtiges Fahren wenig.
In diesem Zusammenhang: ich ärgere mich als Fußgänger über Radfahrer, die auf Gehwegen fahren – und das ist in Frankfurt leider an der Tagesordnung. So ist es z.B. kaum möglich, auf dem FUSSWEG der Alten Brücke (Verlängerung der Kurt-Schumacher-Straße) zu zweit nebeneinander zu gehen, weil ständig irgendwelche Radfahrer meinen, nicht nur auf dem Gehweg fahren, sondern auch noch klingeln zu müssen und sich dann noch drüber aufregen, wenn sie – zu Recht!“ – angeschnauzt werden. Wieso fahren die nicht auf der Fahrbahn? Ich mache das jeden Tag – und bin noch am Leben. Das Radfahrer sich oft die Flächen mit Fußgängern teilen müssen (gemeinsame Geh/Radwege) ist eine Erklärung, aber keine Rechtfertigung.
Natürlich weiß ich auch, dass Fehlverhalten von Autofahrern die Verkehrssicherheit viel stärker beeinträchtigen als das von Radfahrern. Natürlich müsste es viel mehr  Geschwindigkeitskontrollen geben, das Parken auf Geh- und Radwegen geahndet werden etc. Aber auch Radfahrer haben ihren Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und Vermeidung von Konflikten zu leisten.
Stephan Popken

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