Weiter erhöhte Unfallzahlen in 2007
Bericht aus der AG Unfall

Die Unfallzahlen von 2007 wurden inzwischen vom Polizeipräsidium veröffentlicht und sollen, wie in den vergangenen Jahren, nicht nur auf unserer Homepage sondern auch in frankfurt aktuell mitgeteilt und diskutiert werden.

Leider hat sich bei den Unfallzahlen der Radfahrer der Trend fortgesetzt. Im Jahre 2007 ist wiederum ein Anstieg festzustellen, der sogar noch stärker ist als es 2006 gegenüber 2005 der Fall war. Doch schauen wir uns die Zahlen im Einzelnen an.
Unser Säulendiagramm veranschaulicht die Entwicklung seit 2002 für Zweiradfahrer und für Fußgänger.
Bei den Radfahrern ist eine starke Zunahme der Verunglückten festzustellen. Der stärkste Anstieg erfolgte in 2003, dem Jahr mit dem bis dahin wärmsten Sommer. Nach dem leichten Rückgang in 2004 zeigt sich in den drei folgenden Jahren ein andauernder Anstieg. Nimmt man die Zahlen aller drei Gruppen zusammen (leicht, schwer Verletzte und Getötete), so ergeben sich folgende Steigerungen: die Zunahme in 2005 gegenüber 2004 betrug 13 %, in 2006 gegenüber 2005 waren es 5 % und im vergangenen Jahr 2007 gegenüber 2006 waren es dann nochmals 7 %. Bei den schwer verletzten Radfahrern waren die Steigerungsraten deutlich geringer als bei den leicht verletzten.

Die Ursache für die Zunahme der Unfälle ist sicherlich die in Frankfurt deutlich gestiegene Nutzung des Fahrrades im Alltag in diesem Zeitraum. Die Verkehrsunfallstatistik  2007 des Polizeipräsidiums äußert sich zu den Ursachen von Radunfällen auf Seite 8. Dort wird festgestellt, dass sich die Unfallursachen etwas geändert hätten. In 2006 waren dies

  1. falsche Fahrbahnbenutzung, insbesondere auf Radwegen;
  2. Vorfahrtsverletzungen, insbesondere das Nichtbeachten des Rotlichts;
  3. Fahren unter Alkoholeinfluss

Im Jahre 2007 seien es gewesen:

  • a) Fehler beim Abbiegen oder Einordnen;
  • b) ungenügender Sicherheitsabstand und
  • c) nicht beachten der Vorfahrt

Diese Feststellungen betreffen allerdings nur das verkehrsrechtliche Fehlverhalten der Radfahrer. Über die Art und das Ausmaß des Fehlverhaltens der anderen am Unfall beteiligten Verkehrsteilnehmer wird keine Aussage gemacht. Hier besteht durchaus Untersuchungsbedarf. (Die Zahl der an Verkehrsunfällen in irgendeiner Form beteiligten Radfahrer betrug im übrigen laut Verkehrsunfallstatistik im Jahre 2007 970 gegenüber 911 im Jahre 2006.)

Bei den motorisierten Zweiradfahrern bewegen sich die Zahlen der leicht Verletzten in den vier Jahren bis 2005 etwa im gleichen Bereich. Erstaunlicherweise hat sich die Zahl der Leichtverletzten in 2006 halbiert und ist in 2007 nur wenig höher. Bei den Schwerverletzten weist das Jahr 2007 mit 41 die niedrigste Anzahl auf.

llerdings war die Zahl der bei Unfällen getöteten motorisierten Zweiradfahrer mit 4 im vergangenen Jahr die höchste in dem betrachteten Zeitraum.
Die Zahl der leicht verletzten Fußgänger bewegt sich in den Jahren 2002 bis 2005 in der gleichen Größenordnung, stieg aber im Jahre 2006 stark an und war in 2007 nur wenig kleiner. Mit 115 ist die Anzahl der schwer verletzten Fußgänger im Jahr 2007 die höchste im betrachteten Zeitraum. Die Anzahl der getöteten Fußgänger ist mit 8 im Jahr 2007 dieselbe wie 2006 und damit weiterhin sehr hoch (siehe Kasten oben rechts).

Bei der Betrachtung der langfristigen Entwicklung der Radunfälle seit 1979 – siehe das Diagramm – ist die Zunahme der Leichtverletzten seit 2002 besonders auffällig. Die Gesamtzahl der Unfallopfer unter den Radfahrern war mit 480 in diesem Jahr das Minimum über den gesamten Zeitraum. Nach der starken Zunahme im Jahre 2003, wohl bedingt durch den schönen Sommer, und nach dem leichten Abfall in 2004 hat sich die Zunahme fortgesetzt und mit 770 verunglückten Radfahrern im Jahre 2007 den bisher höchsten Wert erreicht. Auch wenn diese Entwicklung sicherlich auf die zunehmende Nutzung des Fahrrades als Verkehrsmittel zurückzuführen ist – eine differenzierte Ursachenanalyse ist in jedem Fall wünschenswert. Es müsste genau untersucht werden, welche Unfallursachen bzw. welches Fehlverhalten hat welchen Anteil? Zwar macht die Unfallstatistik des Polizeipräsidiums im Ansatz qualitative Aussagen zum Fehlverhalten von Radfahrern, wie oben zitiert. Aber daraus lassen sich keine Folgerungen über die Ursachen der Zunahme der Unfälle ziehen. Auch lässt sich daraus nicht ableiten, inwieweit bzw. wie viele Radfahrer selbst Unfälle verschuldet haben oder andere Verkehrsteilnehmer bzw. äußere Bedingungen und Umstände verursachend waren. (In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf die Öffnung der Einbahnstraßen für Radfahrer hingewiesen und nach Unfallhäufungen gefragt. Dies geschah auch in einer Anfrage der REP an den Magistrat (A 533) vom 19.05.2008: „Wie sicher ist das Radfahren gegen die Einbahnstraße?“ Die Antwort des Magistrats in seinem Bericht (B 472) vom 28.07.2008 lautet unter anderem: „Seit der Öffnung von Einbahnstraßen für den gegengerichteten Radverkehr konnte keine signifikante Erhöhung von Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Radfahrern verzeichnet werden.“)
Einzig erfreulich an der Unfallentwicklung ist, dass die Anzahl der Schwerverletzten deutlich weniger zugenommen hat als die der Leichtverletzten. Die Anzahl der Schwerverletzten lag seit den 90er Jahren deutlich unter 100 und ist seit 2005 auf knapp über 100 gestiegen.

Noch eine Anmerkung zu statistischen Angaben: Berechnet man prozentuale Veränderungen über einen bestimmten Zeitraum, kann man zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen, je nach Zeitraum und Bezugsgröße. Für die Anzahl der Unfallopfer unter den Radfahrern gelten die folgenden Steigerungsraten für das Jahr 2007:

  • bezogen auf das Jahr 2002, dem Jahr mit dem Minimum an Unfallopfern 60 %.
  • bezogen auf das Jahr 2003, dem Jahr mit der hohen Steigerung (nur) 18 %.
  • bezogen auf das Jahr 2004, dem Jahr mit geringerer Zahl an Unfällen als 2003 waren es 27 %.

Die höchste Steigerung innerhalb eine Jahres brachte das Jahr 2003 gegenüber 2002, nämlich 36 %.

Fitz Bergerhoff

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