Radarkontrolle

Hans Heinrich Pardey dürfte so manchem Leser der wöchentlichen FAZ-Beilage Technik und Motor seit Jahrzehnten bekannt sein als Journalist in Sachen Fahrrad. Meines Wissens wurde er als solcher auch schon als bester Fahrradjournalist außerhalb von Fachzeitschriften ausgezeichnet. Im Juli schrieb Pardey eine Glosse zum Thema Niederschlagsradar.

Darin führte er aus, wie auch angesichts der Vorhersage ergiebiger Niederschläge ein Fahrrad- oder Motorradausflug planbar wird – und zwar dank des Internets, das auf www.niederschlagsradar.de kinogleich die genaue Regensituation der letzten Stunde wiedergibt. „Wenn alles klappt“, so Pardey, „fühlt man sich als Sieger: Man kann das Wetter zwar nicht ändern, aber ihm mit technischer Hilfe aus dem Weg gehen.“
Da die erwähnte Internetseite seit ein paar Jahren meine Lieblingsseite ist, kam ich nicht umhin, ein paar ergänzende Zeilen an den Autor zu richten, die ich den Frankfurt aktuell-Lesern nicht vorenthalten möchte.
„Sehr geehrter Herr Pardey,

Fahrrad und Niederschlagsradar sind in der Tat zwei Dinge, die für mich mittlerweile untrennbar zusammengehören. Da ist es nur folgerichtig, dass Sie sich als Fahrradjournalist auch dem anderen Thema widmen. Seit einigen Jahren schon werden im Internet Seiten mit Niederschlagsradar angeboten, früher gröber und noch knapp 30 Minuten hinterher. Die von mir gern genutzte Internetseite www.niederschlagsradar.de markiert da einen echten Quantensprung. Als Fahrradpendler richte ich meine flexible Arbeitszeit nach ihr aus, seitdem es im Internet dieses Angebot gibt. Da muss nur gelegentlich schnell mal entschieden werden, ob man es sich heute leisten kann, eine Stunde früher zu gehen, oder ob man lieber zwei Überstunden macht. Alles dazwischen bedeutet, nass zu werden. Auf diese Art und Weise komme ich als erklärter Schönwetterradler selbst in diesem und im vergangenen Sommer auf eine nahezu 100-prozentige Radnutzung.

Beide Sommer gelten in der Wahrnehmung der meisten ja als verregnet. Nur in seltenen Fällen drängt sich der Entschluss auf, dass an der Radmitnahme in der S-Bahn kein Weg vorbeiführt.
Unvergessen bleibt der Stoffelabend im Günthersburgpark nach einem völlig verregneten Tag, als nahezu minutengenau zum Programmbeginn die Sonne durchkam. Ohne Niederschlagsradar wäre ich sicher nicht dort gewesen. In diesem Jahr wurde einmal von eben dieser Bühne den Leuten gleich zu Beginn beruhigend verkündet, dass sie sich laut Niederschlagsradar in den kommenden zwei Stunden keine Gedanken übers Nasswerden zu machen bräuchten. Unvergessen auch der Kommentar eines Mitwanderers bei einer Halbtagestour: „Christian ist dabei. Dann bleiben wir trocken, denn der hat sich bestimmt ausgiebig informiert.“

Schön ist der erzielbare missionarische Effekt bei Leuten, die zunächst meinen, der Blick aus dem Fenster sei gleichwertig. Irgendwann müssen sie eingestehen, dass sie ein Informationsdefizit haben. Nicht zu vergessen ist auch der didaktische Aspekt. Es fängt nicht einfach irgendwann an zu regnen und hört auch wieder auf. Es gibt völlig unterschiedliche Phänomene zu entdecken, wenn man regelmäßig Bildschirm und Fensterblick abgleicht.

Mal sehen, wie lange ich noch warten muss, bis meine Idealvorstellung technisch umgesetzt ist: ein Display am Radlenker mit dem Niederschlagsradar, das dank GPS-Ortung immer die eigene Position als Mittelpunkt hat. Aber das erfahre ich ja dann in Technik und Motor.“

Christian Martens

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9 Februar, 2010 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt