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Wetterauer Fahrradkonferenz 2026
ADFC erstmals im offiziellen Vortragsprogramm
Der Wetteraukreis veranstaltet seine Fahrradkonferenz jährlich jeweils in einer anderen Wetterauer Gemeinde. Die diesjährige Konferenz, die achte ihrer Art, ging am 22. September in Bad Vilbel über die Bühne des Kultur- und Sportzentrums Dortelweil. Die Konferenz versteht sich in erster Linie als Leistungsschau der verantwortlichen Körperschaften auf ihrem Gebiet und bietet daher einen Anreiz für alle Stellen, hier mit einer positiven Bilanz aufzuwarten.
Die erste Kreisbeigeordnete Birgit Weckler titulierte in ihrer Begrüßung Bad Vilbel bereits als „Fahrradstadt“ und bot damit Bürgermeister Sebastian Wysocki eine Steilvorlage, um zahlreiche Planungs- und Baumaßnahmen, finanzielle Aufwendungen und Gremienentscheidungen der letzten zehn Jahre aufzuführen, die aus seiner Sicht das Bild einer fahrradfreundlichen Kommune verstärken. Die folgenden Präsentationen der Kreisverwaltung zählten dann ihrerseits die vielfältigen örtlichen Einzelmaßnahmen aus Radnetzerweiterungen, Wegebefestigungen, Neubeschilderungen, Umführungen usw. auf. Besondere Aufmerksamkeit erhält derzeit der nordöstliche Kreisteil, in dem 2027 die Landesgartenschau stattfinden soll. Zusätzliche Fördermittel des Landes schaffen dort Verbesserungen der Radverkehrsinfrastruktur, unter anderem sollen dort die ersten „Mobilitätsstationen“ des Landes geschaffen werden.
Wie schon in den Konferenzen der Vorjahre stellte Egon Weß von Hessen Mobil die Planungsstände der überörtlichen Radwegeprojekte vor, die in die finanzielle Zuständigkeit von Land und Bund fallen. Von den mehr als 20 angesprochenen Projekten entfallen die geplanten Radwege Gronau-Niederdorfelden, Gronau-Rendel und Bad Vilbel Heilsberg-Bergen-Enkheim auf die Umgebung Frankfurts. Unabhängig davon, ob der jeweilige Sachstand noch zur Entwurfsplanung, zur Planfeststellung oder zum Genehmigungsverfahren gehört: In allen Fällen ist nicht damit zu rechnen, dass auf diesen Radwegen vor dem Jahr 2032 das erste Fahrrad rollen wird.
Als wesentliche Neuerung wurde bei dieser achten Konferenz der ADFC zum ersten Mal in das offizielle Vortragsprogramm aufgenommen. Somit stellte er nicht nur ein zusätzliches Informationsangebot beim begleitenden „Marktplatz“, auf dem auch VCD, Verkehrswacht und Regionalpark Ballungsraum RheinMain vertreten waren. ADFC-Landesgeschäftsführer Sofrony Riedmann widmete sich den Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung (StVO) und im Straßenverkehrsgesetz (StVG). Von Bedeutung sind die neuen Ziele, die die Straßenverkehrsbehörden berücksichtigen müssen: Nicht mehr allein die „Sicherheit und Leichtigkeit“ des Verkehrs, sondern auch der Schutz von Umwelt, Klima und Gesundheit sowie die städtebauliche Entwicklung können als Begründungen für Einschränkungen des motorisierten Individualverkehrs und damit für die Bereitstellung angemessener Flächen für den Rad- und Fußverkehr herangezogen werden. Davon ausgehend können Kommunen beispielsweise Fahrradwege oder Fahrradzonen einrichten, ohne dass zuvor eine besondere örtliche Gefahrenlage nachgewiesen werden muss. Riedmann rechnet damit, dass sich der neue Ansatz erst sukzessive in der Behördenarbeit durchsetzen wird. Um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, müssen nicht zuletzt neue Begriffe wie zum Beispiel der des „hochfrequentierten Schulwegs“ erst definiert werden.
Im zweiten Teil der Präsentation stellte Paul Hilmer die Aktivitäten der rund 1000 ADFC-Mitglieder in der Wetterau bei der Werbung für einen sicheren und komfortablen Radverkehr vor Ort dar. Dazu zählen unter anderem die Fahrradcodierung, die Mitwirkung bei Verkehrsschauen oder die Werbung für den bundesweiten Fahrradklima-Test zur Bewertung der einzelnen Kommunen. Der ADFC stellt das Bindeglied zur „radelnden Community“ dar, und die Gebietskörperschaften sind gut beraten, wenn sie auf diese Kompetenz zurückgreifen.
Insgesamt verlief diese Fahrradkonferenz wie die vorangegangenen in routinierter Geschäftsmäßigkeit der zuständigen Behörden und Stellen. Engagement für den Radverkehr ist allen Beteiligten zuzusprechen – das allerdings im bürokratischen Verwaltungshandeln auf harte Geduldsproben gestellt wird. Bedürfnisäußerungen oder unmittelbare Stimmen aus dem Alltag des Radverkehrs fehlen dabei genauso wie der Blick in andere Fahrradwelten, die möglicherweise die eigenen Erfolgsgeschichten relativieren könnten. Auch der zurückhaltende Auftritt des ADFC scherte hier nicht aus. So verabschiedete sich die Konferenz in Harmonie bis zum nächsten Jahr, voraussichtlich in einer Kommune der Landesgartenschau 2027. Walter Baumann
Die Vorträge sind unter
mitgestalten.wetteraukreis.de/
mobilitaet einsehbar
6_2026 November/Dezember
Der ADFC-Stand vor Beginn der Veranstaltung Paul Hilmer
Sofrony Riedmann vom ADFC Hessen bei seinem Vortrag in Bad Vilbel-Dortelweil















