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Es bewegt sich was beim Radschnellweg Vordertaunus
Es war ein Schock für den ADFC, als die Stadt Bad Homburg im Mai 2026 in einer Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung plötzlich vorschlug, dass der Radschnellweg Vordertaunus nicht mehr durch Bad Homburg führen sollte. Zwar wollte sie nun die Planungen beauftragen, aber nur für die Teile des Radschnellwegs, die außerhalb der Bebauungsgrenze liegen, so dass er von Friedrichsdorf und Oberursel kommend jeweils vor der Bebauung enden würde. Innerorts sollten Radfahrende auf das vorhandene Radwegenetz verwiesen werden. Dieses ist – wie alle zwei Jahre durch den ADFC-Fahrradklimatest bestätigt wird – in keinem guten Zustand.
Licht am Ende des Tunnels
Nun aber gibt es Licht am Ende des Tunnels. Wir haben viele Gespräche mit Stadtverordneten geführt, Vorschläge für zwei Routen für den Radschnellweg durch die Stadt gemacht. Diese fuhren wir bei unserer Rundfahrt am 22.08.2026 durch Bad Homburg mit ca. 30 Personen ab, mit Lokalpolitikern, Experten des Regionalverbands, Mitgliedern des ADFC und sonstigen Interessierten. Beide Routen beginnen bzw. enden an den Bahngleisen bei der Zeppelinstraße, wo der Radschnellweg aus Oberursel Bad Homburg erreicht. Die erste Route führt über die Urseler Straße und den Hindenburgring, die ohnehin mit breiten Radfahrstreifen ausgestattet werden sollen und problemlos für den Radschnellweg genutzt werden könnten. Erst ab der Dietigheimer Straße müsste mehr Platz geschaffen werden. Von der Höllsteinstraße ginge es weitgehend konfliktfrei auf Nebenstraßen bis zum Waldfriedhof und von dort ins Zentrum Friedrichsdorfs. Die zweite vorgeschlagene Route bindet den Bahnhof Seulberg ein und führt von hier durch den Hardtwald. Die vorgesehene bewegungsabhängige Beleuchtung sorgt für die erforderliche Sicherheit, verbraucht wenig Energie und schont die Tier- und Pflanzenwelt. Die Route führt dann am Kurhaus vorbei direkt durch die Innenstadt von Bad Homburg und weiter Richtung Industriegebiet, wo mit der Thomas- und der Schleußnerstraße ausreichend breite Straßen zur Verfügung stehen. Ab dem Industriegebiet könnte unmittelbar neben den Schienen gefahren werden, so dass der sonstige Verkehr nicht beeinträchtigt wird.
Unsere Arbeit hatte Erfolg, denn die Stadtverordnetenversammlung hat am 10. September 2026 einstimmig klar gemacht, dass der Radschnellweg durch Bad Homburg führen soll und den Magistrat beauftragt, in Abstimmung mit dem Regionalverband mögliche Routenführungen auf ihre Realisierbarkeit zu überprüfen. Dies entspricht der von uns vorgeschlagenen zweiten Route.
Rundfahrt des Regionalverbands
im September
Auch der Regionalverband hatte zu einer Rundfahrt eingeladen. Am 21. September trafen sich Vertreter des Regionalverbands, des Planungsbüros, der Kommunen, des Kreises und ADFC-Mitglieder am Seulberger Bahnhof. Bergauf und bergab führte der Radweg zum Pilgerrain in Bad Homburg – nicht das, was für einen Radschnellweg passt. Darauf wies bei einem ersten Stopp auch Uwe Petry vom Planungsbüro VAR+ hin. Man wolle den Weg parallel zu den S-Bahn-Gleisen führen und man sei im Gespräch mit den Grundstückseigentümern.
In Bad Homburg berichteten die beiden Bad Homburger Vertreter der Stadtverwaltung stolz von den erzielten Verbesserungen bei der Radinfrastruktur, mit der Fahrradstraße im Weinbergsweg und der Neugestaltung der Thomasbrücke. Das sind Verbesserungen, aber auch das entspricht nicht dem, was ein Radschnellweg sein soll: Keine direkte Verbindung, sondern im Zick-Zack durch die Stadt, viel zu schmale Radstreifen und nicht getrennt vom Autoverkehr, zudem dauernde Stopps an den vielen Ampeln. Die Standards für einen Radschnellweg verlangen anderes.
Noch endet der FRM 5 an einem Zaun
Wie es sein soll, konnten die Teilnehmenden in Oberursel auf einem sehr kurzen Stück erleben. Beim Bau der Mehrfamilienhäuser im sogenannten Gleisdreieck zwischen S- und U-Bahngleisen wurde der künftige Radschnellweg berücksichtigt: Eben, breit und mit großen Kurvenradien führt der FRM 5 an den Häusern entlang und unter ihnen durch – um dann vor einem Zaun zu enden. Hier fehlt eine Brücke. Sie würde 4 Millionen Euro kosten, wie Bürgermeisterin Antje Runge berichtete, die habe die Stadt derzeit nicht. Trotzdem seien Gelder für die Planung im Haushalt eingestellt.
Denn auch im weiteren Verlauf der geplanten Trasse gibt es Handlungsbedarf. Der Gattenhöfer Weg zwischen S-Bahn-Gleisen und der alten Mühle ist schmal, uneben und insgesamt in schlechtem Zustand. Trotzdem benutzen ihn viele, Schulkinder in beide Richtungen, Pendler, Spaziergänger: Es ist die direkte Verbindung zwischen der Stadt und Stierstadt.
In Stierstadt endete die Exkursion. Hier gab es noch Gelegenheit zum Austausch. Man beschloss, auch das südliche Stück der seit zehn Jahren diskutierten Strecke abzufahren, von Eschborn bis Steinbach. Wir bleiben gespannt, ob der Radschnellweg tatsächlich jetzt sichtbare Fortschritte macht.
Ralf Gandenberger
Ulrike Heitzer-Priem
Ralf Gandenberger und Patrik Schneider-Ludorff (hinten, erhöht) erläutern den Teilnehmenden der Rundfahrt Besonderheiten der Routen bei einem der zahlreichen StoppsDidier Hufler
Ulrike Heitzer-Priem















