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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main
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Ü1

Auf ein Croissant nach Frankreich

Ein Selbstversuch im Langstreckenradeln

Das Internet ist voll von Berichten von Leuten, die wirklich lange Distanzen mit dem Fahrrad zurücklegen. Mich faszinieren solche Strecken schon seit langem. Die Berichterstattung zum „Transcontinental Race“ (www.lostdot.cc/race/tcrno12) hat mich dazu inspiriert, erneut auszuprobieren, ob ich die Schallmauer von 400 Kilometer am Stück durchbrechen kann. Zwei Versuche dazu hatte ich vorher schon unternommen, war aber beide Male knapp gescheitert – einmal am Wetter, einmal am eigenen Kopf.

Am 8. August sollte es dann soweit sein: Eine Route war geplant, das Fahrrad war bereit, es konnte losgehen. Da ja bekannt ist, dass ein Schokocroissant – oder besser: Ffokokroffong – zu jeder längeren Radtour gehört, hatte ich die Tour so geplant, dass ich eben dieses in Frankreich etwa zur Halbzeit bekommen könnte. Von Frankfurt sollte es am Main entlang nach Mainz gehen, dann nach Alzey und nach Süden, an Mannheim und Landau in der Pfalz vorbei nach Weißenburg / Wissembourg in Frankreich und über die Bergstraße zurück nach Frankfurt.

Um 09.30 Uhr rollte ich von der Galluswarte los. Im Verlauf des Vormittags wurde es schnell sehr warm, und in den Weinbergen zwischen Mainz und Alzey verlief die Route auf teilweise sehr grob geschotterten Wegen – ich war froh, dass ich nicht mit einem Rennrad unterwegs war!

Unterwegs stoppte ich regelmäßig an Tankstellen, um mich mit kühlen Getränken zu versorgen. Um 13.30 Uhr war das erste Viertel geschafft, bis auf die Hitze lief alles gut. In einem kleinen Tunnel, der unter der Autobahn hindurch führte, machte ich eine kurze Rast und genoss es, mich auf den kühle(re)n Asphalt zu legen und etwas zu trocknen. An dieser Stelle danke an die beiden Radfahrenden, die besorgt nachfragten, ob alles in Ordnung sei!

Mehrere weitere Getränkepausen später erreichte ich um 20 Uhr die deutsch-französische Grenze bei Neuhof / Altenstadt und ein paar Minuten danach die Innenstadt von Wissembourg. Nach mittlerweile über 10 Stunden im Sattel machte sich natürlich die Müdigkeit bemerkbar, aber weder Hinterteil noch Rücken noch Beine taten wirklich weh. In Wissembourg feierte ich die Halbzeit der Tour mit dem bereits angekündigten Kroffong (von dem ich entsetzlicherweise kein Foto gemacht habe!) und Espresso, dann ging es weiter in den Abend hinein zurück nach Deutschland.

Durch nachtschlafende Dörfer allein unterwegs

Mit der Sonne verschwand auch die Hitze, und das Fahren wurde deutlich angenehmer. Die Tour verlief nun größtenteils auf Radwegen entlang von Landstraßen oder auf kleineren Kreisstraßen. Hier waren zu dieser Zeit kaum Autos unterwegs, sodass ich mich einfach nur aufs Fahren konzentrieren konnte. Der Zeitraum von 23 bis 4 Uhr war in diesem Sinne der angenehmste der Tour: Durch Felder und Wälder und nachtschlafende Dörfer alleine unterwegs, nur begleitet von den Ansagen des Navigationssystems, stellte sich eine fast meditative Stimmung ein. Müdigkeit spürte ich kaum, jedenfalls nicht, solange ich weiter fuhr. Anhalten hingegen war gefährlich, also vermied ich es soweit es ging. Gegen 1.30 Uhr erreichte ich südlich von Heidelberg Kilometer 300, und die von nun an nur noch zweistellige Zahl an Restkilometern verlieh zusätzliche Motivation, die mich weiter trug. Sorgen machte mir nur mein zur Neige gehender Vorrat an Strom: Die zweite der beiden Powerbanks, die ich mitgenommen hatte, um Kopfhörer und Handy zu laden, war schon bei unter der Hälfte ihrer Ladung angekommen. Mir war klar, dass ich schon irgendwie nach Hause finden würde, aber es wäre sehr schade, von der Tour keine vollständige Aufzeichnung zu haben… Während der Fahrt durch die Nacht begann zusätzlich mein Nacken zu schmerzen, sodass ich immer mal wieder längere Strecken freihändig fuhr, um die Kopfposition zu verändern. Beine und Hintern spielten weiterhin brav mit.

In Pfungstadt rastete ich an einer Tankstelle, die die ganze Nacht über offen hat, ein letztes Mal und gönnte mir einen heißen Kaffee (das erste warme Getränk der Tour). Der Tankwart konnte nicht ganz fassen, dass ich wirklich schon 350 Kilometer unterwegs war – „Hassen Sie sich?!“ fragte er verständnislos. Darüber konnte ich nur schmunzeln, stieg wieder aufs Rad und nahm die letzte Etappe in Angriff. Spätestens jetzt war klar, dass – außer einem Unfall – nichts mehr verhindern könnte, dass ich die 400 km dieses Mal schaffen würde. Um 7 Uhr stand ich, nach 21 Stunden und 36 Minuten Reisezeit und 407 gefahrenen Kilometern, wieder an der Galluswarte. Die Powerbank hatte durchgehalten, ebenso das Fahrrad und der Körper, und ich konnte mich zufrieden ins Bett legen. Die Verpflegung während der Tour bestand neben dem Frühstück vor Abfahrt aus zwei Iso-Gels, dem Schokocroissant, zwei Haferriegeln, einer Tüte Bananenchips sowie etwa neun Liter diverser Getränke (Wasser, Eistee, Cola, Powerade, Kaffee).

Falko Görres

Am Place du Saumon in Wissembourg

Falko Görres

Die Komoot-Aufzeichnung der Route

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Falko Görres