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Wann und wo die Redensart genau entstanden ist, ist unklar. Einige Quellen nennen England, andere verweisen auf Irland, erste schriftliche Aufzeichnungen des Ausdrucks gibt es in den 1930er Jahren. Fest steht, dass er in der heutigen Kultur und Sprachnutzung tief verankert ist.
Es gibt eine Band, eine Kurzgeschichte und sogar ein Stand-Up Comedy Programm gleichen Namens. Während viele Sprachen ähnliche Ausrufe mit dem Protagonisten des Neuen Testaments kennen – „Vorherre til hest“ („Der Herr zu Pferd“, Dänisch), „Ježíšku na k?ížku“ („Baby Jesus am Kreuz“, Tschechisch) oder auch das deutsche „Jesusmaria“ – ist das Englische die einzige Sprache, in der Jesus Fahrrad fährt.
Grund genug, einmal nach anderen Sprichwörtern Ausschau zu halten, in denen das Zweirad vorkommt. Mir fällt natürlich gleich ein: „Das ist wie Fahrradfahren“, was bedeuten soll, dass man die gelernte Aktivität auch nach langer Zeit wieder abrufen kann. Oder auch der aus der Frauenbewegung stammende Spruch „Eine Frau braucht einen Mann wie ein Fisch ein Fahrrad“. Dass unsere Nachbarinnen und Nachbarn aus Holland gleich mehrere fahrradbezogene Sprichwörter verwenden, sollte wenig verwundern. „Op die fiets“ („Auf das Rad“), ruft man, wenn man endlich begriffen hat, wie etwas funktioniert. Will man hingegen jemandem vermitteln, dass er oder sie nicht nerven und sich verziehen soll, ruft man „Ga toch fietsen!“ („Geh doch Radfahren!“). Sogar das Chinesische verfügt über einen wohl bereits recht lange verwendeten Ausdruck:
„???? (bié diào liànzi)“, zu Deutsch „Lass die Kette nicht fallen“. Das bedeutet so viel wie „Vermassel es nicht.“
Aber nochmal zurück zum Englischen. Haben wir uns im Deutschen zu weit aus dem Fenster gelehnt, müssen wir „zurückrudern“. Dort spricht man vom „backpedalling“, es wird also bildlich gesprochen rückwärts in die Pedale getreten. Am besten gefällt mir persönlich allerdings das Konzept des „bikeshedding“. Ein bike shed ist ein Unterstand für Räder. Seinen Ursprung hat der Ausdruck in dem 1957 von Historiker C. Northcote Parkinson aufgestellten Gesetz der Trivialität. „Bikeshedding“ bezeichnet die Tendenz von Gruppen oder Organisationen, sich eher mit Dingen zu beschäftigen, die leicht und greifbar, aber unwichtig sind, während komplexe und budgetintensive Probleme vernachlässigt werden. Zur Illustration seines Gesetzes nutzt Parkinson ein fiktives Komitee, das über zwei Dinge abstimmen soll: den Bau eines Atomreaktors für 10 Millionen Dollar und den eines Fahrradunterstands für die Mitarbeitenden im Wert von 2.000 Dollar. Im Meeting werden alle zu Expertinnen und Experten für Radschuppen und man verbringt lange 45 Minuten mit diesem Thema in all seinen Details. Über das wesentlich komplexere Atomkraftwerk aber wird innerhalb von zwei Minuten entschieden.
Sicher kennen viele dieses Phänomen aus dem eigenen Arbeits- oder gar Vereinsleben. Wenn ich das nächste Mal in einem Meeting sitze, in dem bikeshedding betrieben wird, ruft es in meinem Kopf wahrscheinlich „Christ on a bike!“ und ich hoffe auf himmlischen Beistand.
Hannah Kessler
abgefahren
Was bedeutet eigentlich
„Christ on a bike!“?
6_2026 November/Dezember
Englisch ist die einzige Sprache, in der Jesus Fahrrad fährt
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