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18.02.2021

Wann hört der grauenhafte Raser-Irrsinn endlich auf?
Mahnwache am Tatort in Sachsenhausen

Die Opfer, Fußgänger, waren zwei Männer in den besten Jahren, beide Servicemitarbeiter eines Cafés am Sachsenhäuser Mainufer. Der Täter erfasste sie mit seinem Auto (diesmal kein SUV, sondern ein flotter Kompaktwagen) mit irrwitzigem Tempo auf dem Fußgängerüberweg, den die beiden nichtsahnend bei grün überquerten. Das ganze am helllichten Tage, am frühen Samstagnachmittag des 14. Februar. Einer der beiden wurde nach Presseberichten sogar noch zig-Meter durch die Luft geschleudert. Beide starben kurz darauf im Krankenhaus.

Bild Sophie Gneisenau-Kempfert, stellvertretende Ortsvorsteherin, hielt eine kurze Gedenkansprache am Tatort, gefolgt von einer Schweigeminute
Foto: Peter Sauer

Es war die dritte tödliche Raser-Attacke in relativ kurzer Zeit, nach der Taunusanlage im Herbst 2019 mit einem getöteten Radfahrer und der Oskar-von-Miller-Straße im November 2020 mit einem getöteten Radfahrer und einem getöteten sowie einer schwerverletzten Fußgänger*in. Es waren diesmal keine Radfahrer*innen die Opfer, aber das war im Grunde reiner Zufall.

Bild Schweigend wurde der zwei Opfer gedacht
Foto: Peter Sauer

Deshalb beteiligten wir uns auch an der Mahnwache am darauffolgenden Donnerstag den 18. Februar, am frühen Nachmittag zur Tat-Uhrzeit am Unfallort, initiiert von der stellvertretenden Ortsvorsteherin Sophie Gneisenau-Kempfert und besucht von ungefähr 150 Teilnehmer*innen, darunter viele Freunde und Angehörige der Opfer, die Blumen niederlegten.

Aufmerksamen Leser*innen wird nicht entgangen sein, dass wir von „Tatort“ und nicht von „Unfallort“ sprechen, und auch vom „Täter“ und nicht vom „Unfallverursacher“. Es gehört nämlich weit mehr als fahrerisches Unvermögen oder Fahrlässigkeit dazu, derartige Horrorszenarien hervorzurufen. In allen drei Fällen handelte es sich auch nicht um Jugendliche kurz nach dem Führerscheinerwerb, sondern um erwachsene Männer mit ausreichend Fahrpraxis. Es gibt leider ganz offensichtlich einen mentalen Zustand bei gewissen Leuten, der diese zu völligem Ausrasten und absoluter Rücksichtlosigkeit am Steuer befähigt.

Kann die Stadt (nicht nur Polizei und Gesetzgeber) etwas gegen die Raserei tun? Helfen Blitzer und/oder Tempo 30?

Tempo 30 halten wir bekanntlich als ADFC für die geeignete Regelgeschwindigkeit innerorts, und Blitzer erziehen ansonsten vernünftige Autofahrer*innen dazu, in bestimmten Situationen aufzupassen. Wer aber so drauf ist wie der Täter in Sachsenhausen, der lässt sich in diesem Geisteszustand nicht von Blitzern oder Tempo 30 – Schildern beeindrucken. Wenn, dann müssten da schon physisch zwingendere Maßnahmen greifen, auch außerhalb der polizeilich-strafrechtlichen Konsequenzen solcher Taten.

Es gibt in Deutschland ganz offensichtlich ein zunehmendes Problem mit der Aggro-Autofahrerei. Zwar gab es schon lange den Typus der intellektmäßig naturtrüben Jungmänner mit tiefgelegtem Golf-GTI, oft eher im ländlichen Milieu. Was derzeit aber unter dem Sammelbegriff „Raser-Poser-Tuner“ einreißt, ist eine spezifische Unkultur, die gerade in den Städten um sich greift und polizeinotorisch zunimmt, auch was die Opferzahlen angeht.

Wenn man zu dem Schluss kommt, dass die Städte längerfristig ein Problem damit bekommen, muss man über Konsequenzen auch in der Straßenraumgestaltung offen sprechen. Man kann sich nicht einfach auf den Standpunkt stellen, dass gegen Verrückte kein Kraut gewachsen sei. Ganz so stimmt das nämlich nicht. Ein simples Beispiel: wäre der Knoten Oppenheimer-Mörfelder, an dem die zwei Männer getötet wurden, nicht eine Ampelkreuzung, sondern ein Kreisverkehr mit massivem Mitteleinbau, hätte die Raserattacke vom letzten Samstag schon physikalisch so gar nicht stattfinden können.

Damit wollen wir jetzt nicht spontan gerade dort sofort einen Kreisel fordern (u.a. wegen der Straßenbahn wäre das auch nicht ganz trivial), aber grundsätzlich muss die Stadt über Instrumentarien nachdenken, wie Raserei an bestimmten Straßen unattraktiv gemacht oder knallhart unterbunden werden kann. In anderen deutschen Städten mit bekannten Raser-Pisten (Köln – Aachener Straße, Bielefeld – Detmolder Straße) ist das schon in der Diskussion, und außerörtlich werden Kreuzungen auch hierzulande gezielt zwecks Unfallverhütung zu Kreisverkehren umgebaut, weil sie zwangsentschleunigend wirken. In unseren westeuropäischen Nachbarländern Holland, Belgien oder Frankreich ist man auch mit Tempoblockern (Speedbumps oder holländisch „Drempels“) gar nicht zimperlich, und wer sie allzu grob ignoriert, kann seinen Boliden gleich an Ort und Stelle verschrotten lassen.

Natürlich werden Feuerwehr und ÖPNV davon nicht begeistert sein, und auch wir wollen nicht vorschnell Forderungen stellen. Unser Vorschlag, als Konsequenz aus den drei tödlichen Raserattacken in recht kurzer Zeit: eine nüchterne Analyse der Situation, ob wir wirklich ein Problem mit zunehmendem Aggro-Autofahren haben. Und wenn ja, dann müssen konkrete Lösungsvorschläge auf den Tisch von Maßnahmen, die im Kompetenzbereich der Kommune liegen. Das wäre Frankfurt seinen Fußgänger*innen und Radfahrer*innen schuldig, damit wir nicht alle paar Monate zu einer Mahnwache mit Schweigeminute hingehen müssen.

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