Ausgabe 1/2001   Jan. / Feb.


Furcht- aber fruchtlos

1. Szene

Redakteur R mit Telefon, Papieren und großer Tüte Gummibärchen.

Fahrradhändler F mit Schraubenschlüssel, Telefon, im Stress.

R wählt, langes Freizeichen.

F nimmt grob den Hörer ab.
  
Daut-Räder

R: Ja, guten Tag, wer ist denn bei ihnen für Öffentlichkeitsarbeit zuständig?

F: Sie hawwe sisch verwählt!

(legt auf)

R isst erschrocken einige Gummibärchen, wählt erneut:

R: Noch mal Kloiber vom A-D-F-C, ich hab’ eine Frage.

F: ADFC - sin des die, die alls alles besse wisse?

R: Nein, wissen sie, das stimmt doch nicht. Wir fördern den Radverkehr und machen eine schöne Zeitung...

F: Da merk’ isch abbe nix davoo!

R packt die Gummibärchen-Tüte und hält sie im Folgenden immer verkrampfter fest.

R: Na, bei ihnen wollen wir die Zeitung ja auslegen, und ich möchte ihnen ein Angebot für ’ne Anzeige machen...

F: Also, jetzt will isch ihne ma ebbes sache: wenn sie de radvekeh födere wolle, dann komme se doch und kaufe was!
  
So mache me des! Wiedesehe.

R greift sich eine ganze Hand voll Bärchen und stopft sie rein.

2. Szene

Dem Redakteur ist nichts zu schwör... Mit Gummibärchen kommt er Tag in den Fahrradladen

R (für sich): Also: zeitnah noch mal für das Angebot werben, 2. dem Kunden seine Vorteile klarmachen, 3. zügig verhandeln!

R: Tag! Ich wollte wegen der Anzeige...

F: Ich denk’ sie wolle was kaufe!?

R: Ja, das vielleicht auch. (Unter dem wuchtigen Blick des Händlers unsicher ein paar Gummibärchen essend) Ich hab’ da was im Schaufenster gesehen, das Rad da.

Nach einem kurzen Verkaufsgespräch, das gänzlich vom Fahrradhändler geführt wird, ist unserem armen Redakteur klar, dass dies sein günstiges Wunschrad ist. Der Fahrradhändler:

F: Is’ en Ausstellungsstück, desweche krieche se’s billiche! Ach und jetzt ihr’ Anzeiche: wieviel Platz kriech isch denn nu’?

R: Wieso, sie haben doch noch nicht bestellt?

F: Ai, ich hab’ ihne doch grad dreihunnert Makk nachgelasse, da kriech isch ja wohl e’ Probeanzeich’ dafüe!?

Diese Glosse beschreibt ungefähr die mentalen Probleme, die wir hochspezialisierten Redakteure haben, und zwar schon bei der Vorstellung, häufiger Anzeigen zu verkaufen.

(ak)

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