Ausgabe 1/2001   Jan. / Feb.


Burg Ludwigstein: ein Nachruf

Vorabbemerkung: Dieser Bericht sollte schon im letzten FFA erscheinen, wurde aber vergessen. Getreu dem Motto "Nur wer nichts macht, macht keine Fehler" hier nun der verspätete Bericht:

Ein Nachruf im wörtlichen Sinne sind diese Zeilen, denn in Ludwigstein wird es kein Herbsttreffen mehr geben, doch dazu später mehr. Trotz bahnunverschuldeter Verzögerungen infolge eines Freitods kamen wir noch rechtzeitig in Eichenberg an, um den Omnibus zur Burg zu erwischen. Eine ganze Reihe Teilnehmer/innen sind mit Rad oder Bahn+Rad gekommen, ein Liegeradler hat es nicht mehr ganz geschafft und ist auch im Bus mitgefahren. Insgesamt war die Resonanz gut, rund 150 Aktive aus allen Bundesländern (außer Saarland und Thüringen) waren vertreten. Die meisten Teilnehmer/innen kamen aus Nordrhein-Westfalen und Hessen. Der ADFC Frankfurt war mit sieben Aktiven vertreten. Ein Gast aus dem italienischen Torino war auch dabei.

Nach der Begrüßung wurde bekannt gegeben, dass dies die letzte Veranstaltung in Ludwigstein sei. Die Reihenfolge der Treffen wird gedreht, die Bundeshauptversammlung wird künftig im Herbst stattfinden (erstmals 2001) und ab 2002 wird es ein Frühjahrstreffen an anderem Ort geben.

Einiges wurde vorgestellt, über die allgemeinen Dinge wurde in der Radwelt berichtet. Dieser kurze Abriss soll einige der m.E. für unsere Leser wichtigsten Punkte aus den von mir besuchten Veranstaltungen kurz ablichten.

Gehen Bahn und Rad getrennte Wege?

Bei der Radmitnahme im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG drohen in absehbarer Zeit erhebliche Kürzungen und Komfortverluste. Die derzeitigen Interregio-Züge werden zum großen Teil schon zum Fahrplanwechsel im nächsten Jahr entfallen, laut Aussage von Herrn Mehdorn (vgl. FR-Interview vom 14.10.2000) sind das "Produkte, die nicht mehr funktionieren". Inwieweit es einen adäquaten Ersatz auf der Schiene geben wird, ist derzeit nicht bekannt. Benötigt werden jedenfalls langlaufende Züge mit angemessener Reisegeschwindigkeit und ausreichender Gepäckkapazität, die mit wenig Umsteigen das Urlaubsziel erreichen. Keinesfalls können Omnibus oder Kraftwagen ein Ersatz sein, schon aus praktischen Erwägungen und schlechtem Reisekomfort nicht, ganz zu Schweigen vom Umweltgedanken.

Ersatz können mittelfristig die IC-/EC-Züge sein. Allerdings werden herkömmliche Intercityzüge mit Radmitnahme, die diesem Ersatz noch am ehesten entsprechen, zunehmend durch ICE, die derzeit für die Radmitnahme gesperrt sind, ersetzt. Abgesehen davon halten diese Züge ohnehin nur in großen Städten, was für Urlaubsreisen problematisch ist. Die Radmitnahme in bisherigem Umfang muss aber erhalten bleiben.

Die Bahn soll wirtschaftlich arbeiten. Sie wird dabei von der Politik außer mit warmen Worten nicht unterstützt. Es hängt jedoch stark von der Lobby ab, die an die Bahn mit ihren Wünschen herantritt. So wurden mit aller Selbstverständlichkeit Empfangsverbesserungen für die Mobiltelefonnutzer eingebaut und für die Wintersportler Schihalterungen angebracht. Technische Lösungen für die Radmitnahme in allen Fernzügen inkl. ICE gibt es, das zeigen Beipiele aus dem Ausland. Nun ist es an uns, die Bahn zu überzeugen, sich ihren wichtigsten Kundenstamm nicht zu vergraulen und diese Möglichkeiten auch umzusetzen.

Radler sind überdurchschnittlich gute Bahnkunden, die häufig auch ohne Rad unterwegs sind. Dies hat auch die DB AG selbst schon erkannt (vgl. vorletzte Ausgabe von frankfurt aktuell). Wir haben halt nur ein etwas größeres Gepäckstück dabei. Alternativen zur Mitnahme werden regelmäßig aufgeführt: Das Mieten eines Rades vor Ort kann für einen langen Radurlaub keine Alternative zum eigenen Rad sein, Möglichkeiten wie z.B. "Call a Bike" in München erhöhen allerdings die gesundheitsfördernde Mobilität am Fahrziel. Beim Versand des Rades haben viele Leute schlechte Erfahrungen gemacht.

Jeder Mensch, der ein Interesse am Erhalt der derzeitigen Mitnahmemöglichkeiten und eventuell sogar deren Ausbau hat, möge sich selbst schriftlich als Kunde an die Deutsche Bahn AG wenden. Unabhängig davon sollte er/sie aber auch nicht vergessen, über das vorhandene Angebot mit der Fahrkarte abzustimmen, also möglichst das derzeitige Angebot auch zu nutzen. Umsatzzahlen sprechen für sich, das versteht auch Herr Mehdorn.

Inzwischen hat der ADFC eine Postkartenaktion gestartet, um die Deutsche Bahn zum Erhalt der Fahrradmitnahme-Möglichkeiten zu bewegen.

Frankfurt braucht Bewegung

Dies ist das für unsere Region abgeleitete Motto des ADFC-Landesverbandes Bayern, um für das Fahrrad den Durchbruch zu schaffen. Mit neuem Schwung (das Stichwort "Umwelt" zieht leider nicht mehr im gewünschten Maß) und Abzielen auf das Ego eines jeden Menschen, nämlich die Gesundheit, kann die Radförderung ein Teil der Gesundheitspolitik werden.

Die Gesundheit ist unser aller höchstes Gut und wohl jedem graust es davor, im Alter schon früh auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Da kann man vorbeugen. Relativ neu ist die Erkenntnis der Welternährungsorganisation WHO, dass allein normale Bewegung, also Gehen oder Radfahren, genügen (bei 30 Minuten täglich, 5x in der Woche) um einem großen Teil der sogenannten Zivilisationskrankheiten (Stoffwechselstörungen, Herz/Kreislauf/ Zucker/Übergewicht) vorzubeugen. Für einen gesunden Knochenaufbau liegt die Basis bei viel Bewegung in der Kindheit. Nachweislich sind verhaltensbedingte Krankheiten aufgrund falscher Ernährung und Bewegungsmangel Hauptursache für die Kosten im Gesundheitswesen. Die Ausgaben für die Gesundheit betragen bundesweit rund 368 Mrd. DM. Davon können 38%, das sind etwa 140 Mrd. DM durch gesunde Lebensweise eingespart werden. Bei falscher Ernährung lässt sich mit dem Rad wenig ausrichten, dafür aber umso mehr, um den Bewegungsmangel zu bekämpfen.

Mit dem Ziel, die Fahrradförderung einen Teil der Gesundheitsförderung werden zu lassen, wird sich auch der ADFC Frankfurt befassen. Wenn sich dazu genügend Interessierte finden, kann schon bald eine neue Arbeitsgruppe ihre Arbeit aufnehmen. Berührt werden dabei vor allem auch die Bereiche Technik ("Fahrradtechnik und Fahrtechnik") und Verkehrspolitik ("Infrastruktur"). Wer sich auf diesem Gebiet engagieren möchte und über einen Internet-Zugang verfügt, kann sich auf folgenden Seiten schon mal umgehend informieren:

www.hepa.ch  www.europ-on-the-move.nl   www.gbe-bund.de

In der Arbeit des ADFC Frankfurt wird dieses Thema ein breites Spektrum abdecken, welche im Grunde alle bestehenden Arbeitsgruppen berührt. Für eine erste Kontaktaufnahme stehe ich unter (069) 76 29 28 zur Verfügung.

Jürgen Johann

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