Bad Vilbel – geplante Radroute in der Diskussion

Der Radverkehrsplaner Joachim Hochstein und Ute Gräber-Seißinger, beide aktiv im Bad Vilbeler ADFC, trafen sich am 16. Oktober mit Stadtbaurat Dieter Peters und einem seiner Mitarbeiter zum Gespräch. Die beiden Vertreter der Stadt hatten ihre Bereitschaft zugesagt, die zwischen Dortelweil und dem Bad Vilbeler Bahnhofsvorplatz bzw. der Dieselstraße geplante Radroute zu erläutern.

Wie wir in der vorhergehenden Ausgabe (frankfurt aktuell, September/Oktober 2003) berichteten, lassen die Planungen aus Radfahrersicht einiges zu wünschen übrig. Die Quintessenz des Gesprächs: Es ist knapp zufrieden stellend verlaufen. Zwar will die Stadt an der geplanten Radroutenführung zwischen Stadastraße und Büdinger Straße festhalten. Gedacht ist an einen dort, wo bautechnisch möglich, auf 2,50 Meter verbreiterten Zweirichtungsweg für Fußgänger und Radfahrer. Und auch an der Routenführung ab Bahnhofsplatz über die holprige, kopfsteingepflasterte Dieselstraße will sie nicht rühren. Alternativen zur Gestaltung dieser Teilabschnitte wurden vor der Publikation der Planung offenbar nicht geprüft. Und zwar ungeachtet dessen, dass die Radverkehrsführung ab Stadastraße auf beiden Seiten nicht nur für mehr Sicherheit sorgen würde. Darüber hinaus ist eine Führung auf dem schon vorhandenen Weg (stadtauswärts gesehen rechts) sowie auf der anderen Straßenseite über einen aufmarkierten Schutzstreifen vermutlich auch kostengünstiger. Immerhin müssten bei dieser Lösung nicht, so wie bei der geplanten Wegeverbreiterung, Leitplanken versetzt werden.

Auch unser Vorschlag, die Schulstraße für den Radverkehr in Richtung Innenstadt freizugeben, stieß nicht auf offene Ohren. Stadtbaurat Peters hierzu sinngemäß: Die Freigabe von Einbahnstraßen für Radfahrer entgegen der erlaubten Fahrtrichtung würde das Tor für erneute Diskussionen um die Verkehrsführung in der innerstädtischen Frankfurter Straße öffnen, und das sei nicht erwünscht. Im Übrigen fühle er sich als Stadtbaurat nicht zuständig. Dieser Punkt läge in der Kompetenz der - Dezernent Jörg Frank unterstellen - Straßenverkehrsbehörde. Eine solche Haltung zeugt nicht gerade von einer umsichtigen, abteilungsübergreifenden Konzeption von städtischer Straßenbauplanung, die Überlegungen zu einer sinnvollen Verkehrsführung auch für Radfahrer von vornherein integriert.

Zumindest in einem Punkt aber zeigte sich Peters aufgeschlossen. Unserer Bitte, die Radroutenführung auf dem Teilabschnitt zwischen Büdinger Straße und Bahnhofsplatz zu überdenken, versprach er, nachzukommen. Dort ist gegenwärtig ein Zweirichtungsradweg auf der – stadtauswärts betrachtet – linken Seite der Friedberger Straße vorgesehen. Doch Zweirichtungsradwege sind aus verkehrsplanerischer Sicht lediglich eine Notlösung, da sie für Radfahrer überdurchschnittliche Gefahren bergen, zumal dort, wo eine Straße wie im betrachteten Fall von zahlreichen Aus- und Einfahrten gesäumt wird. Das leuchtet ein, wenn man sich vor Augen führt, dass Pkw-Fahrer, die zum Beispiel die Tankstelle oder die Supermarkt-Parkplätze verlassen, um nach rechts auf die Friedberger Straße einzubiegen, sich gewohnheitsmäßig nur durch einen Blick nach links gegen Zusammenstöße mit heranrollenden Fahrzeugen absichern. Radfahrer, die auf dem geplanten Zweirichtungsweg von rechts heranfahren, fallen mithin durch das Aufmerksamkeitsraster in aller Regel durch.

Nun sind wir gespannt, was die Denkprozesse in der Stadtverwaltung ergeben werden. Wir bleiben am Ball.
Dr. Ute Gräber-Seißinger

Kontakt ADFC Bad Vilbel:
Wulfhard Bäumlein
Tel. 06101/12607
Dr. Ute Gräber-Seißinger
Tel. 06101/542256
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12. November 2003 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt