Autofreies Weiltal

Die vom ADFC Usinger Land angebotene 2-tägige Radtour war leider nicht so gut besucht, dafür war es eine sehr schöne und abwechslungsreiche Tour. Es fand sich außer uns leider nur ein Familienvater mit Kind.

1. Tag (31. Juli): Wehrheim - Brandoberndorf (Waldsolms) - Weilburg
Die Anfahrt bis Brandoberndorf erfolgte mit der Taunusbahn. Da wir aber mit einem Liegerad-Tandem fuhren, das sich nicht in den Zug verladen ließ, kam ich in den Genuss einer steigungsreichen Anfahrt von Wehrheim nach Brandoberndorf, während sich meine Frau mit den anderen in der Bahn vergnügte. Das schönste Stück war dabei die Abfahrt ab Bodenrod in das Solmstal bis Brandoberndorf. Hier geht es zunächst auf ruhigen Straßen, später auf einer morgens noch schwach befahrenen Landesstraße nach Waldsolms hinein. Die Anfahrt konnte ich so richtig genießen, konnte reintreten wann und wie ich wollte und brauchte bergab nur bremsen, wenn es wirklich sein musste...

In Brandoberndorf standen dann meine Frau mit Kind und Anhänger sowie die 2. mitfahrende Familie. Nach kurzer Begrüßung überfielen wir zunächst die örtliche Bäckerei, um uns für die Rast zu rüsten. Ab Brandoberndorf führt zunächst ein Radweg nach Kröffelbach. Nachdem wir den kleinen Ort passiert hatten, legten wir schon die erste Pause ein. Es gab eine Kirche in einem Koptenkloster zu besichtigen, einmalig in Westeuropa. Dort war der Gottesdienst gerade vorbei, das Kircheninnere war noch leicht vernebelt und der intensive Geruch von Weihrauch drang in unsere Nasen. Wieder draußen wurden wir in ein halbstündiges Gespräch mit einem Einheimischen über die letzte große Flutkatastrophe in diesem Tal verwickelt...

Zwischen Kröffelbach und Kraftsolms verläuft der Weg auf der anderen Seite der Landesstraße und auch etwas hügliger. Auf dem Gefälle nach Kröffelbach hinunter machte sich mein Handschuh selbständig, den ich bei dem Gequassel in Kröffelbach auf dem Gepäckträger hatte liegen lassen – aber dafür nimmt man ja Tourenteilnehmer mit, die einem nachhecheln und Verlorenes aufsammeln.

Bis Niederquembach geht's leider noch auf der Straße weiter, dann folgt wieder ein Radweg. Vor Neukirchen machten wir Halt, damit sich die Kleinen austoben und alle sich stärken können. Auf einer schattigen Bank verbrauchten wir so einen Großteil unserer Essenvorräte, bis wir uns endlich zur Weiterfahrt aufrafften.

Vor Bonbaden, nachdem man die Landesstraße mal wieder gewechselt hat, fährt man auf einem Seitenweg unter einer Fabrik hindurch, bevor wir uns in Bonbaden – jetzt wieder rechtsseitig – wie immer verfahren haben. Der vorhandene Weg lädt zum geradeaus Weiterfahren ein. Wir vergessen jedes Mal, dass an einer unscheinbaren Stelle abgebogen werden muss, um nicht auf der Landesstraße weiterfahren zu müssen. Kurz danach passieren wir die Kläranlage des Tales, mal wieder was zu gucken für die Kids. Ein Stück war ein neues Stück Weg fertig gestellt, so dass nun eine autofreie Verbindung nach Oberndorf besteht. Dort gab's wieder was zu gucken: Ein Haus, das in die Erde gebaut wurde. Die beiden Bälger nutzten die Pause aber vielmehr, um eine Blumenwiese zu plündern.

Jetzt war es nicht mehr weit bis Solms, dafür hatte die Sonne aber schon gewaltig aufgeheizt, so dass wir unseren Nachwuchs nur mit dem Versprechen eines baldigen Eises weiter motivieren konnten. Mitten in Solms war es dann soweit: Unter einem ausladenden, Schatten spendenden Baum pausierten wir. Alle gönnten sich ein Eis in der nahe gelegenen Eisdiele, während wir uns mit einem sehr netten Rad fahrenden Alkoholiker über Gott und die Welt ausließen.

Auch diese Pause ging vorüber und wir suchten den nahe gelegenen Lahntal-Radweg Richtung Weilburg auf. Wir waren sehr angenehm überrascht, denn der Weg war mit nagelneuen Schildern versehen und jetzt super ausgeschildert. Kurz vor Weilburg jedoch wird die Ausschilderung unmittelbar entlang der Lahn auf einem schmalen, asphaltierten Weg geführt, der vor dem Wassertunnel auf eine steile Treppe mündet. Hier hieß es Gepäck abnehmen, Anhänger abkoppeln und alles einzeln herauf tragen. Die Kinder konnten die Zeit gut nutzen und den Kanuten beim Einfahren in den Tunnel zusehen. Hier besteht bei der Ausschilderung noch Nachholbedarf, auf eine Treppe und eine Alternativstrecke sollte man hinweisen. In Rheinland-Pfalz ist man da schon weiter...

Anschließend strampelten wir illegal entgegen einer Einbahnstraße auf den Weilburger Marktplatz, besetzten einen Autoparkplatz mit unseren Gefährten und bestellten was kühles Blondes bzw. Bratwurst-Pommes-Cola. Ein anschließender Bummel durch den Weilburger Schlossgarten darf ebenfalls nicht fehlen.

Bis zur Jugendherberge in Weilburg-Odersbach war dann noch ein größerer Anstieg zu bewältigen. Der JH-Vater kannte uns schon vom letzten Besuch 2002 – damals hatte ein Zivi uns am Telefon leichtfertig die Übernachtung zugesagt und der JH-Vater musste aus einer größeren Feier zurückkommen – das hat er nicht vergessen. Trotzdem wurden wir herzlich begrüßt, abends gab es noch eine Pizza und die Kids fielen in die Heia, aber nicht ohne noch mal kräftig herumgetobt zu haben. Wir schlossen den Tag mit ein paar Bierchen und einem Tischfußballturnier in der JH.

2. Tag (1. August): Weilburg - autofreies Weiltal - Altweilnau - Neu-Anspach - Wehrheim
Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück rasten wir erstmal zur Lahn herunter, überquerten die Fußgängerbrücke und fuhren wieder Richtung Weilburg. Die autofreie Veranstaltung hatte schon begonnen und war vom Lahnradweg aus leicht zu finden.

Noch fanden wir eine angenehme Kühle vor, die ersten Skater mit dröhnenden CD-Playern rasten vorbei. Wir hielten an dem alten Bahntunnel, der Weilburg mit dem Weiltal direkt verband und boten dem Nachwuchs ein weiteres Abenteuer: Wir durchquerten den alten, ca. 1 km langen Tunnel zu Fuß.

Wieder zurück, wartete gleich zu Beginn des Weiltals der Besuch der Ruine Freienfels auf uns. Ein erklecklicher Anstieg in der Morgensonne verbrauchte die angegessenen Reserven des Frühstücks. Oben konnten die Bälger in der Burg herumtollen und auf den Turm klettern. Von der Aussicht hielten sie zwar nicht viel, aber alle Erwachsenen schon. Man hatte einen wunderschönen Blick auf das Weiltal und konnte die Radler, Skater und sonstigen Bewegungshungrigen als winzige Punkte auf der Weilstraße entlang ziehen sehen.

Wie nicht anders zu erwarten war die Abfahrt klasse. Nun rauschten wir erstmal durchs Weiltal, ein paar leichte Steigungen bremsten gelegentlich, aber häufig konnten wir mal so richtig lostreten. Noch war nicht so viel los, gegen Mittag sollte sich das ändern. Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen, auf denen wir schon waren, wurde doch relativ diszipliniert gefahren. Immer wieder fielen wir mit unserem Tandem und dem Anhänger auf, die Beiträge reichten vom Klatschen über die üblichen Anfeuerungsrufe bis zum wilden Gejohle.

In Weilmünster, dem größten Ort im Weiltal, machten wir Mittagsrast. Hier war ziemlich viel los, für die Kinder gab es eine Hüpfburg und eine Clown-Vorstellung. Auch hier stärkten wir uns, trafen Bekannte und plauderten ein wenig. Nachdem wir uns wieder aufgerafft hatten, kam uns die beradelte Polizei entgegen, die aber kurzerhand umkehrte und sich unser Fahrzeug mal im Fahren genauer ansah. Ganz schön fesch, die Grünen mit ihren kurzen und engen Hosen...

Zwischendurch gönnten wir uns und vor allem den Kiddies eine Eispause in der nun sengenden Hitze. Wenige Meter nach der Eispause hielten wir in Emmershausen wieder an, um beim Fahrradhändler Löhr einige Getränke einzufahren und die Ausrüstung zu ergänzen. Auch eine kurze Unterhaltung mit dem Fahrradbeauftragten von Weilrod war drin, der allerdings wenig Zeit hatte, weil er den Fahrrad-Pannendienst für diesen Abschnitt des Weiltals leistete.

Nach einigen weiteren Kilometern, die angenehm oft im Schatten verliefen, gelangten wir an das Ende des Autofreien Weiltals. Hier entschlossen wir uns zu dem direkten, aber knackigen Anstieg in der Hitze nach Altweilnau und weiter Richtung Merzhausen. Nun ging es durch den Wald bergab nach Neu-Anspach, wo uns unser Tourenteilnehmer zu sich nach Hause einlud, was unsere Tochter begeistert annahm und damit beide Kinder vollauf beschäftigt waren. Nach einer Ruhepause rafften wir uns zum letzten Stück nach Wehrheim auf. Noch mal waren Steigungen zu überwinden, aber zwischendurch und am Schluss versüßte uns eine Abfahrt die Restkilometer.

Fazit
Eine gelungene Tour, vielleicht manchmal etwas zu heiß, aber insgesamt eine gut zu fahrende Strecke und – sehr wichtig – fast keine Langeweile für die Anhänger fahrenden Kinder. Schön war's.

Stefan Pohl

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21. September 2004 ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt