Eine verhängnisvolle Affäre

Wer sich darauf einlässt im Internet auf Einkaufsbummel zu gehen, kann manches Erleben. Von meinem Erlebnis möchte ich kurz berichten. Die folgende kleine Geschichte hat sich im Jahre des Herrn 2005 abgespielt. Drehorte waren Melbourne/Australien und Heddernheim/Frankfurt.

Es begann alles damit, dass ich mich hemmungslos verliebt habe – natürlich in ein Fahrrad. Aber nicht in irgendein Fahrrad, sondern in eines der britischen Edelschmiede von Alex Moulton. Neu sind die ab etwa 5.000 Euro zu haben. Also habe ich den Gebrauchtmarkt via Ebay studiert. Im Februar bekam ich endlich den Zuschlag für ein Moulton Modell AM 16. Ich bin vorher mehrfach bei Auktionen unterlegen. Während hier noch leise der Schnee rieselte stand mein Traumrad aber noch in Melbourne/Australien. Laut Verkäufer sollte das Rad in „perfektem“ Zustand und sehr gepflegt sein. Zusätzlich wurde eine Menge Zubehör aufgelistet. Von einer früheren Auktion her wusste ich, dass man für den Transport via den Auslandsspeditionen TNT, Fed Ex oder UPS mit mindestens 300 Euro Frachtkosten rechnen musste. Das schien mir das Angebot Wert. Leider habe ich nicht alles bedacht. So habe ich den Zoll- bzw. Einfuhrbestimmungen zuwenig Aufmerksamkeit gewidmet. Warum auch? Für ein gebrauchtes Fahrrad? Kann nicht die Welt sein. Dachte ich. Aber ich wurde eines besseren belehrt.

Nachdem der Zoll mein Moulton am Frachtterminal des Frankfurter Flughafens zum Zwecke einer Sonder-Einzelbewertung für ein paar Tage beschlagnahmt hatte bekam ich die Rechnung präsentiert. Satte 15 Prozent Einfuhrzoll auf den Warenwert muss man zahlen. Der Warenwert setzt sich aus dem Kaufpreis und (gemein, gemein!) den Transportkosten zusammen. Also wurden nochmals mehrere hunderter fällig. Langsam wurde mir mulmig. Als dann das teuer erworbene Rad endlich nach zwei Wochen Reise in unserem Wohnzimmer stand, folgte der vorläufig letzte Akt dieser Geschichte. Das Rad in perfektem Zustand entpuppte sich gelinde gesagt als Schrotthaufen. Es war nicht fahrbereit. Es war nicht das angegebene AM 16 sondern ein aufgemotztes Modell unbekannten Alters. Es hat einen hässlichen verschwiegenen Rahmenschaden. Ich beende hier aus Platzgründen die Aufzählung der Misslichkeiten. Aber was tun, wenn der Verkäufer in Australien sitzt? Für einen Anwalt lohnt sich die Sache nicht. Die Rückabwicklung des Ebay-Geschäfts wäre finanziell noch übler geworden. Also verhandeln und Zähne zusammenbeißen. Am Ende musste ich noch mal 600 Euro in Reparaturen investieren. Vom Verkäufer bekam ich „großzügig“ 350 Euro zurückerstattet. Immerhin fährt mein Rad jetzt supergut. Ich hatte noch nie in meinem Fahrradleben mehr Fahrspaß als mit diesem Moulton Fahrrad. Der Preis dafür war leider zu hoch.

Was lernen wir daraus? Obacht bei Käufen übers Internet. Und nie die Zusatzkosten Transport und Zoll/Steuer unterschätzen. Es war eben eine verhängnisvolle Affäre.

Uwe Hofacker

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