Leserbrief zu Frankfurt aktuell März/April 2007
Meines Erachtens war der beste Beitrag in der o.a. Ausgabe der Leserbrief von Eva Kröcher. Dem stimme ich fast vollkommen zu, mit der Einschränkung, dass es punktuell in den letzten Jahren schon ein paar Verbesserungen gegeben hat – allerdings bei weitem nicht so viele wie man glauben könnte, liest man so manche Beiträge in frankfurt aktuell.

So weit, so schlecht, mit „Zum Beispiel Europaallee“ gibt es in dieser Ausgabe auch einen kritischen Beitrag. Leider wird mir nicht vollkommen klar, worin die Forderungen des ADFC, denen bei diesem Bau nicht entsprochen wurde, eigentlich bestanden. Allerdings fürchte ich (bezogen auf den Kontext), dass es  sich dabei lediglich um die Oberflächengestaltung der berüchtigten Bordsteinradwege gehandelt haben dürfte – und dass sich die Forderungen auch im Allgemeinen darauf beschränken werden.

Ich würde meinen, dass die Mitwirkung an derart vorsintflutlichen Vorhaben eines Fahrradvereins unwürdig sein sollte. Im Vordergrund für ihn sollten die Forderungen nach Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht sowie (wenn schon Radverkehrsanlagen) äußerstenfalls nach Radstreifen stehen. Die Radwegebenutzungspflicht wäre auch auf kommunaler Ebene abschaffbar, indem keine Verkehrsflächen als Radwege ausgewiesen werden. Übrigens gibt es derzeit im Internet unter http://itc.napier. ac.uk/e-petition/bundestag/view _petition.asp?PetitionID=395 eine Petition zur Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht.

Ein Beispiel, wie man dann auch für Radfahrer, die sich auf der Fahrbahn unsicher fühlen, etwas tun konnte, ist in dieser Ausgabe auf dem kleinen Bild auf Seite 10 oben links zu sehen (Fußweg, Radfahrer frei). Wieso der Autor dies dort allerdings als „gemeinsamen Fuß- und Radweg“ bezeichnet, bleibt mir schleierhaft.

Ebenso schleierhaft bleibt mir, wieso der ADFC gerade in der aktuellen Debatte über die sich anbahnende Klimakatastrophe meint, seinen Leser/innen Flugreisen nahebringen zu müssen. Auch wenn sich im Editorial halbherzig dafür entschuldigt wird, so als ginge es eben nicht anders, kann ich dazu nur sagen, dass es erstens auch anders geht (über Fähren und Bahn – Kanaltunnel) und wenn jemand meint, dies sei zu mühsam, dann sollte man eben verzichten. Pfui, welch schreckliches Wort und welch eine Zumutung höre ich da schon, aber wenn wir es so weitertreiben wie bisher, vor allem in Beziehung auf die klimaschädlichste Fortbewegungsart, das Fliegen, werden wir und unsere Nachkommen noch auf viel mehr verzichten müssen.

Und weil ich gerade bei der Umwelt bin, so möchte ich doch auch noch erneut ein paar Worte über die Betonköpfe, bzw. die Asphaltfraktion verlieren. In der Antwort auf den Leserbrief von Veronika Platz wird doch glatt ungehemmt die Asphaltierung auch in Grünanlagen empfohlen! Da bleibt mir glatt die Spucke weg und ich muss mich  zurückhalten, nicht ein paar unfreundliche Worte zu gebrauchen. Als ob das Problem der zunehmenden Bodenversiegelung (derzeit 114 Hektar pro Tag) nicht schon genügend bekannt wäre. Das ist schon schlimm genug, aber jetzt fordert der Radverkehrsbeauftragte des ADFC Frankfurt das auch noch für Wege in „Grünbereichen“! Das kann man nicht mehr nur unter Scheuklappendenken zugunsten des Fahrradverkehrs abtun. Das ist schlimmer.

Im Übrigen stehen an der fraglichen Stelle am Nordende des Günthersburgparks durchaus Alternativen zur Verfügung. Erst einmal müssen Radfahrer schon einmal überhaupt nicht durch diese Umlaufsperren fahren, da man dort sehr gut auf der parallelen sehr ruhigen Nebenstraße fahren kann. An deren Ende kann man viel besser in Richtung Friedberger Landstraße abbiegen. Da muss man nicht durch den Wasserpark schieben oder so.

Hans-Peter Heinrich

Die FR-Leserin Eva Kröcher kritisiert die „Fehlplanung“ bei den Radwegen (FR vom 8. März).
Eva Kröchers Leserbrief im letzten frankfurt aktuell erschien wortgleich auch in der Frankfurter Rundschau. Leserbriefe werden, das weiß jede/r erfahrene MedienbeobachterIn, aufmerksam von vielen Menschen gelesen, d.h. auch, sie sind öffentlichkeitswirksam, da Stimmung beeinflussend und meinungsbildend. Tom Orlowski hat sehr schnell und wie er sagt, spontan reagiert und wenige Tage später (13.03.07) erschien seine Erwiderung.

Der Kreisvorstand ist der Meinung, dass Tom Orlowskis Antwort – gut formuliert – im Wesentlichen unsere Meinung wiedergibt. Deshalb veröffentlichen wir sie auch für alle LeserInnen von frankfurt aktuell – selbstverständlich mit Toms Einverständnis. Vielen Dank Tom!

Für den Kreisvorstand, i.A. Anne Wehr

Kampagne
Im Leserbrief der Eva Kröcher zu lesen, dass die bisherige Frankfurter Radverkehrspolitik eine Katastrophe sei, hat mir den Atem verschlagen.

Der polemische Schreibstil und der Umstand, dass der Leserbrief wortgleich am selben Tag in wenigstens noch einer weiteren Zeitung erschienen ist, lässt auf eine Kampagne schließen. Eine Kampagne mit dem Ziel, den Ruf Fritz Biels zu ramponieren. Biel ist der langjährige verkehrspolitische Sprecher des ADFC in Frankfurt und leistet hervorragende Arbeit.

Frau Kröcher beklagt den neuen Radweg am Museumsufer als Resultat einer Fehlplanung, da er mit zwei Metern zu schmal für Zwei-Wege-Verkehr und (wohl deshalb?) rechtswidrig sei. Weil Polemik oft an der Wahrheit vorbei geht, sei erwähnt, dass der als zu schmal für Zweiwegeverkehr kritisierte Radweg in Wirklichkeit 2,25 Meter breit ist und sehr komfortabel in beiden Richtungen zu befahren ist – jedenfalls für alle, die Rad fahren können.

Es ist fabelhaft, was in den letzten Jahren alles für die Radfahrer in Gang gekommen ist, und zur Zeit wird das Tempo noch erhöht! Allerdings denken die Stadt und der ADFC mit Fritz Biel bei Planung und Ausführung ihrer Maßnahmen zum Wohle der Radfahrer an den normalen Alltagsradler, nicht an Rambo- und Rennfahrer.

Tom Orlowski, Frankfurt

Fahren auf dem Radweg in Gegenrichtung
Fahren auf dem „falschen Radweg“ ist verkehrswidrig. Man muss jedoch davon ausgehen, dass es nie über größere Strecken und nur zur Vermeidung unsinniger Umwege gemacht wird.

Ich weiche solchen Falschfahrern aus, wie auch auf der Autobahn vorgeschrieben, nämlich nach rechts, wenn möglich auch durch Ausweichen auf den Fußweg (vergleichbar der Standspur), wenn dort gerade frei ist.

Durch das absichtliche „fast rammen“ des Entgegenkommenden (um ihn zu belehren?) wird eine Gefährdungssituation herbeigeführt, die in krassem Gegensatz zum sanften Umgang der Fahrradfahrer mit der Natur steht. 

Ein bisschen Toleranz und lockere Geisteshaltung einem Mit-Fahrradfahrer gegenüber sollte meines Erachtens möglich sein.

Richard Göttlich

Radfahrer gegen die Einbahnstraße
Guten Tag, verehrte Damen und Herren des ADFC.

Zeitweilig bin ich auch mit dem Fahrrad unterwegs, aber wenn ich als Autofahrer in der Einbahnstraße fahre und es kommt mir ein Radfahrer entgegen, bin ich verunsichert, denn erstens gab es kein Erlaubnisschild für den Fahrradgegenstrom und dann hat doch die Stadt immer noch Straßen „in der Erprobung“ für evtl. Radfahren gegen die Hauptrichtung. Woran erkenne ich diese Erprobungsphase? Die Radfahrer wissen darüber offensichtlich Bescheid, nur der Autofahrer nicht. Wenn ich dann diese Damen und Herren Radler daraufhin anspreche, ob denn ihr Verhalten rechtens ist, rastet diese Klientel vollends aus. Die verbalen Äußerungen kann ich hier nicht wiedergeben, zumindest wird gespuckt oder auch gegen das Auto getreten und wie im Herbst erlebt, mit dem Hockeyschläger gegen das Auto geschlagen. Wobei man dann eine Fahrradkennung wünscht, um sich zu rechtfertigen. Weshalb erhalten diese Verkehrsteilnehmer von der Stadt, unterstützt vom ADFC, diese Zugeständnisse, die sie doch schon seit  Jahren unrechtmässig einfach in die Tat umsetzen? Ich wohne hier in Eschersheim und in der Friedlebenstraße radelt man und frau seit Jahren gegen die Einbahnstraße. Die nun angebrachten Erlaubnisschilder hätte man sich sparen können. Obwohl gegenwärtig diese Schilder noch mir rotem Klebestreifen als „nicht gültig“ zu erkennen sind, wird kräftig gegengeradelt, wie früher. Das gilt für die Grafenstraße, Dehnhardtstraße Körberstraße etc. Auch in der Uni-gegend, um die Leipzigerstraße herum wird akademisch seit Jahren gegengeradelt, Adalbertstraße etc. Ich verstehe nicht, dass dieser Klientel so viel Entgegenkommen eingeräumt  wird. Wenn dann auch noch solche Vorfälle bekannt werden, wie sich kürzlich ein solcher Abgehobener in der S-Bahn benommen hat, kann man doch nicht von einem Miteinander sprechen, (F.R. 14.3.07). Ich befürchte, daß sich mit diesem Artenschutzgesetz weder die Stadt Frankfurt noch der ADFC dem Radlerfreiraum einen Gefallen tut. Wenn die Pedalisten nicht kooperativer werden, werden wir noch viel Streit auf unseren Straßen haben, Sie haben diese Entwicklung ohne Einschränkung unterstützt. 

Na denn, Eberhard Deparade

Antwort von Jürgen Johann, Vorstand und stv. Tourenreferent des ADFC Frankfurt
Sehr geehrter Herr Deparade,
Ihre Nachricht wurde mir zugeleitet. Auch wenn gegen Ende Ihrer Nachricht einiges an Polemik nicht zu überlesen ist, nehme ich mir die Zeit, Ihnen eine ausführliche Stellungnahme zu geben.

Sie haben Recht, dass rüpelhaftes Verhalten von Verkehrsteilnehmern durch nichts zu entschuldigen ist. Ich möchte hier nichts beschönigen, es ist allerdings unfair, diese Anklage allein auf Radler/ innen anzuwenden. Derartiges Verhalten liegt im Menschen begründet und ist genauso auch bei Kraftfahrern, Fußgängern und Fahrgästen des ÖPNV zu finden. Rechthaberei und ‚schulmeisterhafte Erziehungsmethoden’ finden in unserem Lande leider ein Ausmaß, wie ich es in anderen Ländern, z.B. in Frankreich zum Glück nicht finde. Dieses ‚Belehren’ ist indessen für viele Zeitgenossen der Tropfen, der das berühmte Fass zum Überlaufen bringt. Ich konnte das selbst auch schon als Opfer erleben, z.B. in der Regionalbahn, als der für Fahrräder gekennzeichnete Platz (in der freigegebenen Zeit) belegt war, obwohl es genügend andere Sitzplätze gab oder bei gelegentlichem „Angehuptwerden“, wenn ich als Radler einen gefährlichen (und daher zum Glück nicht mehr) benutzungspflichtigen Radweg im Interesse meiner eigenen Sicherheit und im Interesse eines zügigen Vorwärtskommens nicht benutze. Nehmen Sie sich die Zeit, unter http://www.fahrradzukunft. de/fz-0602/0602-03.htm ähnliche Erfahrungsberichte zu lesen und sie werden sehen, dass Radler (auch bei regelkonformem Fahren) regelmäßig Opfer von rüpelhaftem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer werden.

Doch zurück zu den Einbahnstraßen:

Sie beklagen sich nun, dass durch die Freigabe von Einbahnstraßen eine ohnehin praktizierte Regelung nur legalisiert wird und diese Freigabe daher unnütz ist. Das Gegenteil ist der Fall, wenn Sie die Angelegenheit von der rechtlichen Seite her betrachten.

Doch vorab stellt sich die Frage, warum gibt es Einbahnstraßen und warum werden sie von vielen Radler/innen entgegen der vorgesehenen Richtung benutzt? Einbahnstraßen wurden eingeführt, um vor allem Wohnbereiche von durchfahrendem (Kraft-) verkehr zu befreien. Dadurch werden hier Abgas- und Lärmemissionen vermieden und die Wohnqualität gesteigert. Für den emissionsfreien Radverkehr sind diese Maßnahmen nicht nachvollziehbar und bedeuten bei legaler Fahrweise oft große Umwege. Radler suchen sich eine möglichst direkte Route und befahren dadurch oft Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung.

Zu Ihren Fragen:

Die Einbahnregelung gilt gemäß StVO auch für den Radverkehr, wenn diese nicht ausdrücklich anders ausgeschildert ist. Hier ist unter dem Schild Einbahnstraße ein Fahrradsymbol mit beiden Richtungen dargestellt. Das Schild „Verbot der Einfahrt“ wird durch ein „Radfahrer frei“ gekennzeichnet, auch Richtungsgebotsschilder tragen oft diesen Zusatz. Ich kann jetzt hier nicht alle Stadtteile und Straßen aufführen, in denen das Radeln entgegen der Einbahnstraße offiziell erlaubt ist, dies ist aber der Fall z.B. auf der Leipziger Straße und auf vielen Straßen in Bockenheim, Heddernheim, Bornheim und Eschersheim/Ginnheim. Betrachten Sie dazu die Beschilderung...

Lange war es nicht möglich, diese Übung auch regelkonform in der StVO umzusetzen. In Versuchsgebieten (u.a. in Frankfurt in Heddernheim und Bornheim) wurden sehr positive Ergebnisse erzielt. In den übrigen Gebieten wurde und wird es, wie Sie richtig erkannt haben, unabhängig von der Vorschrift und so gesehen illegal geübt. Oft wird dabei auch regelwidrig das Trottoir benutzt.

Seit einigen Jahren lässt die StVO die Freigabe für den Radverkehr in Gegenrichtung zu. Nun endlich werden nach und nach in allen Tempo-30-Zonen die meisten Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben. Sie werden sehen, dass es lediglich diese Straßen sein werden. Bei Hauptstraßen, in denen das Einrichtungsgebot aus anderen Gründen existiert, sind meist bauliche Maßnahmen erforderlich. Die montierten Schilder stehen vorrübergehend auf 'ungültig' (also durchgekreuzt), da immer ganze Bezirke auf einen Schlag freigegeben werden. Das wird so gehandhabt, weil eine so kurzfristige Montage nicht möglich ist.

Die Freigabe in Gegenrichtung schafft für den Radler Rechtssicherheit, fördert die Fahrradnutzung, dient der Volksgesundheit (Stichwort Bewegungsmangel) und nutzt durch Lärm- und Emissionsvermeidung allen Bürgerinnen und Bürgern. Jeder Radler nimmt Ihnen als Autofahrer einen Parkplatz weniger weg!

Daher appelliere ich an Sie, dies einmal aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Steigen Sie aufs Rad, vergleichen Sie die Wegelängen, die sich aus der Freigabe der Einbahnstraßen ergeben. Ganz nebenbei tun Sie damit auch noch was für Ihre Gesundheit, Ihren Geldbeutel und unser aller Klima.

Wenn Sie Frankfurt kennenlernen wollen aus bisher unbekannten Perspektiven, schauen Sie auf unserer Internetseite www.adfc-frankfurt.de nach. Interessante Feierabendtouren finden Sie unter http://www.adfc-frankfurt.de/touren/tp/flexitouren/.

In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Jürgen Johann

Vorstand + stv. Tourenreferent

ADFC Frankfurt am Main e.V. 

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25.05.2007 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt