Radeln an der Loire
Ein Reisebericht

Warum wir unseren Urlaub in Frankreich verbracht haben, radelnd die Loire entlang? Das ist nicht schwer zu verstehen. Schließlich haben wir zwei Jahre in Frankreich gelebt, im Südwesten. Und dort haben wir schnell die französische Küche, Kultur und Lebensart kennen und lieben gelernt, und auch der Empfang durch unsere französischen Nachbarn war freundlich und offen. 

Doch es gibt auch objektivierbare Gründe dafür, eine Reise mit dem Fahrrad an die Loire zu unternehmen. Man muss das Land ja nicht lieben, man kann es auch noch lernen! Anlässe dazu gibt es genug – neben der Küche der Wein, die Chansons von Trenet, Piaf, Brel oder Bécaud, die Landschaften mit Meer, ausgedehnten Wäldern, Hügeln oder Viertausender-Bergspitzen, die kleinen Orte mit Kirchen, Klöstern, Marktplätzen und engen Gässchen, der Glamour von Paris oder eben das Tal der Loire, im Jahr 2000 von der UNESCO in den Status eines Weltkulturerbes erhoben.

Schade nur, dass es so schwierig ist, bei einem schmalen Zeitbudget von zwölf Tagen die Landschaften an der Loire ausgiebig zu genießen, ohne auf die Anfahrt mit dem Auto zu verzichten. Mit der Bahn geht da auf der Strecke Frankfurt am Main-Orléans unter zwölf Stunden Fahrt inklusive mindestens fünfmal Umsteigen gar nichts. Die nächtliche Verbindung erlaubt eine Fahrt mit nur zweimaligem Umstieg, nimmt aber ebenfalls zwölf Stunden in Anspruch.

Einfacher schon ist die Planung der Radroute als solcher. Weltkulturerbe, ja, eine solche Auszeichnung hat einen nützlichen Sogeffekt, bietet Anreize für die Vermarktung der Tourismusregion, die auch zugunsten der Zielgruppe der Radfahrer ihre Wirkung entfalten. Wege in Frankreich, die sich zum Radeln hervorragend eignen, darunter auch all die kleinen Departementstraßen mit wenig Kfz-Verkehr, gibt es ja nun schon lange, doch erst die Wegweisung unter einem einheitlichen Namen und der Nachweis der Radstrecken in Radkarten machen die Planung eines Radurlaubs an der Loire zum Kinderspiel. Les Chateaux à Vélo heißt zum Beispiel ein Ensemble von elf Rundwegen, die einige der schönsten Schlösser aus der Zeit der französischen Könige wie Chambord, Blois oder Chaumont streifen. Weiter gespannt und geeignet für eine Reise von Ost nach West und zurück ist die Strecke La Loire à Vélo. Sie ist über 800 km lang und reicht von Cuffy im Osten bis zum Ufer des Atlantiks im Westen. Einschränkend muss allerdings gesagt werden, dass nur ein Teil dieser Distanz schon eingerichtet und beschildert, mithin „mundgerecht“ erschlossen ist. Und dabei ist sie nur Puzzlestück eines noch ehrgeizigeren Projekts, nämlich der 2400 km langen EuroVelo-Route der Flüsse, die künftig einmal Nantes an der französischen Atlantikküste nahtlos mit Budapest und dem Schwarzen Meer verbinden soll.

Die erschlossene Strecke „La Loire à Vélo“ ist wunderbar übersichtlich in einer kleinen, querformatigen, farbigen Broschüre nachgewiesen, die sich aus dem Internet herunterladen lässt und in mehreren Sprachen zur Verfügung steht. Wir haben zehn Tage Radfahren geplant. Am Startpunkt in der Sologne, im rund 20 km südlich von Beaugency gelegenen Städtchen La Ferté-Saint-Cyr beziehen wir unser erstes – übrigens sehr empfehlenswertes –  Quartier und fahren uns zunächst einen Tag lang warm. In weiser Voraussicht haben wir anschließend fünf Tage nach Westen und vier zurück vorgesehen – es ist ja bekannt, doch immer wieder von neuem erstaunlich, wie ungleich zügiger es sich radeln lässt, wenn der Wind von hinten, aus Richtung West, bläst.

Das Buchen aller Quartiere – auch hier erwies sich übrigens die oben erwähnte Broschüre als eine ausgezeichnete Hilfe – haben wir frühzeitig erledigt, denn wenn man in den Sommerferien nach Frankreich reist, heißt es, die einheitliche Hauptreisezeit der Franzosen zu beachten, die innerhalb der ebenso einheitlichen, knapp neunwöchigen französischen Schulferien in der Zeit zwischen Mitte Juli und Mitte August liegt. In der Regel fährt man am besten, wenn man Privatzimmer bucht (chambre d’hôtes), wo man oft nach Wunsch auch noch mit einem köstlichen Menü bewirtet wird – so gut wie immer am Tisch des Gastgebers (table d’hôtes), das Menü zuweilen sogar hergestellt aus Zutaten, die frisch dem eigenen Garten und Hühnerhof entnommen wurden. Preisvorteile im Vergleich mit Hotels der mittleren Kategorie bieten sich hier zwar kaum, aber das Ambiente und die Qualität des Empfangs und der Bewirtung sind allemal vorzuziehen, denn hier ist nichts „von der Stange“.

Im Nachhinein haben wir es bedauert, dass wir unsere Reise nicht noch um zwei Tage verlängern konnten – dann wären wir bis zur Küste gekommen. Also: Wer wie wir mit Anhänger unterwegs ist und von Beaugency oder Orléans nach Nantes und zurück radeln will, sollte besser elf bis zwölf Tage einplanen.

Planungshilfen im Internet:

www.hotel-st-cyr.com

www.loire-a-velo.fr

www.enpaysdelaloire.com

www.loiretalatlantik.com

Text und Fotos: Ute Gräber-Seißinger 

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