Sommer – Winter

Sommer. Mitten im Sommer: Nach dem abendlichen Besuch eines Biergartens in Bad Soden Rückfahrt in lauer Nacht nach Bornheim. Beseelt vom leichten Dahingleiten durch die Landschaft des Vordertaunus, vielleicht auch beseelt vom genossenen Bier, nähere ich mich der leuchtenden Stadt. Der mitternächtlich-schwache Verkehr erlaubt zügiges Vorwärtskommen durch die westlichen Viertel. Rödelheim, Bockenheim, Westend, Nordend ... lange nicht auf diesem Weg unterwegs gewesen.

Und irgendwann, irgendwo im Westend oder Nordend, fallen sie mir dann auf, die weißen Zeichen auf dem Asphalt. Fahrradpiktogramme, Haltelinien, Richtungspfeile – eine ganz eigene Wegweisung für den Radverkehr. In Straßeneinfahrten, gegen Einbahnstraßen, auf Hauptverkehrsachsen. Eine Wegweisung, die im täglichen Verkehrschaos hilfreich ist, die aber kaum noch als etwas Besonderes wahrgenommen wird. Und plötzlich ist der Gedanke da: Wäre man in Zürich oder in Genf, Berlin oder Bologna, wäre man einfach als Tourist in einer fremden Stadt unterwegs, bliebe der Eindruck haften „oh, hier wird offensichtlich viel für den Radverkehr getan“. Leicht gedacht, nach Mitternacht, beseelt von der sommerlichen Luft und dem Vordertaunusbier.

Winter. Kurz vor 9 Uhr auf der Fahrradroute Fichardstraße. Es ist kalt, es ist trüb, es wird Winter. November. Wie hieß es noch vor Kurzem? „Die Fahrradsaison neigt sich dem Ende zu.“ Vorbei, Ihr Lieben, vorbei die schöne Zeit. Ein Pulk von Radlern trotzt dem Saisonende, rudelweise geht es in Richtung Westend, erstaunlich viele Leute sind auch jetzt noch per Rad unterwegs.
Einige Tage später. Ein kalter Westwind fährt schneidend ins Gesicht. Zwei Grad höchstens, gefühlt deutlich kälter. Radfahrer für Radfahrer schiebt sich am Mainuferweg entlang, am Morgen, vor Neun, gegen die Kälte, gegen den Wind. Saisonende? 

Peter Sauer

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9 Februar, 2010 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt