Editorial

Kurz vor dem 1. Mai fällt mir die Frankfurter Rundschau aus dem Briefkasten entgegen. Auf der Titelseite des Lokalteils ein großformatiges Foto einer Fahrradabstellanlage, darunter der Hinweis auf eine „Bike&Business“-Sonderbeilage. In dieser Beilage wird auf 12(!) Zeitungsseiten ausführlich über die Themen Fahrrad und Radverkehr geschrieben. Eine weitere Sonderbeilage widmet sich dem Bereich „Bike&Race“ (offiziell: „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“) – das Velo scheint, in jeder Hinsicht, in professionellem Umfeld angekommen zu sein.

Aber es ist nicht nur die FR, die sich beim Thema Fahrrad hervortut. Auch die Frankfurter Neue Presse berichtet fleißig und häufig über die Lage des Radverkehrs im Allgemeinen und in Frankfurt im Besonderen (wenn auch, in der Online-Ausgabe, unter der Rubrik „Auto und Verkehr“). Hier will man „... die neue Lust aufs Rad in allen Facetten beleuchten“. Und titelt „Der Drahtesel ist ein echter Renner“ oder „Das ist der Radverkehr der Zukunft“.

Wem das Lesen zu anstrengend ist, dem stellt der TV-Sender RTL in „Guten Abend Hessen“ unter dem Titel „Auf der Jagd nach Falschparkern“ Fahrradpolizisten vor: „Die zwei jagen in der Frankfurter Innenstadt alles, was sich nicht richtig benimmt und vor allem den Radfahrern in den Weg stellt“. Wouw!

Genug der Zitate und Gänsefüßchen. Doch einmal noch sei eine Hervorhebung erlaubt, quasi als Extrakt des bisher Geschriebenen: „Wir sind Thema“. Wir sind nicht Papst, wir sind (noch) nicht Weltmeister, aber Thema – Thema sind wir ganz offensichtlich schon.

Ist es nicht Balsam auf die Seele des geplagten Velofahrers, wenn sich die Medien seiner Probleme annehmen wie nie zuvor? Wenn man nun abends schimpfend und fluchend nach Hause kommt, lamentierend über die Unvernunft und Rücksichtslosigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer, über den Straßenzustand, die Dunkelpiloten, die Slalomkünstler und das Wetter, dann beruhigt der Blick in die Medien ungemein. Es geht voran. Alles wird besser. Denn so viel Presse hatten wir noch nie.

Arbeiten wir daran, dass wir Thema bleiben. Im positiven Sinn.

Peter für das Redaktionsteam

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2 Dezember, 2010 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt