Wie ich zum GPS-Anhänger wurde
Erfahrungsbericht eines Hobbyradlers

Eigentlich war ich immer ein großer Freund gedruckter Karten – möglichst in kleinem Maßstab, um jeden noch so kleinen Feld- oder Waldweg in meine Routenplanung einbeziehen zu können. Von GPS-Navigation für Radfahrer hatte ich zwar gehört, konnte mir aber nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte. Insbesondere hinsichtlich des Kartenmaterials war ich skeptisch und befürchtete, mich von teuren Karten-Updates abhängig zu machen.

Dass ich mir inzwischen eine Radtour ohne GPS gar nicht mehr vorstellen kann, verdanke ich eher einem Zufall. Als ich im letzten Jahr anfing, aus gesundheitlichen Gründen (und zum Spaß) mehr Sport zu treiben, wollte ich mir zur Trainingskontrolle eine Pulsuhr anschaffen. Bei der Entscheidung zwischen einem Modell von Polar oder von Garmin fiel meine Wahl auf den „Garmin Forerunner 305“, da mir die eingebaute GPS-Funktionalität nützlich erschien, beispielsweise um beim Joggen die gelaufene Entfernung oder die Geschwindigkeit kontrollieren zu können.

Dank spezieller Fahrradhalterung eignet sich das Gerät jedoch auch hervorragend als GPS-Navi, obwohl diese Anwendung vom Hersteller kaum dokumentiert ist. Die Uhr besitzt ein 22 x 35 mm großes Display, das dank guter Auflösung und verschiedener Zoom-Stufen Routen und Kurse deutlich sichtbar wiedergibt. Die im Handbuch dokumentierte Funktion ist offenbar dazu gedacht, im Training eigene Läufe aufzuzeichnen, um später gegen sich selbst antreten zu können. Dieselbe Funktion kann jedoch auch dafür genutzt werden, auf dem PC geplante Routen auf die Uhr hochzuladen, um sie dann abzufahren.

Zur Routenplanung habe ich auch früher schon den kostenfreien Routenplaner unter www.radroutenplaner.hessen.de genutzt. Das Kartenmaterial ist äußerst detailliert und weist in der höchsten Zoom-Stufe jeden noch so kleinen Pfad aus. Nach kurzer Einarbeitung gelingt es relativ schnell, über die Eingabe von Start- und Zielpunkten (sowie je nach Bedarf auch von Zwischenpunkten) selbst komplexe Routen zu planen. Überregionale und regionale Radrouten sowie das lokale Radwegenetz mit Haupt- und Nebenstrecken sind hinterlegt, sodass das Programm gerade auch für Genussradler, die  in erster Linie auf Nebenstraßen unterwegs sein möchten, hervorragende Routenvorschläge erzeugt.

Früher hatte ich zuweilen das Problem, dass mir schnell die Freude an einer geplanten Route verging, wenn ich ständig  anhalten musste, um mich auf der Karte zu vergewissern – und den zuvor geplanten Zickzackkurs zur Umgehung aller Hauptstraßen dann letztlich doch verpasste.

Mit der GPS-Navigationsfunktion gehört dieses Problem der Vergangenheit an. Die im Internet geplante Route wird zunächst als GPX- oder KML-Datei abgespeichert. Mithilfe entsprechender Internetportale (z.B. www.gpsies.com) lässt sich die Datei dann in ein für mein GPS-Gerät kompatibles Format konvertieren und direkt auf das Navi laden – und schon kann's losgehen!

Besonders beeindruckt hat mich auf den ersten Touren die Präzision, mit der Abzweigungen und die einzuschlagende Richtung angezeigt werden. Mit wenigen Knopfdrücken wechsle ich zwischen verschiedenen Zoom-Stufen, um entweder vorausschauend die Wegführung der nächsten Kilometer zu betrachten oder vor einem unübersichtlichen Abzweig die jeweils nächsten 200 m genau erkennen zu können. Das Gerät kann bei meiner Geschwindigkeit von rund 20 km/h am Lenker völlig problemlos bedient werden, ohne dass ich Bedenken hinsichtlich der Verkehrssicherheit haben müsste.

Sobald der Nutzer circa 40 Meter von der geplanten Route abweicht, erhält er ein akustisches Signal. Es ist aber überhaupt kein Problem, dann auch absichtlich auf einem anderen Weg weiterzufahren, da jederzeit die Richtung erkennbar ist, die zur geplanten Route zurückführt, ebenso wie die Entfernung, die bis dahin zu überbrücken ist. So genießt man vor Ort die Freiheit der Wahl, einen attraktiv erscheinenden Parallelweg einzuschlagen, ohne Bedenken, sich zu verfahren oder gleich wieder zum Kartenstudium vom Rad steigen zu müssen.

Der von mir verwendete Garmin Forerunner 305 (Preis: rund 165 ?) ist als Multifunktionsgerät vielleicht nicht optimal für jemanden, der ausschließlich an der Navigationsfunktion interessiert ist. Für mich ist er momentan aber nicht nur völlig ausreichend, sondern er hat sich vielmehr bislang auch als eine tolle Bereicherung meiner Ausflüge erwiesen. Interessant ist auch die Möglichkeit, im Internet veröffentlichte Routen anderer Radler anhand der GPX-Daten abzufahren. Auf diese Weise habe ich schon den einen oder anderen hübschen Schleichweg in meiner näheren Umgebung entdeckt, der mir sonst nie aufgefallen wäre.

Joachim Brendel

Hilfreiche Website-Adressen
GPS-Navigation mit Garmin Forerunner 305 und Allgemeines:
http://wanderreitertipps.jimdo. com/09-03-orientierung-mit-gps-geräten/
www.kowoma.de/gps/anwen dung/TracksUndRouten.htm
Routenplaner im Internet:
www.radroutenplaner.hessen.de
www.gpsies.com
www.naviki.org
www.adfc-tourenportal.de


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2 Dezember, 2010 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt