Fahrraddiebstahl

Hochtaunuskreis. Der wichtigste, verfügbare Indikator für den Fahrraddiebstahl ist die polizeiliche Kriminalstatistik. Sie wird jährlich von der Polizei auch für den Hochtaunuskreis erstellt. Seit 3 Jahren informiert sich der ADFC Hochtaunus über die öffentlich verfügbare Statistik und geht nun erstmals stärker in die Öffentlichkeit.
Im letzten Frankfurt aktuell berichteten wir über die Jahre 2007 und 2008, nun folgt 2009, verbunden mit konkreten Handlungsempfehlungen.
Beginnen wir mit einer Erläuterung: Ein Leser fragte nach dem Unterschied zwischen leichten und schweren Fahrraddiebstahl. Die Taunus Zeitung beantwortete diese Frage in einem Artikel zum Fahrraddiebstahl: Nicht etwa das Gewicht des Rades spielt eine Rolle, unter „leichtem“ Fahrraddiebstahl versteht man das Entwenden nicht gesicherter, unter schwerem Fahrraddiebstahl das Entwenden wie auch immer gesicherter Fahrräder. Aha.

Die Zusammenfassung vorweg: Die Kriminalstatistik 2009 weist für den Fahrraddiebstahl signifikant schlechte Aufklärungsquoten bei steigenden Fallzahlen auf.  Der „Tatort Schule“ gewinnt dabei an Bedeutung. Die Gesamtsituation ist sowohl hinsichtlich der absoluten Zahlen zum Fahrraddiebstahl, insbesondere aber hinsichtlich der Aufklärungsquote weiterhin nicht zufriedenstellend.

In absoluten Zahlen ist beim Fahrraddiebstahl für 2009 eine leichte Zunahme um 10 Fälle (+1,8%) zu verzeichnen, die deutlich geringer ausfällt als in den Jahren 2008 (+118/+27,4%) und 2007 (+107/+33,0%). Der einfache Fahrraddiebstahl stieg gegenüber dem Vorjahr um lediglich 1 Fall (+0,6%), beim schweren Fahrraddiebstahl ist eine leichte Steigerung um 9 Fälle (+2,3%) zu verzeichnen. Bei allen Diebstahldelikten gab es dagegen mit +154 Fällen (+3,3%) höhere Steigerungsraten, ohne Fahrraddelikte sogar um +3,6%. Beim Fahrraddiebstahl sind also gegenüber dem Vorjahr geringfügig niedrigere Steigerungen festzustellen als bei allen anderen Diebstahldelikten insgesamt.

In 2009 liegt die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen mit 17,4% in etwa auf dem Niveau von 2008 (20,4%) und konnte somit gegenüber dem sehr schlechten Wert aus 2007 (6,3%) immerhin fast gehalten werden. Die Auflösungsquote bei Fahrraddiebstählen liegt jedoch auch für 2009 signifikant unter der Auflösungsquote aller Kriminalfälle (53,8%), als auch unter der aller Diebstähle (31,0%). Die Aufklärung bei Fahrraddiebstählen hat sich entgegen dem allgemeinen positiven Trend bei allen Delikten verschlechtert, sogar noch etwas stärker wie die ebenfalls sehr leicht rückläufige Aufklärungsquote bei Diebstählen insgesamt.

Die Auswertung „Tatort Schule“ zeigt entgegen der geringen Fallzahlsteigerung beim schweren Fahrraddiebstahl eine deutliche Steigerung um 29 Fälle (+50,0%). Damit macht die Steigerung der Fahrraddiebstähle entsprechend ihrem Anteil mehr als die Hälfte der insgesamt an Schulen steigenden schweren Diebstahldelikte (+52/+49,5%) aus. Zur Aufklärungsquote am „Tatort Schule“ weist die Kriminalstatistik keine Angaben aus.

Positiv ist, dass Fahrraddiebstähle außerhalb von Schulen rückläufig sind. So sind insgesamt gegenüber dem Vorjahr 9 Fälle mehr zu verzeichnen, an Schulen jedoch 29 Fälle mehr. Die Diebstähle außerhalb von Schulen sind somit um -20 Fälle gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Als Folge dieser Entwicklung hat der schwere Fahrraddiebstahl am „Tatort Schule“ an Bedeutung gewonnen: Er stieg von 7,4% in 2008 auf 14,5% in 2009.

Handlungsempfehlungen
Konkreter wird der ADFC mit der lokalen Ergänzung eines bundesweiten gültigen Positionspapiers zum Fahrraddiebstahl, das sogar vom BKA unterstützt wird.
In der lokalen Variante spricht der ADFC für Kommunen, Schulen und den Fahrradhandel konkrete Handlungsempfehlungen aus.

Dazu gehören bewachte Fahrradstationen an den Bahnhöfen in Bad Homburg und Oberursel, die Förderung dezentraler, abschließbarer Fahrradstellplätze im öffentlichen Raum und deren Fördermöglichkeit aus Stellplatzablösesummen, die aktive Information von Bauträgern und Bauherren durch die Kommunen und in Risikogebieten das Angebot kommunaler Fahrradcodierungen. Die kommunalen Stellplatzsatzungen sind meist mehr als vage, nur Oberursel schreibt als einzige Kommune im Hochtaunuskreis Fahrradabstellanlagen vor, die das Abschließen des Rahmens ermöglichen – drückt aber bei der Umsetzung das ein oder andere Auge zu. Gut sehen kann man dies vor allem bei einigen neu errichteten Discountern. Das Schlusslicht bei den Stellplatzsatzungen ist übrigens Usingen, hier hat man die Pflicht zur Errichtung von gewerblichen Abstellanlagen vor kurzem gleich ganz gestrichen.

In Schulen sollte das Thema Fahrraddiebstahl zum Verkehrsunterricht gehören, die Polizei spricht dies in den Jugendverkehrsschulen bereits aktiv an, das reicht aber nicht – die Schulen müssen hier mehr tun. Das gilt auch für sichere Abstellplätze an Schulen – für Bad Homburg unternahm die SPD einen Vorstoß in diese Richtung, der bislang parteiübergreifend auf Zustimmung traf und nun mit dem Kreis als Schulträger einer Klärung harrt.

Auch der Fahrradhandel kann etwas tun: Beim Schlösserkauf kann man durchaus nachhaltiger zum Kauf guter Schlösser raten –nach Berichten von ADFClern ist das noch kein Schwerpunkt. Zudem sollten Händler auf Fahrradcodierungen hinweisen, entsprechende Informationen beim Neukauf aktiv mitgeben oder besser gleich Codierungen durch Gutscheine fördern oder sogar selbst anbieten, wie z.B. City Zweirad in Oberursel.

Die Maßnahmen aus den lokalen Handlungsempfehlungen sind im Wesentlichen mit der Polizeidirektion Hochtaunus abgestimmt und werden von der Polizei unterstützt.
Alle ausführlichen Informationen gibt es im Internet unter www.adfc-hochtaunus.de.

Stefan Pohl


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2 Dezember, 2010 I ADFC Frankfurt am Main e. V. Impressum | Kontakt