Skip to content

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main   

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

Artikel dieser Ausgabe

Auf den Spuren der Alpe Adria

Eine Radreise von Salzburg über das Pustertal und die stillgelegte Pontebbana-Eisenbahnstrecke an den Golf von Venedig

Als ich Anfang 2019 das erste Mal von dieser Alpenquerung hörte, war ich natürlich hoch erfreut, dass ich die Tour als Co-Touren-Guide von Gerd Ortmann, Anfang September 2019 ab Toblach bis Grado erleben durfte. Nach dem Kennenlernen dieser Variante war ich Feuer und Flamme und habe relativ spontan Anfang November eine Zugfahrt nach Salzburg gebucht und habe mir die Originalroute erfahren.

Das Wetter im November war noch okay, jedoch ab Bad Gastein, also zu Beginn des zweiten Tages meiner Tour, musste ich eine schneebedingte Pause einlegen. Am dritten Tag stand dann die Tauernpassage ab Böckstein mit dem Zug auf dem Programm.

Von Salzburg aus parallel zum Tauernradweg an der Salzach entlang durch den schönen Pongau bis zum Wasserfall der Gasteiner Ache. Hier muss man ins Gasteiner Tal abzweigen und den 1.600 Meter langen Klammtunnel nutzen. Der Radweg ist zwar getrennt von der Fahrbahn, aber der unbändige Lärm des motorisierten Verkehrs führte bei mir zur Erkenntnis, künftig lieber eine Variante durch das Pustertal auf den Spuren der Alpe Adria anzubieten.

Der erste Radtag war definitiv mit 111 Kilometern und 1.587 Höhenmetern zu lang und zu schwer (das kommt vor, wenn man alleine fährt). Da in der Nacht auch Schnee fiel, musste ich ungewollt einen Pausentag einlegen. Ab Mallnitz rollte ich entspannt 552 Höhenmeter hinab und traf nach 30 Kilometern die Möllbrücke, wo ich mich mit meiner Pustertal-Variante traf.

Ab hier schildere ich die mit Gruppen gefahrene von mir angebotene Alpe-Adria-Variante. Das Pustertal erstreckt sich südlich des Brenners ab Franzensfeste, idealer Ankunftsort mit der Fernbahn (EC), oberhalb von Brixen nach Osten immer an der Rienz entlang, bis wir kurz vor Bruneck den verschlafenen Ort St. Lorenzen erreichen. Schon oft schafften wir es, dem Tiroler Marketenderinnentreffen, einem traditionellen Fest, zumindest kurzweilig beizuwohnen.

Am nächsten Tag geht es nach Bruneck und danach durch die Rienz-Schlucht und die ersten Tunnelpassagen erwarten uns. Stetig bergauf, abseits des Straßenverkehrs an idyllischen Bergseen vorbei nach Toblach. In einer alten Skihütte gibt es wie immer einen leckeren Mittagstisch, bevor wir uns auf die 48 Kilometer lange Abfahrt mit mehr als 600 Höhenmeter Gefälle nach Lienz machen.

Von nun an folgen wir der Drau bis Möllbrücke um dann nach Spittal zu kommen. Vorher sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass wir durch eine Empfehlung schon des öfteren auf einem älteren außenliegenden Bauernhof genächtigt haben, wo uns der „alte“ Bauer mit seiner Posaune verabschiedet hat.

Ab Spittal wird es eher etwas staubig, immer an der Drau entlang, aber nur, wenn es nicht regnet (was durchaus öfter passierte).
Die mögliche Umrundung des Millstätter Sees ist recht nett, jedoch muss das letzte Stück auf einem steilen sandigen Weg bewältigt werden, was, insbesondere in einer Gruppe, gut überlegt sein will.

Wenn wir an der Drau bleiben, erreichen wir sehr bald „Fridos Kraftplatzl“, ein typischer Radlerhalt bei schönem Wetter. Villach selbst bietet sich als Mittagsrast und Stadtrundfahrt an. Es gibt recht viele „versteckte“ Lokale und Sehenswertes. Konditorei Restaurant „Rainer“ sei als Beispiel hier genannt. Wir verlassen die Drau und können auf den verschiedensten Wegen an den Faaker See gelangen. Oberhalb des Faaker Sees in Drobollach im Ferienhotel Schönruh hatten wir bisher immer eine schöne Aussicht auf den See mit hoteleigenem Badestrand.

b Drobollach geht es oft auf die Suche nach dem Gailradweg – und es gibt unzählige schöne Varianten, diesen zu finden. Nächstes Ziel ist Arnoldstein. Hinter diesem Ort geht es sachte ansteigend zur österreichisch-italienischen Grenze. Hier beginnt der Radweg der alten Passstraße folgend. Nach etlichen waldreichen Kehren erreichen wir den Ausgang eines Tunnels, der aber nur von Autos befahren werden darf. Von hier folgen wir der stillgelegten Pontebbana-Eisenbahnstrecke, dem eigentlichen Herzstück des Ciclovia Alpe Adria. In Tarvis bietet sich der Besuch der örtlichen Gelateria direkt an der Kirche an.

Pontebba, ein kleiner mit Fernstraße und Zugtrassen geknebelter Ort, lädt uns trotzdem immer wieder zu einer Rast oder sogar Nächtigung ein. Am nächsten Tag geht es dann über die atemberaubende Trasse bis nach Chiusaforte, einem alten Bahnhof, der von ein paar tüchtigen Landsleuten bewirtschaftet wird. Hier gibt es auch die beliebten Shirts Ciclovia Alpe Adria Radweg.

Zwischenzeitlich wurde der Radweg fast bis zur Gemeinde Venzone weitergebaut. Venzone liegt auf der linken Seite des Flusses Tagliamento, der als einer der letzten Wildflüsse der Alpen gilt. Von nun an gibt es eine Vielzahl von ausgeschilderten Varianten, die uns weiter gen Süden führen. Folgt man dem Tagliamento, kommt man unweigerlich nach Osoppo mit einer sehr feinen, familiengeführten Unterkunft. Für die letzten Kilometer sollte man aber doch noch einen halben Tag einplanen. Entweder in Udine, nicht unbedingt auf der Piazza Libertà, oder im ebenfalls reizvollen Städtchen Palmanova auf der genialen Piazza Grande.

Über Cervignano führt uns der Weg immer näher an die Küste. Jedoch streifen wir vorher das historische Aquileia, bevor es über den Damm nach Grado geht. Berühmt ist Aquileia vor allem wegen seiner Mosaikböden in der Basilika. Wir erreichen die Lagune vor Grado über einen vier Kilometer langen Damm. Hier steht auch der für mich schönste Baum, nicht nur auf dieser Radtour.

Von Grado, herrlich gelegen, umgeben von Sandstränden und der pulsierenden Fischerstadt, starten wir ungern die Heimreise mit dem Bus oder Rad nach Cervignano. Dort steigen wir in die RegioBahn nach Venedig St. Lucia (Radmitnahme möglich). Weiter mit Regiobahn oder Nachtzug gen Heimat – und bitte daran denken, in Venedig sind keine Fahrräder erlaubt, es gibt aber bewachte Parkhäuser, auch für Fahrräder.

Peter Lill-Hendriks