Hochtaunus-Kronberg
Wer zum Sport will, braucht ein Auto
Die Hainstraße bleibt mit dem Rad gefährlich und zu Fuß unzumutbar
Die Hainstraße ist eine der drei Durchgangsstraßen Kronbergs, und mit 6.000 Fahrzeugen pro Tag wohl die am meisten befahrene. Von der B455 aus von Königstein oder Oberursel kommend, führt sie mitten durch die Stadt, mündet dann im rechten Winkel in die Frankfurter Straße, die nach Eschborn und Frankfurt führt.
Für beidseitige Radfahr- oder Schutzstreifen bietet die Hainstraße nicht genügend Platz. Kraftfahrzeuge müssen die komplette Gegenspur befahren, um Radfahrende mit sicherem Seitenabstand zu überholen. Die wenigsten tun es. Immerhin wurden vor einigen Jahren Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn aufgebracht. Doch sie sind so winzig, dass sie vom Autoverkehr kaum wahrgenommen werden. Zu größeren seitlichen Überholabständen haben sie jedenfalls nicht geführt. Auf diesen Missstand machte der ADFC Kronberg bereits mit einer Poolnudel-Aktion aufmerksam.
Wer entlang der Hainstraße zu Fuß zum größten Sportverein Kronbergs – dem MTV – möchte, oder auch weiter zum Fußballverein EFC und dem Waldschwimmbad, muss einen unbefestigten, bei Regen matschigen Weg benutzen, der kaum als Waldweg zumutbar wäre, geschweige denn als Gehweg. Sicher und komfortabel sind diese ebenso beliebten wie wichtigen Freizeiteinrichtungen praktisch nur mit dem Auto zu erreichen.
Wenngleich es sich bei der Hainstraße um eine Landesstraße (L3005) handelt, ist für den Bau von begleitenden Geh- und Radwegen in der Ortsdurchfahrt nicht Hessen Mobil als Straßenbaubehörde des Landes zuständig, sondern die Stadt Kronberg selbst. Folgerichtig beauftragte die Stadt die „Machbarkeitsstudie Radweg Hainstraße“, die sie Ende 2024 auch veröffentlichte. Das mit der Studie beauftragte Frankfurter Planungsbüro arbeitete mehrere Szenarien durch und empfahl schließlich eine Variante für einen kombinierten Rad- und Gehweg entlang der Hainstraße, die ohne Beeinträchtigung „anderer Verkehrsträger“, sprich: ohne dem Autoverkehr wehzutun, realisierbar ist.
Im Frühjahr 2025 brachte die UGB (Unabhängige Bürger Gemeinschaft) einen Antrag zum Bau solch eines Geh- und Radweges entlang der Hainstraße in die Stadtverordnetenversammlung ein, der jedoch nicht beschlossen wurde.
Die Grünen haben im Dezember einen neuen Versuch gestartet und einen Änderungsantrag eingebracht, der darauf drang, einen Gehweg entlang der Strecke zu bauen. Ab dem Ortsschild sollte zusätzlich Tempo 30 gelten, stadtauswärts ein Fahrradschutzstreifen angelegt, sowie stadteinwärts große, mittig platzierte Fahrradsymbole auf der Fahrbahn aufgebracht werden.
Der ADFC Kronberg hat diesen Vorschlag unterstützt, da es aus unserer Sicht möglich sein muss, dass Kinder und Jugendliche das ganze Jahr selbständig und sicher auf dieser Strecke unterwegs sein können, zu Fuß und mit dem Rad. Doch in der letzten Stadtverordnetenversammlung des Jahres 2025, am 18. Dezember, wurde der Antrag abgelehnt. Ohne weitere Prüfung hieß es, der Gehweg sei zu teuer.
Tatsächlich wäre aber genau so eine Prüfung, was der Bau eines Gehwegs und der dazu nötige Landerwerb kosten würde, wichtig. Gleichzeitig kann die Situation für Radfahrende verbessert werden. Aber wo kein Wille, da auch kein Weg.
Und so lange wird es keine gangbare Alternative für Kinder und Jugendliche, die zum EFC fahren möchten, für Radfahrer, die entspannt zum MTV oder zum Waldschwimmbad wollen, oder für Fußgänger, die ohne Umwege entlang der Hainstraße gehen möchten geben. Wer sicher und komfortabel zum Sport will, braucht in Kronberg ein Auto.
Claudia Kipka


















