
Was ist eigentlich ein
Kuddel?
Die regionale Bezeichnung für einen Fahrrad- oder Mofa-Anhänger
ist außerhalb von Niedersachsen kaum bekannt.
Wer nun aber – das Frankfurter Nordend vor Augen – an einen stylischen Anhänger zum Transport des eigenen, süß gekleideten Nachwuchses denkt, der liegt vollkommen falsch. Ein klassischer Kuddel ist robust, meist aus Metall und hat gerne einen Deckel. Transportiert werden darin normalerweise Werkzeug, Erde, Gartenabfälle oder auch mal ein Kasten Bier. Um mehr über dieses Phänomen zu erfahren, spreche ich mit dem stolzen Kuddel-Besitzer Frank Wißmann, der in den 70er Jahren in Niedersachsen aufgewachsen ist, mittlerweile aber seit über 25 Jahren in Hamburg lebt und letztes Jahr sein Auto verkauft hat. Für ihn ist der Kuddel eine Erinnerung an seine Kindheit und ein Rückbesinnen auf Analoges, was sich wiederum perfekt in den aktuellen Zeitgeist einreiht, in dem Vinyl-Schallplatten, Polaroid-Kameras und Filterkaffee ein Revival erleben. „Mein Kuddel ist natürlich ein bisschen old school, aber ich mag es, vor dem Supermarkt mein bescheidenes Gespann zwischen all den Hightech-Lastenrädern zu parken. Auch so kann man herausstechen!“
Burley
rechts: Punktet mit viel Stauraum und einem robusten Äußeren – der Qubee von Qeridoo
Qeridoo
Über die Zeit haben sich moderne Fahrradanhänger optisch und technisch vom klassischen Kuddel entfernt. Aber auch heute gibt es noch einige Modelle, die in diese Kategorie fallen. Beispielsweise der Qubee von Qeridoo, der in der XL-Variante 220 Liter fasst, oder der Croozer Cargo, der immerhin 135 Liter fasst und mit 45 Kilogramm beladen werden darf. Wer etwas wendiger unterwegs sein möchte, setzt auf den Coho XC von Burley. Dieser Lastenanhänger kommt mit nur einem Rad aus und ist dadurch besonders wendig. Frank erklärt zu den vielen Varianten: „Hier gilt: You get what you pay. Es gibt sehr einfache und günstige Modelle, aber bei einem Kuddel lohnt es sich schon, auf Qualität zu achten. Meiner lässt sich platzsparend zusammenklappen und hat zudem eine gute Federung, damit die Anhängerkiste nicht hin und her schleudert. Manche lassen sich auch mit Zubehör und einigen Handgriffen zum Bollerwagen umrüsten.“
Abschließend möchte ich wissen, welche Vorteile der Lastenanhänger in Franks Augen dem Lastenrad gegenüber hat. Ich persönlich habe mit keinem von beiden Fahrerfahrung, stelle mir ein Lastenrad aber harmonischer in der Steuerung vor. „Ich verstehe, warum viele ein Lastenrad in der Stadt fahren. Vor allem als Autoersatz. Auch ich hatte eins für einige Monate. Mir war es am Ende aber zu sperrig im Alltag. Mit dem Kuddel bin ich flexibler: Ich schließe ihn an, wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe, und nehme ihn ab, wenn ich zur Arbeit fahre oder Lust auf eine Radtour habe. Ein nicht unwichtiger Faktor ist zudem der Preis: Ein Anhänger ist natürlich wesentlich erschwinglicher als ein Lastenrad.“ Und Fahrradmobilität für alle, egal in welchem Bundesland, das ist doch etwas, das wir nur begrüßen können.














