Oliver Ramstedt
rechts: Das auf dem Fußweg aufgestellte erste Ghostbike wurde durch eine weitere Kollision zerstört und musste ersetzt werden. Zum Glück standen dort nicht, wie beim ersten Mal, Menschen.
privat
Rasen, bis es knallt
Poller sollen die verletzlicheren Menschen im Straßenverkehr schützen – deren Schutz ist aber begrenzt. Immer wieder werden Poller reihenweise überfahren und zerstört, zuletzt wieder einmal im Ostend an der Oskar-von-Miller-Straße.
Die Szenerie ist immer ähnlich: Eine Reihe bis auf den Boden umgeknickter Poller, viel rotes Bindemittel gegen die aus dem Auto ausgelaufenen Flüssigkeiten, Farbmarkierungen der Polizei, dazu dieses Mal eine zerstörte Straßenlaterne und eine beschädigte Ampel. Nicht nur auf dieser Auto-Rennstrecke kommt es immer wieder zu Kollisionen, mal in der einen und mal in der anderen Fahrtrichtung.
Im November 2020 raste ein Autofahrer mit 80 km/h, extra abgeschalteten Assistenzsystemen, driftend und mit durchgetretenem Gaspedal in die andere Richtung durch die Kurve und verlor dort die Kontrolle. Er tötete zwei Menschen auf dem Fußweg sofort, eine weitere Frau wurde schwer verletzt. Der Fahrer hatte bereits viermal seinen Führerschein wegen diverser Regelverstöße abgeben müssen, ihn aber immer wieder ausgehändigt bekommen. Auch nach der Verurteilung zu acht Jahren und sechs Monaten Haft darf er versuchen, seinen Führerschein erneut zu machen. Wir berichteten ausführlich über das Urteil in Frankfurt aktuell 5/2024: „Große Macht bedeutet große Verantwortung“.
Kurz nach der Aufstellung des weißen Geisterrades fuhr ein anderer Autofahrer ebenfalls auf den Rad- und Gehweg und zerstörte u. a. die Gedenkstätte. Zum Glück ohne weitere getötete Menschen. Aber auch in der Gegenrichtung werden die Poller immer mal wieder niedergemäht – laut unseren Informationen kam es dabei bisher wie durch ein Wunder nicht zu Verletzten.
Konsequenzen wurden daraus bisher nicht gezogen, es darf auch hier weiter gerast werden. Weil die Landespolizei in Frankfurt nur über ein einziges Messfahrzeug verfügt, sind Kontrollen äußerst selten und baulich verleitet die perfekt asphaltierte und breite Straße weiterhin zum Rasen. Wir wünschen uns auch hier mehr Mut zu einer Fahrbahnverengung, die nachweislich die Geschwindigkeiten reduziert. Offizielle Rennstrecken gibt es zahlreiche in Deutschland, zum Rasen brauchen wir aus unserer Sicht nicht noch zusätzlich unsere normalen Straßen.














