Von Beet-, Boot- und Bettmobilen
auf Frankfurts Straßen
Dinge, die der Mensch nicht braucht, z. B. sein mobiles Ferienhaus (ein „Wohnmobil“), sein Boot, Anhänger, müssen ja trotzdem irgendwo hin, und so stellt er sie eben auf die Straße. Für ihn kostenlos, aber die Allgemeinheit finanziert ihm den Lagerplatz im knappen öffentlichen Stadtraum mit im Schnitt 114 €/Monat pro Quadratmeter mit („Kosten von Parkraum“, Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelber, Kurz-Link: adfc-ffm.de/=CYME). Das Verrückte daran: fast alle Menschen finden das total normal.
In der Frankfurter Bertramstraße beispielsweise stehen seit Monaten ein Anhänger, zwei Motorboote auf Anhängern, mehrere Wohnmobile bzw. Wohnwagen und mindestens drei seit fast einem Jahr nicht mehr genutzte Autos (erkennbar an der Begleitflora). In der Summe sind das acht Parkplätze auf 750 Meter. Macht knapp 11.000 € Kosten im Jahr für die Allgemeinheit. Aber klar, wo soll das auch alles sonst hin, man muss halt solidarisch sein.
Aber Weeehe, man stellt einen mit bunt blühenden Stauden bepflanzten Anhänger in den in Frankfurt zu ca. 80 % von Autoinfrastruktur dominierten öffentlichen Raum, um diesen etwas zu beleben.
So geschehen im Sommer 2021 durch die drei Frankfurter Radaktivist:innen Claudia Fischer, Falko Görres und Julia Krohmer. Sie bepflanzten einen alten Fahrradanhänger und stellten ihn im Laufe des Sommer mal hier, mal da auf Flächen ab, die sonst gerne von Falschparkern zugestellt sind.
Beschimpfungen, Vandalismus und Drohzettel des Ordnungsamtes („muss unverzüglich entfernt werden“) waren an der Tagesordnung, nachzulesen noch auf dem alten Twitter-Account des biodiversitätsfördernden Mobils (@beetmobil). Dabei stand der Fahrradanhänger nie auf Parkplätzen, sondern nur auf Flächen, auf denen es Autofahrende davon abhielt, Bereiche zuzuparken, die der Verkehrssicherheit der vulnerablen Verkehrsteilnehmer:innen dienen, wie Bordsteinabsenkungen, Kreuzungsbereiche etc. – natürlich, ohne diese selbst zu blockieren.
Aber egal, die Aufregung seitens der Autofahrenden war groß.
Aber warum zur Hölle regt sich niemand über diese zahlreichen oben erwähnten echten Parkplatzblockierer auf? Warum darf ich monatelang ein Boot auf die Straße, aber kein Pony in den Park stellen? Und warum stört sich generell fast niemand daran, wie der öffentliche Raum seit Jahrzehnten weitgehend kostenlos zur Lagerung privaten, nicht benötigten Blechs verschwendet wird?
Insbesondere heute, wo wir in unseren dicht besiedelten, klimawandelbedingt überhitzen Städten diesen Raum dringend bräuchten, um die Städte zukunftstauglich umzugestalten – mit kühlender Begrünung, für effizientere Verkehrsformen und als Begegnungsraum für mehr Teilhabe und gesellschaftliches Miteinander, zur Erhöhung der gesamten Lebensqualität.
All dies wird auf ca. 400.000 Parkplätzen in Frankfurt (je 10-12 m²) durch stehendes Blech verhindert. Aber die Mehrheit der Leute empfindet ein winziges Beetmobil als übergriffig.














