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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Laufgitter für Erwachsene

Weltweit sind sie millionenfach im Einsatz, weil sich ansonsten zu viele Menschen über Verkehrsregeln hinwegsetzen und weil die Polizeibehörden kaum kontrollieren: Poller. Jeder einzelne hat eine Geschichte und negative Auswirkungen auf den Alltag von uns allen.

Wieso überhaupt Poller?
Poller (offiziell: „Sperrpfosten“) werden immer dann eingesetzt, wenn die Polizeibehörden nicht ausreichend kontrollieren und Verkehrsregeln zu häufig von Bürgerinnen und Bürgern ignoriert werden. Mit ihnen versuchen Politik und Stadtverwaltung zumindest teilweise die Kontrolle zurück zu erlangen und gefährliche Situationen zu vermeiden. Meistens geht es um Falschparker (egal ob Fußweg, Radweg, Kreuzungsbereich oder Zebrastreifen), das illegale Ausweichen mit Autos an Engstellen auf Fußwege oder das Unterbinden von (ohnehin schon per Beschilderung) verbotenem Durchgangsverkehr.

In diesem Text konzentrieren wir uns auf Poller als eine von mehreren möglichen baulichen Maßnahmen. Die Argumente lassen sich selbstverständlich auch auf Findlinge, Schranken, Absperrgitter usw. übertragen.

Ein Poller, der angefahren wurde, steht schief auf dem Gehweg
Manche Poller auf dem Kettenhofweg werden fast im Wochentakt überfahren und zerstört. Dort, wo sie eigentlich Gefahren vermeiden sollen, werden sie selbst zur Gefahr.

Wieso sind Poller ein Problem?
Poller können zwar gewisse Probleme lösen, sind aber auch immer selbst ein Hindernis: Sie engen Rad- und Fußwege ein. Egal ob der Kinderwagen zu breit ist oder Menschen mit dem Fahrradlenker/Packtaschen an ihnen hängen bleiben, was besonders bei Gruppenfahrten eine nicht seltene Unfallursache ist: Diese Probleme wären ohne Poller nicht vorhanden. Poller begrenzen auch Radwege auf eine Breite von ca. 1,60 m, weil sich ab diesem Abstand die ersten Menschen wieder mit Autos zwischen den Pollern durchquetschen.

Nebenbei sagt die in einer Stadt vorhandene Masse der Poller auch etwas über die Regelakzeptanz vor Ort aus und auch mit Blick auf die Stadtgestaltung sind sie kein Hingucker.

Was kosten uns Poller?
Diese Folgen der Regelignoranz kostet alleine in Frankfurt jährlich ca. 400.000-500.000 Euro Steuergeld – darin enthalten sind aber nur die laufenden Reparaturen im Bestand und keine zusätzlichen Poller! Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2022 und dürften inzwischen noch höher liegen. Leider gibt es keine Zahlen darüber, wie viele Poller es in Frankfurt gibt. Manche Poller stehen über Jahre hinweg unberührt herum, andere werden praktisch im Wochentakt überfahren und müssen anschließend erneuert werden. In besonders extremen Fällen, zum Beispiel in den Kreuzungsbereichen des Kettenhofwegs, wurden manche Poller inzwischen durch Modelle aus Plastik ersetzt. Diese sind nach dem Überfahren nicht zerstört, sondern richten sich automatisch wieder auf. Dass gewisse Poller so regelmäßig überfahren und zerstört werden, zeigt z.B. die Gefährdung für im Kreuzungsbereich wartende Kinder sehr anschaulich.

Dazu kommt an manchen Stellen auch mutwilliger Vandalismus. Am Rad- und Fußweg zwischen Niederursel und Weißkirchen wurden die Poller über Monate hinweg immer wieder illegal entfernt, mutmaßlich von Autofahrerinnen und Autofahrern, um den Weg weiterhin als Abkürzung mit dem Auto nutzen zu können, obwohl dies verboten ist. Zwar wurden die Poller nach Meldungen immer wieder ersetzt, der Aufwand und die Kosten entstehen aber trotzdem. In anderen Fällen wurden sogar nicht nur die Poller entfernt, sondern auch gleich die dafür gebohrten Löcher verfüllt. So soll ein erneutes Einsetzen durch die Stadt verhindert werden.

Welche Auswirkungen gibt es sonst noch?
Je mehr Flächen abgepollert werden, desto mehr rücken die eigentlichen Verkehrsregeln in den Hintergrund. Jede noch nicht abgepollerte Fläche wird somit als „darf befahren und beparkt werden“ interpretiert. Bei Diskussionen mit Falschparkern wird inzwischen gerne darauf verwiesen, dass man doch auf diesem Fußweg parken dürfe, weil er nicht abgepollert sei. Dass Gehwege grundsätzlich eine Tabuzone für das Auto sind, wird dabei einfach ausgeblendet.

Gibt es Alternativen zu Pollern?
Ja, die gibt es! Dazu müssten lediglich die Polizeibehörden mit der Durchsetzung der bestehenden Gesetze beauftragt werden. Das würde bedeuten, dass das Thema Verkehrsüberwachung zu einem wichtigen Thema gemacht wird und Personal und Material für diesen Bereich deutlich aufgestockt wird. Es bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass rund um die Uhr an jeder Kreuzung die Polizei stehen muss, um alles zu überwachen. Das ist gar nicht notwendig. Es muss lediglich die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass Verstöße gegen Verkehrsregeln auch geahndet werden. Dank des konsequenten Wegschauens in den letzten Jahrzehnten ist diese Wahrscheinlichkeit bisher leider bei nahezu Null, was sich auch im Verhalten einer relevanten Menge von Menschen zeigt.

Ansgar Hegerfeld