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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main

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Artikel dieser Ausgabe

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt

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Wie und wohin wollen wir gehen?

Perspektiven vom Fußforum der Stadt Frankfurt

Auch wenn wir uns vor allem um den Radverkehr kümmern, gehören auch Fußwege zwangsläufig mit zu unserem Tätigkeitsbereich. Egal ob Erwachsene zu ihrem geparkten Fahrrad gehen möchten oder Kinder das Radfahren auf den Gehwegen erlernen – es gibt viele Berührungspunkte.

Beim städtischen Fußverkehrsforum Ende Oktober war darum auch der ADFC vertreten. Auf dem Podium saßen neben dem Mobilitätsdezernenten Wolfgang Siefert auch Dr. Joachim Stoll (Handelsverband Hessen-Süd), Brigitte Buchsein (Blinden- und Sehbehindertenbund Hessen) und Dr. Sina Steele (Frankfurt Lab for Social-Ecological Transformation of Urban Mobility der Goethe-Universität Frankfurt am Main).

Während die Perspektiven auf das Thema Fußverkehr und Platzverteilung sehr auseinander gingen, waren sich in einem Punkt alle einig: Der Fußverkehr braucht deutlich mehr Aufmerksamkeit (in Form von Personal und Geld), Platz und Sicherheit.

Für den Handelsverband Hessen-Süd sind die Frequentierung und Aufenthaltsqualität wichtige Faktoren für gut laufende Geschäfte – schließlich kaufen Menschen lieber ein, wenn sie sich wohl fühlen. So sollten die Themen Schatten/Abkühlung und auch die Aufenthaltsqualität abseits davon stärker in den Fokus gerückt werden. Die beim Thema Platzbedarf gerne heiß diskutierten Parkplätze helfen dem Einzelhandel aber auch nur dann, wenn sie nicht (wie heute) durch Dauerparker blockiert werden.

Brigitte Buchsein erklärte sehr anschaulich, welche Herausforderungen für Menschen mit Sehbehinderungen bestehen. So ist die Orientierung auf großen Plätzen oder sehr breiten Fußwegen ein ganz alltägliches Problem. Als Selbsttest empfahl sie mit geschlossenen Augen und ohne Orientierungspunkte einmal zehn Meter geradeaus zu gehen. Das klingt einfach, ist es in der Praxis aber nicht! Daher sind ertastbare Orientierungslinien und auch bauliche Abtrennungen zwischen Rad- und Fußwegen für sie unverzichtbar. Diese müssen natürlich auch frei zugänglich und nicht z.B. durch Falschparker oder mangelhaft eingerichtete Baustellen blockiert sein – diese Themen kennen wir von den Radwegen nur zu gut.

Dr. Sina Steele hatte reichlich Zahlen und Fakten dabei, machte darauf aufmerksam, dass das Gehwegparken ein großes Problem ist und es beim Thema Fußverkehr an Fachpersonal und Stellen in der Stadtverwaltung mangelt. Wolfgang Siefert überbrachte dazu passend die gute Nachricht, dass ab 2026 eine weitere Stelle für den Fußverkehr geschaffen wird – aus unserer Sicht absolut notwendig und lange überfällig. Außerdem machte er klar, dass das Finden von Kompromissen bei den unzähligen und sich teilweise widersprechenden Anforderungen an den öffentlichen Raum keine leichte Aufgabe ist.

Nach der Podiumsdiskussion konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an verschiedenen Stationen selbst unterschiedliche Perspektiven ausprobieren und z. B. den verfügbaren Platz zwischen zwei Häuserreihen mit dem einfachen Online-Werkzeug streetmix.net neu verteilen. Anschaulich dargestellt wurde auch der Platzverbrauch eines einzelnen Parkplatzes, zusätzlich konnte man dank Simulationsbrillen für Augenkrankheiten und Taststock selbst ausprobieren, sich mit eingeschränkter Sicht zu orientieren.

Ansgar Hegerfeld