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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Frankfurt am Main
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links: Das größte Fahrradparkhaus der Welt in Utrecht hat Platz für 13.500 Räder
mitte: Das Innere des Parkhauses, taghell beleuchtet
rechts: Fahrrdparkhaus in Amsterdam: Rollrampen machen den Ein- und Ausgang leicht
Christian Martens (3)

Ein Licht weist den Weg zum freien Platz

Die innovativen Fahrradparkhäuser in Utrecht und Amsterdam

Der eigentliche Anlass, über das Himmelfahrtswochenende in die Niederlande zu reisen, hatte nichts mit Radfahren zu tun. Aber als ich schon mal dort war, durften zwei Dinge nicht fehlen: ein bisschen die hervorragende Fahrradinfrastruktur mit dem eigenen Rad genießen und Vla, die niederländische Nationalnachspeise, mit Rumrosinen essen. So kam es also, dass ich auch noch den Montag freinahm und mich mit meinem Fiets in und zwischen den Städten Amersfoort, Utrecht und Amsterdam bewegte.

Ja, es fühlt sich an wie ein Wachtraum. Utrecht wurde kürzlich im Copenhagenize-Index als die fahrradfreundlichste Stadt der Welt ausgezeichnet, Amsterdam folgt auf Platz 4. Dass das gerechtfertigt ist, spüre ich bei jeder Pedalumdrehung. Wo das Radeln wegen toller Planung und Umsetzung so viel Spaß macht, da wird auch viel geradelt. Und wo viel geradelt wird, muss auch viel geparkt werden. Um die Massen an Rädern in den Innenstädten irgendwie in den Griff zu bekommen, sind in den Niederlanden Fahrradparkhäuser das Mittel der Wahl.

In der Touristeninformation in Utrecht liegt ein Faltplänchen aus mit dem Titel Bike like a local. Darin enthalten sind ein Innenstadtplan, auf dem die Parkverbotszonen – ja, auch so etwas gibt es – ersichtlich sind, daneben aber auch 15 (!) Fahrradparkhäuser mit Angaben zu Öffnungszeiten und Gebühren, die rund um die Innenstadt verteilt sind. Zu den Öffnungszeiten: Die meisten haben nur wenige Stunden in der Nacht geschlossen. Zu den Gebühren: Die ersten 24 Stunden sind kostenlos, für die Zeit danach wird ein kleiner Betrag fällig. Damit werden keine wirtschaftlichen Ziele verfolgt, vielmehr soll so lediglich ein schleichender Übergang zu einem Fahrradschrottplatz verhindert werden. Zum Diebstahl: Aufs Rad wird ein Barcode aufgeklebt. Das Gegenstück bekommt man ausgehändigt. Bei der Abholung muss beides wieder zusammenpassen. Zum Wiederfinden des Rades: Tja, da ist jeder/jede selbst gefordert.

In Utrecht habe ich mir das größte Parkhaus der Welt angeschaut: dreistöckig aufgebaut mit Doppelstockabstellern, in Summe also sechs Fahrräder übereinander. Die beiden Ein- und Ausfahrten liegen etwa 200 Meter voneinander entfernt. Dazwischen finden 13.500 Räder einen Platz. Einfädelspuren führen in die einzelnen Ebenen. Lichtanlagen machen direkt erkennbar, wo noch freie Plätze vorhanden sind. Sehr beeindruckend.

In Amsterdam lasse ich es mir nicht nehmen, das wohl schönste Fahrradparkhaus auch von innen zu inspizieren. Es ist nur einstöckig und hat auch nur Platz für 7500 Räder. Demgegenüber beeindruckt seine Architektur: Über drei Rollrampen geht es mit dem Fahrrad hinein und heraus, die mittlere Rollrampe wechselt die Richtung nach Bedarf.

Man betritt eine riesige, aber übersichtliche Fläche, die nur von schlanken Säulen unterbrochen wird und taghell beleuchtet ist. Rechts und links finden sich wieder endlose Reihen von Doppelstockabstellern, und am anderen Ende des Parkhauses geht es per Rolltreppe direkt in den Hauptbahnhof. Ach ja: Über dem Ganzen befindet sich ein 2,50 Meter tiefes Wasserbecken. Hier legen die Boote zur Grachtenrundfahrt ab. Ich war dort zur morgendlichen Rush Hour. Es ging zu wie in einem Bienenstock.

Der importierte Vla hat mir nach meiner Rückkehr noch weitere zwei Wochen lang geschmeckt. Die fantastischen Eindrücke, die ich von der Radinfrastruktur erhalten habe, werden deutlich länger vorhalten. Und ich bin mir sicher, dass ich bei meinem nächsten Besuch weitere spannende Dinge entdecken werde.

Christian Martens