Pfannkuchen, Pralinen und Platzregen
Wetterkapriolen, Kurioses und Kulinarisches …
… das Belgisch-Niederländische-Pedersen-Treffen 2026, kurz: „BENEPE“, in Terneuzen bot reichlich Stoff für dieses kurzweilige Reisetagebuch.
Dienstag, 12. Mai
Entspannt Reisetasche und Satteltasche gepackt und zum Hauptbahnhof gefahren. Mein Pedersen hängt neben einem zweiten Rad direkt hinter der Fahrerkabine. Pünktlich um 12:34 Uhr fährt der ICE ab. Die traditionelle Brezel wird gegessen.
Der Umstieg in Brüssel klappt gut, obwohl der Aufzug zum Umstiegs-Gleis defekt ist. Ich trage das Pedersen samt Gepäcktaschen die Treppen hoch und erreiche meinen Anschlusszug nach Antwerpen – Fahrtzeit 30 Minuten. Am Zwischenhalt Berchem sehe ich große Fahrradabstellflächen direkt auf dem Bahnhofsgelände. Von Antwerpen Central zum Theater Hotel sind es drei Kilometer.
Nach dem Einchecken im Hotel lasse ich mich in der Altstadt treiben. Bei „da Giovanni“ esse ich eine Pizza Ortolana. Nun weiß ich auch, warum die Gaststätte bis auf den letzten Platz belegt ist. Es sind auffällig viele junge Leute hier. Nach dem Essen schaue ich mir noch die Altstadt und einen kleinen botanischen Garten an.
Mittwoch, 13. Mai
Nach einem guten Frühstück fahre ich um 8:10 Uhr in Antwerpen los. Gleich zu Beginn erlebe ich die Durchfahrt durch den Sint-Anna-Voetgangerstunnel unter der Schelde, den ich über einen Aufzug 31 Meter in die Tiefe erreiche. Unterwegs passiere ich beidseits der Straße mächtige Erdbunker wie an einer Schnur aufgefädelt – der Westwall der Nazis. Nach etwa 30 Kilometern beginnt es zu regnen. Da habe ich in etwa die Grenze nach den Niederlanden erreicht. Von nun an sollte es bis Terneuzen nicht mehr aufhören zu regnen. Als sich zum ersten Mal Hagel unter den Regen mischt, kann ich mich noch in einer Ortschaft unterstellen. Beim zweiten Hagelschauer fahre ich auf einer Landstraße, weit und breit keine Unterstellmöglichkeit. Endlich sehe ich einen großen Gabelstapler, der von einer Plane geschützt ist, unter die auch ich und mein Pedersen passen. Ich packe meinen Reiseproviant aus und esse mich richtig satt. Nach einer halben Stunde lässt der Sturm nach und der Hagel mutiert zu einem sanften Dauerregen. Nun fahre ich weiter. Weil ich bereits ziemlich nass bin, entschließe ich mich, die restliche Strecke bis zum Churchill Hotel in Terneuzen in einem Stück zurückzulegen. Insgesamt bin ich 56 Kilometer gefahren. Um 13:20 Uhr checke ich ein, bekomme einen heißen Tee, kann das Zimmer beziehen, eine warme Dusche nehmen und trockene Kleidung anziehen. Danach unternehme ich zwei Versuche, die 1,5 Kilometer auf dem Deich in den Ort hinein zu nehmen, ohne abermals nass zu werden. Beim zweiten Versuch gelingt das auch. Nach längerer Suche finde ich auf dem Marktplatz ein italienisches Restaurant. Dort esse ich ein wunderbares Lachsgericht. Der Weg zurück zum Hotel ist schnell zurückgelegt.
Donnerstag, 14. Mai
Nach dem Frühstück erkunde ich Terneuzen mit dem Pedersen. Besonders der Hafen mit seinen vielen Ziehbrücken und Schleusen ist ein interessant. Als Radfahrer kann ich flexibel auf hochgezogene Brücken reagieren und auf Radwegen entlang der Kanäle zur nächsten Brücke fahren. Ich entdecke eine Stein-Skulptur auf dem Deich, die einen Radrennfahrer auf seinem Rad darstellt, davor ein Sockel, groß genug für das Aufstellen meines Pedersen. Ein schönes Fotomotiv.
Gegen 14 Uhr sind alle Pedersenfreunde eingetroffen. Es ist 8° C, aber noch einigermaßen trocken. Wir starten zu unserer ersten gemeinsamen Tour, 11 Kilometer nach Axel. Dort findet ein Treffen von Motor-Oldtimern mit Ausstellung statt. Eine Art Volksfest, zu dem alle aus dem Ort und der Umgebung gekommen sind. Kaum sind wir eingetroffen, beginnt es zu regnen. Wir flüchten uns unter die Markise einer Gaststätte und entschließen uns, vor der vereinbarten Abfahrtszeit ins Hotel zurück zu fahren. Ein ausgiebiges Abendessen mit vielen Gesprächen folgt.
Freitag, 15. Mai
Meine Aufzeichnung für diesen Tag lautet: Regen – Sonne – Wind – kalt. Um 10 Uhr fahren wir durch Zeeuws-Vlaanderen. Entlang der Schelde steuern wir Walsoorden bei Walsbay an. Wir werden schon von einem netten Herrn und seiner netten Mitarbeiterin erwartet, die uns mit Kaffee/Tee und Gebäck verwöhnt. Wir sind in einer großen Halle, vollgestopft mit Oldtimer-Automobilen, -Booten, -Fahrrädern und der dazu passenden Kleidung. Die Vintage-Kleidung kann erworben werden und tatsächlich wechseln einige schöne Stücke den oder die Besitzer:in. Alles, was wir hier sehen, wurde von dem Gastgeber und seinem Sohn zusammengetragen, restauriert und steht wieder zum Verkauf.
Voller neuer Eindrücke und Bewunderung über einen so engagierten Einsatz für alte und erhaltenswerte Kulturgüter fahren wir weiter zu einem Pfannkuchen-Haus. Dort überraschen wir die Inhaberin, die ihre Zusage einer Bewirtung völlig vergessen hatte. Letztendlich werden wir in die geschlossene Gaststätte eingelassen und etwas später auch mit sattmachenden Pfannkuchen versorgt. Das Warten auf das Essen fällt uns leicht, ist doch die Einrichtung ein wahres Panoptikum an Zwergen und anderen schrägen Utensilien.
Und damit diese Tour auch das Prädikat „Kaffeefahrt“ erhält, kehren wir auf dem Weg ins Hotel noch in den Hofladen Oude Stoof ein. Die Besitzer versorgen uns mit Kaffee/Tee und Gebäck und locken uns mit Köstlichkeiten aus ihrem Hofladen. Das verfängt bei einigen Pedersenfreund:innen.
Der Abend verläuft, wie er eigentlich immer bei uns Pedersenfreunden verläuft: essen, trinken und plaudern.
Samstag, 16. Mai
Um 10 Uhr schnallen wir die Pedersen auf die Autos und fahren nach Brügge. Die Sonne scheint. Während wir in Brügge unsere Räder fahrbereit machen, fängt es an zu Regnen – keine schöne Aussicht für einen Streifzug durch die Altstadt mit ihrer großen Geschichte. Der P+R Parkplatz liegt etwas außerhalb des Zentrums. Wir fahren los und wie auf Kommando hört der Regen auf, die Sonne kommt hervor und bleibt bis zur Rückfahrt unsere ständige Begleiterin. Auf dem alten Marktplatz schwärmen wir aus, um uns etwas zum Mittagessen zu suchen. Wir haben das Gefühl, gerade an diesem Tag ist die ganze Welt in Brügge zu Gast. Wir finden einen freien Tisch in einem netten Lokal etwas abseits des Zentrums. Fischsuppe steht auf der Tafel. Die wird mit allerlei Beigaben serviert und schmeckt köstlich.
Um 14 Uhr sind wir auf dem historischen Marktplatz – dem Zentrum – zu einer Fahrrad-Führung durch die Altstadt mit ihrer großen Vergangenheit verabredet. Wir teilen uns in zwei Gruppen. Ich habe das große Los mit meiner Gruppe gezogen, denn sowohl der Fremdenführer als auch die Übersetzungen von Robbi „frei Schnauze“ sind großartig. Hinzu kommt noch die überraschende Verteilung von Brügger Pralinen, einmal fabrikgemacht und zum Schluss handgemacht. Wir tauchen tief hinein in die bewegte Geschichte Brügges als Handelsplatz und Ort großer Innovationen. Gegen 17 Uhr kehren wir zu den Autos zurück und fahren zum Abendessen ins Hotel zurück.
Sonntag, 17. Mai
Abschied und Abreise. Uns fällt ersteres doch schwer. Zu schön waren die Begegnungen, die Gespräche, das von Ruben organisierte Programm und das Wiedersehen von vielen Pedersenfreunden und Kennenlernen neuer Teilnehmer. Das Verabschiedungs-Ritual zieht sich vom Empfang bis zum Parkplatz hin und endet erst, als wir in den Autos sitzen und in alle Richtungen davonfahren. Meine Heimreise verläuft bequemer als die zweitägige Anreise. Ich werde im Wagen mitgenommen und bis vor die Haustür gebracht.
Meine Schilderung vom BENEPE 2026 ist völlig subjektiv und aus meiner Erinnerung heraus geschrieben. Andere Pedersenfreunde mögen abweichende Erinnerungen haben. Aber ich bin mir sicher: alle Teilnehmenden an diesem Treffen blicken ähnlich begeistert darauf zurück wie ich. Danke, lieber Ruben, für die Organisation dieser schönen Zeit.
Und: über das Wetter reden wir nicht!














