rechts: Nur durch das Befahren der Gegenspur können Kfz den nötigen Überholabstand zu Radfahrenden einhalten.
Ralf Gandenberger (2)
Hochtaunus
Auf Kante genäht genügt nicht
Alle Radfahrenden dürften den vorgeschriebenen Überholabstand von 1,5 Metern inzwischen kennen. An vielen Autofahrenden ist diese Information auch nicht vorbei gegangen. Und wenn genug Platz ist, halten sich immer mehr Fahrzeugführende auch daran. Doch wie viel sind 1,5 Meter eigentlich auf der Straße und wie sieht es mit dem Abstand von Kfz und Rad bei Schutzstreifen und Radfahrstreifen aus?
Der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf hat dies bei einer Fahrt auf beiden Seiten der Dietigheimer Straße in Bad Homburg gezeigt und mit Fotos dokumentiert. Dazu hatten die Aktiven Schwimmnudeln mit einer Länge von 1,6 Metern an ihren Rädern befestigt und fuhren damit zunächst vom Untertor in Richtung Höhestraße. Die Bilder sind eindrucksvoll und zeigen, dass ein Überholen nur möglich ist, wenn wie hier auf die zweite Fahrspur oder bei zweispurigen Straßen komplett auf die Gegenspur ausgewichen werden kann. Denn der Überholabstand wird vom äußeren linken Rand des Rads gemessen, was meistens das Ende des Lenkers oder eines Spiegels ist. Die Nudel ist aber am Gepäckträger befestigt und steht damit etwa 60 Zentimeter weniger heraus, als der Überholabstand sein muss. Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, gilt laut Straßenverkehrsordnung faktisch ein Überholverbot. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer wissen das offenbar nicht.
In der Dietigheimer Straße machten wir darüber hinaus mit einem Banner darauf aufmerksam, dass hier ein Radweg fehlt, nachdem der ohnehin viel zu schmale Radfahrstreifen von der Stadt Bad Homburg ersatzlos entfernt wurde.
Auf der Rückfahrt von der Höhenstraße zur Saalburgstraße hat die Fahrt mit der Nudel klar illustriert, dass der dort eingezeichnete Radfahrstreifen viel zu schmal ist. Denn auch hier steht die Schwimmnudel deutlich über den Radfahrstreifen hinaus, so dass ein Überholen mit einem sicheren Seitenabstand nur bei einem Fahrspurwechsel möglich ist. Tatsächlich fahren aber fast alle Fahrzeuge an Rädern ohne Nudel direkt an der Linie entlang, was einem Überholabstand von etwa 70 Zentimetern entspricht. Das ärgert uns, denn Radfahren hat noch ein riesiges Potential in Bad Homburg, aber gerade unsichere und ältere Menschen meiden Straße mit zu schmalen Radfahr- und Schutzstreifen. Viele Bad Homburger Eltern lassen dort ihre Kinder nicht mit dem Fahrrad fahren, obwohl es eigentlich ein wichtiger Schulweg zur Humboldt- und Hölderlinschule ist.
Leider gibt es in Bad Homburg bestenfalls mit der Frölingstraße von der Urseler Straße bis zur Horexbrücke einen ausreichend breiten Radweg. Die Ortsgruppe ist besonders enttäuscht, dass selbst die neu geplanten Radwege so „auf Kante genäht“ sind, dass sie nur die absolute Mindestbreite aufweisen, um gerade noch legal zu sein. Straßen wie die Schleußnerstraße oder die gerade umgestaltete Thomasstraße sehen vielleicht nett aus, vorbeifahrende Busse oder Lkw müssen aber extrem eng an Radlern vorbei fahren. Dies hat damit zu tun, dass der Fahrbahnquerschnitt nicht verändert wurde und Radfahrstreifen neben die Fahrspuren gequetscht werden. Die Kfz-Spuren werden auf das Äußerste verengt, so dass Kfz häufig über die Linien für Radfahrende fahren müssen.
Und noch ein Punkt ärgert den ADFC: Eigentlich hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass Parkplätze auf den Straßen verringert werden und die Kfz die Parkhäuser nutzen sollen. Aber wenn es dann konkret wird, sind ein paar Parkplätze wichtiger als die Sicherheit der Radfahrenden, wie jetzt gerade wieder in der Thomasstraße bergab. Andere Städte machen vor, wie gute Radinfrastruktur funktioniert und steigern so den Radverkehrsanteil erheblich. Die neuen Radfahrenden sitzen nicht mehr im Auto, so dass für diejenigen, die wirklich auf das Auto angewiesen sind, mehr Platz auf den Straßen zur Verfügung steht. Wir geben die Hoffnung aber nicht auf und appellieren an die neuen Stadtverordneten, zukünftig mehr an schutzbedürftige Verkehrsteilnehmende wie Kinder und ältere Menschen zu denken.














