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Was ist eigentlich ein Pedersen?
Wer schon einmal eine komplette bike-night an sich hat vorbeifahren lassen, wird – ganz am Ende des Fahrradkorsos – den Schlussfahrer mit dem auffälligen Tropenhelm bemerkt haben. Noch auffälliger ist nur sein Pedersen, auf dem er in sehr aufrechter Sitzposition unterwegs ist.
Auch wenn der Name Pedersen eindeutig dänisch ist, muss der Ursprung des Rades in England, genauer: in Dursley verortet werden. Dorthin wanderte der dänische Ingenieur Mikael Pedersen gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus. Das nach ihm benannte Rad hat Pedersen für seine Frau konstruiert, erzählt mir Günter Tatara, der anfangs erwähnte bike-night-Schlussfahrer. Es sollte leicht und bequem sein. So entstand eine filigrane, aus insgesamt 21 Dreiecken gebildete Rahmenform, die es ermöglichte, vergleichsweise dünne und leichte Metallrohre zu verbauen. Das niedrige Gewicht ist natürlich besonders beim Bergauffahren ein großer Vorteil. Mikael Pedersen gewann mit seiner Konstruktion sogar Radrennen, weil er am Berg allen davonfuhr, begeistert sich Günter.
Einen handelsüblichen Sattel sucht man an einem Pedersen ebenso vergeblich wie eine klassische Sattelstütze. Der Sattel bestand ursprünglich aus einem geflochtenen Dreieckstuch, das wie eine Hängematte – der Begriff hat sich für den Pedersen-Sitz etabliert – in den Rahmen eingehängt wird. Heute befindet sich hier in der Regel ein spezieller Ledersattel. Bei Günters „Hängematte“ sorgen vier Stahlfedern für zusätzliche Elastizität.
Grundsätzlich gilt es, die historischen, um 1900 gebauten Pedersens von den aktuelleren, seit den 1970er Jahren produzierten zu unterscheiden. Denn kaum auf den Markt gekommen, verschwanden die Pedersens auch bald wieder, verdrängt von Rädern mit dem immer beliebter werdenden Diamant-Rahmen. Ein Nachteil des Pedersen-Rahmens waren die aufwändigen Lötarbeiten, die nötig waren, alle Dreiecke miteinander zu verbinden, das Rad aber relativ teuer machten.
rechts: … und der unverwechselbaren „Hängematte“
Torsten Willner (3)
Seine Renaissance erlebte das Pedersen – und hier beginnt erst das dänische Kapitel der Geschichte – als der Schmied Jesper Sølling aus Kopenhagen ein Pedersen in einem Museum entdeckte. Er besorgte sich die Pläne und baute das Rad in Christiania nach. Die begeisterte Resonanz ließ nicht lange auf sich warten, und Sølling stieg in die Serienproduktion ein. Mit Kalle Kalkhoff, einem Fahrradhändler der Kalkhoff-Familie, fand er den idealen Vertriebspartner für den deutschsprachigen Raum. Und so entstand auch in Deutschland eine kleine Fan-Gemeinde, die genau so ein Pedersen fahren wollte.
Die heute – meist nach Maß und auf Bestellung – in verschiedenen deutschen Manufakturen hergestellten Pedersens sind in der Regel mit allen Errungenschaften moderner Fahrradtechnik wie Nabendynamo, LED-Beleuchtung, hydraulischen Bremsen und den unterschiedlichsten Gangschaltungen ausgestattet.
„Mit einem Pedersen fällt man im Straßenbild auf. Nicht immer waren die Kommentare, die hinterhergerufen wurden, freundlich“, berichtet Günter. Doch gerade Jüngeren entlocke der Anblick oft ein spontanes „wie geil!“ So bleibt die Pedersen-Faszination weiter ansteckend. Vor zwei Jahren erwischte es Peter Braun aus Mannheim: „Das Pedersen ist in seinem Wesen ein Sportrad, unheimlich wendig und dabei doch spurstabil“, schwärmt er. Nur das aufrechte Sitzen erfordere etwas Gewöhnung.
„Über die vielen Jahre haben sich unter den Pedersen-Fahrenden Freundschaften gebildet, daher nennen wir uns auch Pedersenfreunde“, erklärt Günter, der regelmäßig Pedersen-Treffen besucht (Seite 20 – 21) und selbst organisiert: Das nächste findet vom 26. bis 30. September in Frankfurt statt.














