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11.03.2020, letztes Update: 23.03.2020

Corona-Krise trifft auch den Fahrradtourismus!

ADFC RadReiseMesse 2020 konnte nicht stattfinden

Trotzdem: Radurlaub bleibt Alternative zum Stubenhocken!
Wir geben Tipps und Hinweise

Selbstverständlich musste die Frankfurter ADFC-Radreisemesse, die für den 22.3.2020 angesetzt war, ebenso abgesagt werden wie faktisch alle Veranstaltungen und Meetings (auch interne) des ADFC bundesweit, und dies gilt mindestens bis einschließlich 19. April 2020, dem Ende der Schul-Osterferien in Hessen.

RadReiseMesse 2019 Eindrücke von der RadReiseMesse 2019
Foto: Eckehard Wolf

Die Aussteller der Radreisemesse haben Verständnis dafür, aber trotzdem trifft es natürlich ihre Marketinganstrengungen hart, ausgerechnet in der für die Destinationswahl der Urlauber wichtigen Phase im Spätwinter und Frühjahr. Nicht umsonst finden alle großen Touristikmessen wie ITB (Berlin), CMT (Stuttgart) oder FREE (München) genau in dieser Jahreszeit statt.

Aber wenigstens hat der Urlaub per Fahrrad, individuell oder in kleiner Gruppe, einen Vorteil gegenüber einem fest gebuchten Urlaubsarrangement: eine allzu langfristige Vorausplanung oder gar Vorbuchung ist nicht zwingend nötig. Der Radurlaub kann sehr spontan und kurzfristig angetreten werden – je nachdem was die Corona-Lage in Deutschland und Europa überhaupt zulässt. Es macht also Sinn, sich jetzt mit Planungen zu beschäftigen, aber den tatsächlichen Zeitpunkt noch offen zu lassen. Wir möchten daher Ihnen, den Usern unserer Webseite und Lesern dieses Beitrages, und damit der Besucherzielgruppe unserer Aussteller, zwei Empfehlungen geben.

  • Markieren Sie sich in Ihrem Terminkalender So., den 7. Juni 2020, für einen Besuch des Radler-Festes des ADFC Frankfurt rund um das Tower-Café am alten Hubschrauberlandeplatz in Kalbach / Bonames! Es besteht zumindest die theoretische Möglichkeit, dass Open-Air-Veranstaltungen zu dieser Zeit wieder möglich sind. Wir haben den Ausstellern der RadReiseMesse angeboten, ersatzweise dort aufzutreten. Einige Aussteller werden Sie - wenn das Fest denn stattfinden kann - dort antreffen können
  • Wenn Sie schon nicht zur Radreisemesse am 22.3.2020 nach Bornheim kommen konnten - machen Sie vom bequemen Schreibtischstuhl aus einen „virtuellen Rundgang“ durch die ausgefallene Frankfurter RadReiseMesse! Wie das geht? Ganz einfach: klicken Sie
    hier:

Ausstellerverzeichnis der RadReiseMesse 2020

…und Sie sind im Ausstellerverzeichnis! Alle Aussteller sind mit ihrer jeweiligen Homepage verlinkt. Sie können sich so in aller Ruhe, ohne dass Ihnen jemand zu nahe kommen kann, über die Leistungen und Produkte der Radurlaubs-Destinationen, der Reiseveranstalter und der anderen Anbieter informieren! Sie müssen nicht darauf verzichten, die Planung für Ihren Sommer-Radurlaub mit ausführlichen Informationen zu unterlegen!

Macht es überhaupt Sinn, für 2020 Radurlaub zu planen

Momentan und bis Mitte-Ende April geht natürlich gar nichts, außer dem Tages-Radausflug allein oder maximal zu zweit, denn es gilt ja – Stand 23.3. – keine Ausgangssperre. Alles Folgende steht unter dem Vorbehalt, dass im Sommer 2020 Tourismus generell wieder möglich ist in Deutschland und zumindest in Teilen von Europa. Grundsätzlich ist ja ein gut vorbereiteter Radurlaub immer gut für Körper und Psyche. Er findet tagsüber unter freiem Himmel statt. Radtouristen halten sich nicht ständig in potentiellen Infektions-Brutstätten auf, wie etwa Kreuzfahrtschiffen oder vollgestopften Charterbombern auf Langstrecke.

Aber - auch wenn sich im Sommer die Lage entspannen sollte - gehört es selbstverständlich zur gebotenen Vorsicht, sich bei Auslandsreisen auf der Webseite des auswärtigen Amts über Reisewarnungen zu informieren und diese zu beherzigen. Es kann auch nicht schaden, in diesem Jahr eine Urlaubsdestination zu wählen, deren lokale Sprache man zumindest ansatzweise versteht, um wichtige Informationen im Internet und den Medien mitzubekommen.

Normalerweise publizieren wir in unseren Medien immer um diese Jahreszeit, begleitend zur RadReiseMesse, Informationen zu radtouristischen Themen. Die März-Ausgabe von FRANKFURT aktuell, unserer Mitgliederzeitschrift, hat daher ein touristisches Titelthema. Trotz Corona empfehlen wir notorischen Optimisten vom ADFC Ihnen, diesen – fürs Web leicht umredigierten - Artikel im Folgenden zur Lektüre. Der Artikel richtet sich an die Leser/innen, die sich selbst als nicht ganz routiniert in der Vorbereitung ihres Radurlaubs einschätzen. Alle anderen mögen ihn überklicken!

Frankfurt am Main – idealer Startpunkt für den Radurlaub!

Eins vorneweg: wir Frankfurter/innen haben es gut! Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, dessen Einwohner eine größere Auswahl an attraktiven Radreisezielen haben. In einem Radius von anderthalb Stunden mit der Regionalbahn liegen kulturell und kulinarisch sehr unterschiedliche interessante Landschaften. Von „12 Uhr“ im Uhrzeigersinn: Kurhessen, Rhön, Mainfranken, Kraichgau/Hohenlohe, Nordschwarzwald, Pfälzerwald, Nahe-, Mosel und Lahntal, Westerwald. Im Radius von einer Tagesreise mit Bahn oder Auto liegen ganz Deutschland und alle (!) seine unmittelbaren Nachbarländer - alle denkbaren Topografien, im Sommer immer irgendwo gutes Wetter, kulinarische Spitzenregionen und gute Weinlagen. Was brauchen wir mehr für Spaß am Rad fahren?

RadReiseMesse 2019 Mit dem ADFC Frankfurt kann, wer möchte, auch Radurlaub machen – wie hier eine Gruppe am Saar-Kohle-Kanal hinter Saarbrücken. Das Tourenprogramm mit über 20 Radreisen ist soeben erschienen, im Netz stehen die Radreisen schon länger:
ADFC Frankfurt Radreisen

Wohin soll´s überhaupt gehen?

Ein Radurlaub muss nicht, kann aber gleich vor der Haustür losgehen – Greta Thunberg wird es danken (wem das etwas bedeutet), wenn eine CO2-emittierende Anfahrt entfällt. Gerade Hessen hat ein gut ausgebautes Netz von Radfernwegen, nicht zuletzt wegen der sorgfältigen Pflege durch den ADFC Hessen. Die hessischen Radfernwege sind im Mittelgebirge zum Teil anspruchsvoll, aber immer bestens beschildert. Die dazugehörige Broschüre gibt es beim ADFC Frankfurt und beim ADFC Hessen, viel Information natürlich auch online unter
https://www.hessen-tourismus.de

Wer die Zielsuche von vornherein auf Deutschland beschränkt, hat dennoch eine riesige Auswahl – siehe weiter unten. Deutschland ist weltweit Radreiseland Nr 1. Ein Tipp sei erlaubt: es gibt eine zwar veraltete, aber noch aktive Webseite des Projekts „Radnetz Deutschland“. Der Plan zu einem nationalen radtouristischen Wegenetz wurde in den Nuller-Jahren vom ADFC gepusht, vom für den Tourismus zuständigen Bundeswirtschaftsministerium damals leider nicht energisch genug unterstützt, es soll aber höchstwahrscheinlich bald einen Neustart über das Verkehrsministerium geben. Die 12 „D-Routen“ bestehen größtenteils aus bekannten Radfernwegen. Bis auf die noch unvollständigen Routen 4 und 11 sind sie physisch vorhanden und gut gepflegt, teilweise auch als D-Routen beschildert, und sie sind allemal für einen Radurlaub zu empfehlen!

Auch europaweit gibt es ein Routennetz, die Eurovelo-Routen https://de.eurovelo.com. Allerdings ist nicht überall davon auszugehen, dass diese Routen einen ausreichenden Ausbaustandard haben. Wir empfehlen, erst einmal genauer zu recherchieren – auch über die Kontaktmail des ADFC Frankfurt. Zu Europa weiter unten mehr.

Plan A und Plan B!

Eine generelle Empfehlung haben wir doch, nämlich: zwei Planungen machen, für Regionen in unterschiedlichen Richtungen von Frankfurt aus. Deutschland und Mitteleuropa sind nirgends absolut wettersicher, und niemand sollte ausgerechnet seinen Radurlaub grau und nasskalt erleben müssen. Die Plan A – Plan B – Variante funktioniert natürlich nur, wenn man nicht monatelang vorher alles vorgebucht hat.

Flexibel bleiben!

Unsere Empfehlung: nicht zu viel vorbuchen! Im Zweifel einfach drauflos fahren! Allein oder zu zweit findet man überall – außer an der deutschen Ostseeküste - eine Übernachtung. Freiheit ist gerade das schöne am individuellen Radurlaub. Man kann die Tour unterbrechen wenn das Wetter schlecht oder die Beine schwer werden, man kann bleiben so lange man will wo es einem gut gefällt.

RadReiseMesse 2019 Deutschland ist weltweit das Radreiseland Nr 1 – von der Waterkant bis hier an die Alpen
Foto: Eckehard Wolf

Erst mal beim ADFC reinschauen!

Der weltgrößte Radfahrerverband hat sehr viel an radtouristischem Infomaterial in der Pipeline; das reicht für so manche Radreiseplanung schon völlig aus. Auf der Website des ADFC www.adfc-radtourismus.de findet sich eine Vielzahl an Informationen zu allen Themen rund um die Radtour. Dort findet man auch den schnellsten Zugang zu den eigenen touristischen Leistungen des ADFC:

  • Die Broschüre und Webseite „Deutschland per Rad entdecken“ stellt dutzende interessante Radreiseregionen vor.
  • Die Broschüre „Radurlaub“ und die dazugehörige Website informieren über kommerzielle geführte Radreisen
  • Die Kartenserien und Radreiseführer des ADFC in Kooperation mit dem BVA-Verlag und dem Bruckmann-Verlag geben Radreisenden auf ihrer Tour Orientierung
  • Die Gütesiegel ADFC-Qualitätsradroute und ADFC-Qualitätsradregion zertifizieren Qualität in Wegbeschaffenheit und touristischem Angebot
  • Das ADFC-Label „bett+bike“ mit eigener Website und App führen zu 5.800 radfahrerfreundlichen Gastbetrieben.
  • Immer richtig: der Besuch einer ADFC-Radreisemesse. In diesem Jahr gilt dies leider nur eingeschränkt – Grund siehe oben
  • Für die digitale Routenplanung arbeitet der ADFC unter anderem mit dem führenden Wander- und Fahrrad-Navigationsportal fürs Smartphone komoot zusammen, außerdem mit diversen regionalen Radroutenplanern, zusammengeführt im Radroutenplaner Deutschland

Über den ADFC hinaus

In Deutschland deckt der ADFC eigentlich den gesamten Informationsbedarf für „Genussradler“ ab. Es gibt aber natürlich noch andere Informationsquellen

  • Kartenserien wie „bikeline“ aus dem österreichischen Esterbauer-Verlag
  • Die hervorragende Internet-Karte Open Cycle Map
  • Informationen und GPS-Tracks regionaler Tourismusverbände
  • Länder-Radroutenplaner wie das „Bayernnetz für Radler“
  • Hochinteressant ist die Webseite: www.bahntrassenradeln.de
  • Für die ganz harten auf dem Rennrad: die Webseite: www.quaeldich.de

Ein paar notwendige Checks

  • Stimmen Topografie der Zielregion und eigene körperliche Fitness überein? Ein Hinweis: Flusstal-Radwege sind nicht immer flach!
  • Ist die Fahrrad-Hardware ok, sind die wichtigen Teile neu genug?
  • Bekäme ich das Rad in der Zielregion repariert? Tipp für Nicht-Bastler: im Ausland nicht zu komplizierte Technik nutzen!
  • Wenn Camping eine Option ist: ist die Campingplatz-Dichte ausreichend?

Planungs-Checks für Hin- und Rückreise

  • Mit der Bahn: kann ich das Ziel oder den Heimatort mit Regionalzug-Hopping erreichen? Schaffe ich das körperlich und mental?
  • Mit dem Auto: erreiche ich das am Startort sicher abgestellte Auto im Notfall (Verletzung, Erkrankung, Wettersturz) mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

RadReiseMesse 2019 In unseren europäischen Nachbarländern gibt es atemberaubende Strecken zu erradeln – wie hier die Gorge de la Nesque bei Sault, Provence, Frankreich

Europäische Optionen
– von Frankfurt nicht weit!

Hier die wichtigsten radtouristischen Charakteristika der unmittelbaren Nachbarländer Deutschlands, von Norden im Uhrzeigersinn:

  • Dänemark: Ausgeprägte Alltags-Fahrradkultur, ähnlich wie die Niederlande. Weitmaschiges Netz weniger aber sehr komfortabel ausgebauter Fernradwege
  • Polen: touristische Radwege an der Ostsee, vor allem in Masuren. Überall sonst muss der Radfahrer absolut straßenverkehrsfest sein. Tipp für fitte: der „wilde Südosten“ Polens
  • Tschechien: Dichtes Netz von gelben Radwegweisern, es geht dann oft über Stock und Stein, auf ruhigen Nebensträßchen ist man oft besser aufgehoben. Topografie erfordert Steigungsfestigkeit. Touristische Infrastruktur gut und günstig
  • Österreich: Angebot so gut und dicht wie in Deutschland. Der Donau-Radweg Passau-Wien war die „Mutter aller Fernradwege“
  • Schweiz: Was die Schweizer machen, machen sie gleich richtig. Das Radwegenetz und das dazugehörige Informationssystem „SchweizMobil“ sind das perfekteste weltweit. Aber: Kontostand und eigene Fitness überprüfen
  • Frankreich: Basis-Infrastruktur für Radtouristen sind die kleinen D-Straßen. Es wird aber sehr zielgerichtet an „voies vertes“ („greenways“) gebaut. Tipp: die interaktive Karte von www.af3v.org. Frankreich hat knapp 10.000 Campingpätze!
  • Luxemburg: Win echter Genussradeltipp. Gut ausgebaute und beschilderte Radwege, teilweise auf alten Bahntrassen
  • Belgien: Im radaffineren flämischen Landesteil dominiert das engmaschige Knotenpunktsystem, im wallonischen Teil gibt es ein weitmaschigeres Netz von „Ravel“-Radrouten
  • Niederlande: Radtouristisch gibt es zwei Systeme parallel: ein Netz von nationalen Radfernwegen (LF-Routen) mit Zielwegweisung und ein lokales Knotenpunktsystem

Und noch ein paar Hinweise zu zwei wichtigen Zielländern

  • talien: Nahezu perfekt ausgebaut ist das Radwegenetz in Südtirol. Ansonsten gilt: Wer in Bella Italia unterwegs ist, muss autoverkehrs-stressfest sein und echte Steigungen bewältigen können. Hoffen wir, dass dieses wunderschöne Land die akute Corona-Krise bald und ohne Dauerschaden übersteht!
  • England: Dank unserer Kollegen vom Partnerverband Sustrans (sustainable transport) hat England heute ein gutes „National Cycle Network“. Die Radwege sind teilweise offroad. Keine Angst vor dem Linksverkehr – Englands Autofahrer sind freundlich

Nun ist aber genug theoretisiert! Mit soviel Information im Kopf kann bei der Radreiseplanung nichts mehr schief gehen! In ein paar Wochen oder Monaten geht’s dann auf in den Sattel!


© ADFC Frankfurt am Main e.V. 2010-2015, 2016