Ausgabe 4/1999   Jul. / Aug.


Bundeshauptversammlung in Bremen 1999

Am 15. und 16. Mai 1999 fand die diesjährige Bundeshauptversammlung (BhV) in Bremen statt. Ich als Neuling im ADFC habe dort sowohl bei den Veranstaltungen des Rahmenprogramms, als auch bei der BhV selber einiges an Erfahrungen und Informationen sammeln können.

Zum Rahmenprogramm der BhV gehörte am Vorabend ein Empfang im Bremer Rathaus durch Oberbürgermeister Henning Scherf. Zum 20. Jubiläum war auch Frau Tebbe gekommen, die Witwe des Begründers des ADFC, Jan Tebbe.
Am Samstag folgte nach der Begrüßung durch den Bundesvorsitzenden Michael Große eine Ansprache von Mr. Richard Kisamadu, Projektleiter der Jugendhilfe Ostafrika in Uganda, die durch den ADFC unterstützt wird (siehe Radwelt 6/98, Hilfe für Ruanda). Kisamadus Projekt zeigt mittlerweile großer Wirkung.

Projekt mit großer Wirkung

    Auf Bildern sahen wir, auf welch vielfältige und z.T. unglaubliche Weise Fahrräder in Uganda benutzt werden, meist als Transportmittel. Dabei werden die Fahrräder oft so mit Bananen, Schuhen oder auch Holz beladen, daß man von den Rädern selbst nicht mehr viel erkennt. Wer in Uganda sein Geld nicht damit verdient, Sachen zu verkaufen, die er mit dem Fahrrad transportiert, bietet z.B. einen Fahrrad-Taxidienst an. Auf dem Gepäckträger ist ein Sitzkissen montiert, auf dem man im Damensitz mitfahren kann. Eine weitere wichtige Berufsbranche betrifft Ärzte, Pfleger und Sozialarbeiter. Sie können sich mit dem Fahrrad wesentlich weiter und schneller bewegen und ihre Hilfe auf entfernt gelegene Dörfer ausweiten. Die Unterstützung durch den ADFC ist auch hier also mehr als angebracht.
    Nach den Berichten des Bundesvorstandes, Hauptausschusses und der Kassenprüfer (der Kassenwart erntete für seine ordentliche und übersichtliche Kassenführung großes Lob), kamen wir zur Beratung von Anträgen.
    Am Vorabend hatte bereits die Antragskommission die verschiedenen Anträge geprüft, um ggf. der Versammlung vorzuschlagen, den einen oder anderen Antrag zu streichen (z.B. weil er nicht der Zustimmung der Delegierten bedarf, oder an einen entsprechenden Fachausschuß verwiesen werden kann).

Forderungen an die neue Regierung stellen

    Zuerst wurde dann beschlossen, Forderungen an die neue Regierung zu stellen, damit der Radverkehr den Möglichkeiten entsprechend gefördert wird. Zwischendurch gab es eine richtiggehend heiße Phase. Ein Mitglied des Bundesvorstandes, Benno Koch vom LV Berlin, wurde aufgefordert, zurückzutreten. Nach Meinung einiger Delegierter führte er sein Amt nicht ordentlich aus. Er hatte tatsächlich bei verschiedenen Sitzungen durch Abwesenheit geglänzt. Die Zusammenarbeit mit den anderen Vorstandsmitgliedern war wohl nicht die beste. Durch Einspruch eines Vorstandsmitglied wurden die Wogen jedoch wieder geglättet.
    Der Landesverband (LV) Sachsen stellte den Antrag, es solle ein Präzedenzfall bzgl. der Umsetzung der StvO-Novelle geschaffen werden. Das Urteil dazu solle von einem Oberlandesgericht gefällt werden, damit der Präzedenzfall eindeutig sei und rechtsempfehlenden Charakter habe. Dieser Antrag wurde von der Versammlung nicht abgelehnt, soll jedoch nur als Ultima Ratio in Frage kommen.
    Der Bundesvorstand stellte den Antrag, die Facharbeit zu verbessern. Damit die Fachausschüsse effizienter arbeiten können, wurde beschlossen, daß sie zeitlich begrenzte Fachgruppen einsetzen dürfen (z.B. für einzelne Aktionen). Die Facharbeit soll außerdem finanziell besser unterstützt werden.
Nach diesem TOP wurde die Versammlung unterbrochen, um am Abend die ersehnte Radlerparty zu feiern. Das taten wir dann auch bei gutem Essen und guter Musik bis tief in die Nacht.

Engagement in der European Cyclists Federation

    Als ADFC-Mitglieder habt Ihr bestimmt alle schon vom ECF gehört. Die European Cyclists Federation (der Name steht auf der Rückseite Eures Mitgliedsausweises) ist der Europäische Fahrradverband, mit ca. 400.000 Mitgliedern. Von denen stellt der ADFC fast 100.000 und ist somit die größte Fraktion. Daher und wegen des Zusammenwachsens Europas wurde beschlossen, sich stärker im ECF zu engagieren.
    Ein Antrag forderte, die "Bremer Thesen 1989", das Grundsatzprogramm des ADFC, zu überarbeiten und neu festzuschreiben. Dies wird nun unter Federführung des LV Schleswig-Holstein geschehen.
    In Bremen hat es mir gut gefallen. Es war interessant zu hören, welche Probleme woanders auftreten, und sich mit anderen ADFClern auszutauschen. Nur eine Enttäuschung habe ich erlebt: Bremen ist doch nicht das Fahrradparadies, von dem ich die ganze Zeit geträumt habe...

Alexandra Schmehl

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