Ausgabe 4/1999   Jul. / Aug.


Kleines ABC
großer Radfahr-Irrtümer

Ketten könnten auch mit ganz gewöhnlichem "Nähmaschinen- und Fahrradöl" geschmiert werden ...

MITNICHTEN! Nach der Bereifung ist wohl die Kette - gerade bei den Kettenschaltungen - das sensibelste Teil unseres Fahrrads. Ungeschmiert, dazu noch zu lange gefahren, schreit sie wortwörtlich zum Himmel, wird rostig braun und, Glieder-aufbockend, knackig laut. Kein Wunder, besteht sie doch aus vielen Hundert einzelnen mit 100stel Millimeter Genauigkeit aufeinander gleitenden Teilen!!
Nun, das ganz normale Fahrrad-Öl kriecht nicht in die Spalten zwischen den Kettengliedern und es zieht den Staub an. Immerhin ist es besser als gar keines und verhindert Rostansatz, der mit seiner braunen Farbe einen Materialfehler in der Struktur des Benutzers oder der Benutzerin des Rades signalisiert. Ungleich effektiver wirkt Spezial-Kettenöl oder -Fett, das kriecht in die Kettenglieder und läßt sich auch nicht mehr durch den dort herrschenden extrem hohen Druck - bei den Profis ist das mehr als eine Tonne pro mm2!! - herauspressen. Wer es ganz gut mit der Kraftübertragung am Rad meint - schließlich unterliegen mit der Kette auch Kettenblätter und Ritzel einem enorm hohen Verschleiß - wechselt 3 Ketten im Turnus: Die 1., nach 1500 km schon ein wenig gelängte Kette wird nach der 3. wieder aufgelegt, dann läuft sie auf den kleinen Ritzeln noch nicht über, und hilft so im Verein mit den anderen beiden Ketten mit, die Lebensdauer der gesamten Kraftübertragung auf das doppelte oder gar dreifache zu verlängern: Schließlich sind ja die berüchtigten "Haifischzähne" auch nicht gerade das Gelbe vom Ei! Im übrigen - freundlicher Hinweis von Reiner H. Rauschenberg - sollten Ketten nicht ständig unter Voll-Last (mit den zuvor beschriebenen Verschleiß-Folgen) geschaltet werden...

KETTENSCHALTUNGEN seien prinzipiell den Nabenschaltungen überlegen ...

MITNICHTEN, die Hersteller der neuen Generation mit bis zu 14 Gängen im Getriebe haben im Rennen um die Gunst der Pedaleure gegenüber den Aussenbord-Schaltwerkern erheblich an Terrain gewonnen - die Grenzen der Einsatzbereiche haben sich stabilisiert! Wer nach wie vor aus ergodynamischen Gründen mit rundem Tritt leichtgewichtig und pflegebewusst über Berg und Tal schweben will, sollte "Kette" wählen, wem Gewicht nichts ausmacht, weil der Einkaufskorb sowieso schon überquillt, fährt die robuste "Nabe"! Immer noch kurz, aber aus geschlechtsspezifischen Abnormitäten unserer Muttersprache, die unsere auch germanischen Nachbarn z.T. durch königliches Dekret, z.T. schon vor Jahrhunderten, abgeschafft haben: jedem/r das Seine/Ihre!!!

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