Ausgabe 5/1999   Sep. / Okt.


Käpt’n Arals Radwege für Gummibärchen

Eine Verkehrsfibel voller wahrer Flunkereien mit einem Vorwort von Hein ... äh Wissmann

Kindern beizeiten die lustigen Spielregeln des großen Spielspaßes nahezubringen, für den die Erwachsenen täglich auf die Straße gehen und sich hinters Steuer setzen, ist natürlich eine ernste Aufgabe, der sich der Konzern mit den blauen Tankstellen nicht ohne das augenzwinkernde Seemannsgarn des beliebten gleichfarbigen Moers-Bären verschreibt.

Sogar zur Geschichte der Radwege erhält jedes Kind aus der Verkehrsfibel erschöpfende Antwort: "Das Ungerechte war nämlich, daß alles und jedes seinen eigenen Weg hatte. Felder hatten Feldwege, Gärten hatten Gartenwege, Wasser hatte Wasserwege, und Holz hatte Holzwege. Sogar Gebäude hatten ihre Wege. Ich erinnere da nur an Kirchweg oder Rathausweg. Auch jeder Vogel besaß seinen eigenen Weg: Amselweg, Drosselweg, Zeisigweg, das war alles ganz normal. Bloß die Fahrräder gingen leer aus.

Kein Wunder, daß die Fahrräder eines Tages meuterten. Sie weigerten sich einfach weiterzufahren. Wenn sich trotzdem jemand auf sie setzte, dann ließen sie sofort ihre Ketten reißen oder die Reifen platzen. Kurzum, kein Fahrrad fuhr mehr.

Da trennte ich mit einem weißen Strich kurzerhand einen Teil des Gehwegs für die Fahrräder ab. Daneben stellte ich ein Schild mit einem Bild von mir. Darunter schrieb ich dann 'Radweg'. Die Fahrräder freuten sich so darüber, daß sie wieder fuhren. Deshalb legten die Leute überall Radwege an."

Unterbrechen wir hier mal den wortreichen blauen Kapitän und spinnen die Geschichte selbst weiter.

Natürlich bauten die Leute eben nicht überallhin Radwege, sondern bevorzugt auf die Gehwege, und die Fahrräder waren darüber so glücklich, daß vor lauter Freude ihre Felgen knickten und Speichen rissen. Und noch begeisterter waren die vielen Autos, die jetzt nicht mehr nur auf ihren Autowegen, pardon Autobahnen, sondern auch in Wohngebieten so schnell fahren konnten, wie sie wollten, weil ja die glückstaumelnden Fahrräder ganz mit Mülltonnen, Laternenpfählen, Bordsteinkanten und Baugruben beschäftigt waren.

Und wenn die Autos müde wurden, stellten sie sich am liebsten auf die Blaubärwege, um dort den hüpfenden glücklichen Fahrrädern näher zu sein.

Ach ja, und der Bär ist eines Tages auf so einem Weg von einem abbiegenden Auto plattgefahren worden, so daß jetzt auf den Schildern kein Bär mehr zu sehen ist, sondern nur ein runder blauer Klecks unter dem Fahrrad mit abgebrochenen Pedalen.

Tscha, Kinners, so war dat domols ...

Kai Gürtzig im
Thüringer Pedal-Ritter 4/98

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